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Ostholstein Drei Geschäfte schließen: Sorge um Oldenburger Innenstadt
Lokales Ostholstein Drei Geschäfte schließen: Sorge um Oldenburger Innenstadt
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18:25 02.11.2013
Heiko Haase gibt sein Haushaltswarengeschäft in der Kuhtor-Passage zum Jahresende auf. Er verlagert seinen Fokus auf sein Geschäft in Neustadt und neue Vertriebswege im Internet. Quelle: Fotos: Thomas Klatt

Drei traditionsreiche Familienunternehmen kehren der Oldenburger Innenstadt den Rücken. Viele Kaufleute machen sich Sorgen um das Zentrum.

Um die Gründe für die Schließung seiner Bäckerei-Filiale in der Kuhtorstraße in Oldenburg redet Inhaber Werner Hansen nicht lange herum: „Wir betreiben 14 Filialen im Kreis Ostholstein. An keinem der Standorte ist der Umsatz so schwach wie in Oldenburg.“ Er beobachte eine „Verödung der Innenstadt“, will aber dennoch mit seiner zweiten Filiale am Voßberg bleiben. Um eine Kündigung einiger jüngerer Arbeitskräfte werde man jedoch nicht herumkommen, so Hansen.

„Unser Mietvertrag läuft zum Ende des Jahres aus. In Oldenburg war der Umsatz von Jahr zu Jahr rückläufig, die Kaufkraft für unsere Branche nicht mehr ausreichend. Irgendwann zermürbt es einen dann“, begründet Heiko Haase die Schließung seines Haushaltswarengeschäftes in Oldenburg. Neben der Fortführung seines Geschäftes in Neustadt ist der Unternehmer dabei, sich ein zweites berufliches Standbein im Internet aufzubauen. Haase: „Die Bezugswege ändern sich. Das Internet ist für mich der lukrativere Wirtschaftszweig. Viele Kunden holen sich heute Anregungen beim Stadtbummel — gekauft wird aber im Internet.“

Die starke Konkurrenz aus dem Internet hatte auch Heiner Hamm, Inhaber der Bücherei Gloess angeführt, der sein Ladenlokal zum 24. November schließt, Versand und Verlag, sowie Dienstleistungen für Firmenkunden jedoch beibehalten will (wir berichteten). Er macht für die Oldenburger Innenstadt auch ein „emotionales Problem“ aus. Es sei der Kaufmannschaft bisher nicht gelungen, ein „Wir-Gefühl“

zu erzeugen, die Verbundenheit zwischen Kaufmannschaft und Kunden hinke anderen Orten hinterher.

Wenig Positives ebenfalls aus Oldenburgs neuem Stadtmarktzentrum: Viele Flächen stehen dort auch fast ein halbes Jahr nach der Eröffnung noch leer. Neben dem Edeka-Markt ist lediglich die Fläche für das Café verpachtet. Auf der eigentlich für ein Blumengeschäft geplanten Fläche im Foyer stapeln sich Cola-Kisten. Ein anderer Shop, vorgesehen für ein Haushaltswarengeschäft, ist durch eine bunte Wand abgeschirmt und auch von dem anvisierten Bistro ist noch nichts zu sehen.

Der Leerstand in der Innenstadt hat auf den Wert der Immobilien Auswirkungen: „Selbst Inhaber von Geschäften in 1-A-Lagen der Innenstadt müssen sich mittlerweile Gedanken über moderatere Mietpreise machen“, sagt Immobilienmakler Hans-Jürgen Löschky.

Für die Entwicklung im Innenstadtbereich macht Thomas Nagel, Betreiber eines Biomarktes und -restaurants auch die Stadt verantwortlich: „Die Vollsperrung der Göhler Straße hatte Folgen, die wir noch heute spüren. Ein derart gravierender Eingriff in die Verkehrsführung verändert langfristig das Einkaufsverhalten“, bemängelt Nagel. Ihm fehlt zudem ein hauptamtliches Stadtmarketing um die Innenstadt zu stärken. Stattdessen würden im Außenbereich nach wie vor Discounter hofiert. „Andernorts nehmen Kommunen viel Geld in die Hand, um die Grüne Wiese zurückzubauen.“ Im Innenstadtbereich hält der Geschäftsmann eine Reihe von Marketingmaßnahmen für möglich, „auch ohne viel Geld in die Hand zu nehmen.“

Carsten Maßmann, Betreiber eines Restaurants im Hinterhörn, sieht erhebliches Potenzial bei den skandinavischen Gästen. Bei den Öffnungszeiten, aber auch bei der Straßenführung und der Beschilderung der Innenstadt gibt es aus seiner Sicht viel Nachholbedarf.

Weniger pessimistisch beurteilt Lorenz Harms, Vorsitzender des Wirtschafts- und Fremdenverkehrsvereins (WFO) in Oldenburg und Betreiber eines Modehauses, die Innenstadtsituation: „Einige traditionsreiche Familienunternehmen schließen, was wir sehr bedauern. Aber es gibt auch viele Neueröffnungen, die allzu leicht übersehen werden. Für Touristen ist Oldenburg mit seinem breit gestreuten Angebot nach wie vor ein attraktives Einkaufsziel.“ Dass die Kaufmannschaft in Oldenburg etwas geschlossen auf die Beine stellen könne, habe sie mit dem Weihnachtsmarkt und der Eisbahn im vergangenen Winter unter Beweis gestellt. Eine Ausweitung der Verkaufsfläche auf der Grünen Wiese, wie jetzt an der Kieler Chausee geplant, hält jedoch auch er für einen Fehler.

Thomas Klatt und Holger Marohn

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