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Ostholstein Dominique Caron und das Haifischbecken von Hagen
Lokales Ostholstein Dominique Caron und das Haifischbecken von Hagen
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20:21 19.11.2016
Keine Spielstätte für die Eutiner Intendantin: Sie zog ihre Bewerbung für das Stadttheater in Hagen nach heftiger Kritik an ihr zurück. FOTO: MICHAEL KLEINRENSING

Ränkespiele, Intrigen, Verrat und Neid – diese Charakterschwächen des Menschen sind immer wieder dankbarer Stoff für das Theater. Aber manchmal übertrifft das, was sich hinter der Bühne abspielt, noch das Schauspiel. Welches Haifischbecken sich da auftun kann, das hat sich gerade im westfälischen Hagen und im beschaulichen Eutin gezeigt. Hier tobt eine rüde Auseinandersetzung um Dominique Caron, wie man sie allenfalls aus Seifenopern kennt.

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Carons Vorgänger in Eutin, Jörg Fallheier, verteidigt die Kritiker. FOTO: ROESSLER

Die Intendantin der Eutiner Festspiele war Ende September von einer Findungskommission in Hagen mehrheitlich als Intendantin für das dortige Theater empfohlen worden. Der Aufsichtsrat des Theaters schloss sich dem an, die Bestätigung durch den Stadtrat galt als sicher.

Doch am 15. November machte Caron „nach langer Überlegung und mit großem Bedauern“ einen Rückzieher von der Bewerbung. Zu den Gründen schweigt sie, doch das Netz liefert Erklärung. Ihre Unterstützer in Hagen beklagen eine „beispiellose Schlammschlacht“, ihre Gegner weisen das als „Verschwörungstheorie“ zurück, sprechen etwa von Ungereimtheiten im Lebenslauf der Französin, auf die „seriös und sachlich“ hingewiesen worden sei.

Bemerkenswert ist, dass die Kampagne von ehemaligen Eutiner Festspiel-Größen kräftig mitbefeuert wurde. Dazu zählte etwa Urs-Michael Theus, bis 2015 Generalmusikdirektor bei den Eutiner Festspielen.

Einem Hagener Internet-Blog gab er im Oktober ein mehrseitiges Interview. Darin spricht er Caron „auf fachlich-künstlerischer, organisatorischer und vor allem menschlicher Ebene“ die Qualifikation für das traditionsreiche, aber mit harten Sparauflagen belegte Hagener Theater ab. Die Ausführungen von Theus gipfeln in der Botschaft, für Politiker, die vielleicht damit liebäugelten, das Theater Hagen abzuwickeln, „für die ist Dominique Caron allerdings die ideale Besetzung.“

Auch Ex-Festspiel-Intendant Jörg Fallheier begrüßte via Facebook Carons Rückzieher. „Es geht um die Existenz eines Theaters“, rechtfertigte er die im Netz kursierende harte Kritik an der früheren Festspiel-Kollegin. Andere sprechen von einer abscheulichen oder niveaulosen Kampagne, von „unterster Schublade“. Tatsächlich wurden sogar Abgeordnete im Eutiner Kreishaus mit Dossiers über Dominique Caron gefüttert.

Richtig ist aber auch: Die in Westfalen gescheiterte Kandidatin bietet Angriffsfläche. Im Hagener Kleinkrieg wurden zum Teil vertrauliche Äußerungen von Künstlern, die unter ihr in Eutin mitgewirkt haben, als Munition eingesetzt. Schmeichelhaft für die Festspiel-Chefin fallen diese Anmerkungen nicht aus. Sie zeichnen das Bild einer launischen, sprunghaften und unorganisierten Dominique Caron. „Alles war eine riesige Sch . . .“, lautet ein besonders drastisches Zitat.

Auf der Bühne treten Künstler gern wie eine große Familie auf, in der einer den anderen unterhakt. In Wirklichkeit herrscht oft knallharte Konkurrenz um Rollen, Gagen, Auftritte und eine dabei offenbar nicht immer zimperliche Wahl der Mittel. Der Fall Caron wirft ein Schlaglicht darauf. „Danke für die wunderbare Unterhaltung“, kommentiert eine Stimme im Netz den dort ausgebreiteten Schlagabtausch, mahnt aber auch: „Bitte bleibt menschlich und fair“. pet

LN

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