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Ostholstein Diebesgut aus Ostholstein in Polen verkauft
Lokales Ostholstein Diebesgut aus Ostholstein in Polen verkauft
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22:32 28.09.2017
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Lübeck/Fehmarn

Nichts war vor ihnen sicher, wenn sie unterwegs waren, lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Die Männer sollen es meistens auf teure Außenbordmotoren und wertvolles Schiffszubehör abgesehen haben. Oder – so die Anklage – auf Pkw-Anhänger, um ihre Beute Richtung Polen abzutransportieren.

Doch Gelegenheit macht Diebe. Es gingen wohl auch schon mal Kinderschlitten, Neoprenanzüge oder Gummistiefel mit, ebenso Kettensägen, Mountainbikes oder mancherlei Haushaltsgeräte.

Gestern stand das Quartett vor dem Landgericht Lübeck: ein 52-jähriger polnischer Staatsangehöriger, der auf Fehmarn auf einem Hausboot wohnte, dessen 26-jähriger Sohn sowie zwei weitere Angeklagte (26 und 27 Jahre alt). Die drei Jüngeren sollen nach den Taten wieder in den Großraum Stettin zurückgekehrt sein, um das Diebesgut zu verhökern.

Für einen von ihnen war im Dezember 2016 auf der „Heimreise“ Schluss. Er wurde auf dem Weg nach Brandenburg mit einem laut Polizei in Großenbrode gestohlenen Pritschenwagen und zwei Bootsmotoren festgenommen. Einen Monat später erwischte es die anderen drei Männer. Seither sitzen sie in Untersuchungshaft.

Eine Liste mit 44 Tatkomplexen – die meisten in Ostholstein – las Staatsanwalt Kai-Uwe Bergfeld gestern vor. Auf Fehmarn und in Großenbrode sollen sie Scheunen und Winterlager wie Ferienhäuser, Campingplätze und Privatparkplätze heimgesucht haben. Wer schon einmal Opfer gewesen war, konnte nicht sicher sein, dass die Täter es bei ihm später nicht nochmals versuchten.

Vor allem in der dunklen Jahreszeit nach Ausklang der Saison sollen sie zugeschlagen haben. Das erleichterte ihnen die Zwischenlagerung ihrer Beute in unmittelbarer Nähe. Einiges soll in der Heiligenhafener Kleingartenanlage einer Schwester versteckt worden sein.

Vorsorglich sechs Hauptverhandlungstage hatte der Vorsitzende Richter Kai Schröder daher anberaumt, um diese spektakuläre Serie, über die die LN wiederholt berichtet haben, als „Diebstahl in besonders schwerem Fall“ zu verhandeln.

Dazu wird es vermutlich nicht kommen. Denn in einer rund 90-minütigen Verhandlungspause handelte er mit den Verteidigern der Angeklagten und in Abstimmung mit dem Staatsanwalt eine „Verständigung“ aus, die für alle Seiten Vorteile bringt. Dem Gericht erspart sie eine lange Verhandlungszeit, um jeden Einzelfall zu beleuchten. Alles hätte zudem von der Dolmetscherin übersetzt werden müssen. Bei der Verlesung der Anklageschrift ersparte man sich dies. Mehrere Dutzend Seiten lagen den Anklagten komplett in polnischer Übersetzung vor.

Sofern sie ein Geständnis ablegen, könnte das Strafmaß zwischen einem Jahr und neun Monaten bis zu vier Jahren und drei Monaten liegen. Dabei berücksichtigt werden würde ihre wechselnde Beteiligung an den Straftaten. Der 52-Jährige könne, so Schröder, sogar auf eine Bewährungsstrafe hoffen. Fallengelassen wurde laut Verteidiger Oliver Dedow der „Banden“-Vorwurf.

Die nächste Verhandlung findet am 13. Oktober ab 9.30 Uhr in der Außenstelle des Landgerichts Lübeck (Am Flugplatz 4, Gebäude 26) statt. Dann könnte sogar schon ein Urteil fallen.

 Von Gerd-J. Schwennsen

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