Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Lebhafte Diskussion über Gymnasium in Stockelsdorf
Lokales Ostholstein Lebhafte Diskussion über Gymnasium in Stockelsdorf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:03 03.11.2018
Diskussion im Stockelsdorfer Herrenhaus zum Thema Gymnasium. Moderiert wurde der Abend von der NDR-Redakteurin Antje Kasemeyer. Quelle: Doreen Dankert
Stockelsdorf

„Braucht Stockelsdorf ein Gymnasium?“ Das war das Thema der öffentlichen Diskussion, zu der die Fraktionen von CDU und Bündnis 90/ Die Grüne für Donnerstagabend in das Stockelsdorfer Herrenhaus eingeladen hatten. Mit rund 100 Bürgern war diese Veranstaltung „eigentlich ganz gut besucht“, erklärte Bürgervorsteher Manfred Beckmann (CDU), „aber ich hatte gedacht, dass es viel mehr sein würden, vor allem noch mehr Eltern, die das Thema Gymnasium betrifft.“ Und so waren dieser Einladung neben ein paar Eltern vor allem Kommunalpolitiker – auch aus Bad Schwartau – , politikinteressierte Stockelsdorfer Bürger und auch eine Handvoll Gymnasiasten gefolgt. Moderiert wurde die Veranstaltung von NDR-Redakteurin Antje Kasemeyer.

Zunächst aber skizzierten die Gastgeber noch einmal den Weg des Aufflammens der aktuellen Diskussion um das Gymnasium. Vor einigen Monaten hatte die FDP-Fraktion im Ausschuss einen Antrag gestellt, die Machbarkeit eines Gymnasiums in Stockelsdorf durch die Verwaltung überprüfen zu lassen. Dieser Antrag wurde von der FDP noch während der Sitzung in eine Anfrage umgewandelt. In der selben Sitzung hatte Birgit Kalläne vom Schulelternbeirat der Gerhart-Hauptmann-Grundschule Stockelsdorf Bürgermeisterin Julia Samtleben (SPD) eine Liste mit 430 Unterschriften überreicht von Eltern und Bürgern mit der Bitte, sich für ein Gymnasium in Stockelsdorf einzusetzen (die LN berichteten).

Einer von denen, die ihren Namen auf diese Liste gesetzt haben, ist Johannes Kalläne, der bei dem Forum im Herrenhaus mehr als deutlich seinen Unmut darüber äußerte, dass er nicht verstehen könne, dass die Verwaltung die Machbarkeit eines Gymnasiums in Stockelsdorf nicht prüfe, „und dass die Gastgeber sehr schlecht vorbereitet sind, denn ich hatte erwartet, dass ich hier konkrete Zahlen bekomme“. Auch mit der Ansage der Moderatorin an alle, „ich möchte Argumente hören, keine Statements“, konnte sich Johannes Kalläne nicht anfreunden, doch Antje Kasemeyer ließ provokante Einwürfe ins Leere laufen. Abgesehen davon, war der Verlauf der Veranstaltung sachlich und auch erhellend.

Die Pro- und Kontra-Argumente der Bürger wurden auf Flipcharts notiert. Für ein Gymnasium in Stockelsdorf spricht unter anderem, dass der Schullastenausgleich von über 500 000 Euro, den Stockelsdorf jährlich an Bad Schwartau für rund 400 Schüler zu zahlen hat, künftig deutlich steigen wird – vermutlich auf 800 000 Euro. „Aber es kann sogar noch deutlich mehr als 800 000 Euro sein“,erklärte Bürgermeisterin Julia Samtleben. Zudem würde ein Gymnasium die Gemeinde aufwerten, und für etliche Schüler wäre die Anfahrt kürzer.

Zahlen und Fakten

470 Stockelsdorfer besuchen auswärts Gymnasien: 300 das GaM, 100 das Leibniz, 70 Schulen in Lübeck. Stockelsdorf zahlt über 600 000 Euro Schullastenausgleich pro Jahr, über 500 000 Euro davon allein nach Bad Schwartau. Die Mindestschülerzahl für ein Gymnasium beträgt 300 Schüler. Der Schulentwicklungsplan des Kreises Ostholstein bis 2036 ist einsehbar unter www.kreis-oh.de. Demnach ist die Schülerzahl tendenziell rückläufig.

Was gegen ein Gymnasium in Stockelsdorf spricht, machte vor allem Annie Schubart, Stockelsdorferin, Elternvertreterin am Gymnasium am Mühlenberg (GaM) und Leiterin einer Arbeitsgemeinschaft, die sich seit zwei Jahren mit dem Thema GaM-Sanierung/Neubau befasst, klar: „So ein Bau ist ein komplexes Genehmigungsverfahren“, erklärte Schubart, „und es ist in Bad Schwartau schon so weit gediehen. Stockelsdorf hinkt da viel zu weit hinterher, aber wenn Stockelsdorf jetzt Gas gibt, dann würde das zu einem Stopp des Verfahrens in Bad Schwartau und Verzögerungen der Baumaßnahmen in Bad Schwartau führen. Und das geht zu Lasten der Schüler.“ Denn die Funktionalausschreibung für das GaM laufe bereits. Als Idee stellte Annie Schubart einen Schulverband zwischen Stockelsdorf und Bad Schwartau in den Raum als eine Lösung für Stockelsdorf, „um mitmischen zu können“. Und aus Richtung Stockelsdorfer GaM-Schüler war zu vernehmen, „dass der GaM-Standort ideal ist“, so der 16-jährige Lukas Fahrenbruch: „Zentral und dicht am Zob. Am Preis 600 Euro pro Jahr für die Schülerbusfahrkarte, da müsste man was machen und die Kosten reduzieren.“

Auf der Kontra-Liste steht schließlich auch, dass sich die Gemeinde Stockelsdorf eine geschätzte 35-Millionen-Euro-Investition für ein Gymnasium bei einem Jahresetat von 30 Millionen Euro schlichtweg nicht leisten könne, so der Hauptausschussvorsitzende Torsten Petersson (CDU). „Im Moment sind wir schuldenfrei als Gemeinde“, erklärte Petersson, „aber mit den bereits angeschobenen Investition wie neue Kita, Feuerwehrhaus oder den offenen Ganztagsschulen werden wir laut Prognose bis 2021 mit 18 Millionen Euro verschuldet sein.“ Ohne Gymnasium.

Doreen Dankert

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Drei Tatverdächtige aus Ostholstein sind in Heiligenhafen nach einer Großfahndung festgenommen worden. Zuvor waren die Insassen eines Mercedes mit ihrem Fahrzeug vor einer Polizeistreife geflüchtet.

02.11.2018

Die Stadt Fehmarn und Bauamtsleiter Marcel Quattek gehen getrennte Wege. Aus Altersgründen scheidet Anfang 2019 auch Werkleiter Rainer Loosen bei den Stadtwerken aus.

02.11.2018

Das Duell der Tennis-Gladiatoren Björn Borg gegen McEnroe hat die Sportwelt 1980 elektrisiert. Und das so nachhaltig, dass dieses Aufeinandertreffen verfilmt wurde. Am Donnerstag, 8. November, zeigt das Kommunale Kino Bad Schwartau den Kinofilm dazu. Das Besondere: Besucher sollen sich als Borg oder McEnroe verkleiden – die beiden besten Outfits werden prämiert.

02.11.2018