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Ostholstein Wisser-Schule: Initiative hält an Bürgerbegehren fest
Lokales Ostholstein Wisser-Schule: Initiative hält an Bürgerbegehren fest
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18:42 16.01.2019
Architekt Jürgen Ruoff erläuterte im Eutiner Schulausschuss die Möglichkeiten zur Erweiterung und Sanierung der Wisser-Schule. Quelle: Ulrike Benthien
Eutin

 Es war ein fordernder Abend für alle Beteiligten. Nach vier Stunden Diskussion im Schulausschuss zu einer möglichen Sanierung und Erweiterung der Wilhelm-Wisser-Schule (WWS) an der Elisabethstraße stand am Ende ein Bekenntnis von CDU, Grünen und FDP zu diesem Standort. Von Schulleiter Sven Ulmer kam ein „Ja, aber“. Er bestätigte zwar das von ihm mit erarbeitete Raumprogramm als „rein räumlich und formal erfüllt“. Als Gegenargumente führte er die Bauphase mit Lärm, dann fehlende Möglichkeiten für Fach- und Sportunterricht und das Votum der Schulkonferenz an. Diese hatte für einen Neubau Am Kleinen See plädiert. Die Bürgerinitiative (BI) „Vernunft macht Schule“ erklärte, sie sehe derzeit keinen Anlass, ernsthaft darüber nachzudenken, das von ihr in Gang gesetzte Bürgerbegehren einzustellen.

Kommunalaufsicht entscheidet bis 8. Februar

Am 21. Dezember hatte die BI 1850 Unterschriften im Rathaus abgegeben, so viele Eutiner unterstützen ihr Ziel eines Neubaus der Wisser-Schule und der Grundschule plus Sporthalle Am Kleinen See. Innerhalb von sechs Wochen muss die Kommunalaufsicht beim Kreis eine Entscheidung über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens treffen. Diese Frist ende am 8. Februar, hieß es auf LN-Anfrage.

Davon, dass es als zulässig erklärt wird und es in Folge zu einem Bürgerentscheid kommen wird, gehen wohl die meisten aus. In dem Moment, in dem das Begehren zugelassen ist, würden allerdings auch alle bisherigen Planungen der Stadt zum Neubau der Grundschule sowie der Sporthalle Am Kleinen See und zur WWS auf Eis gelegt. Denn die BI hatte ihre Frage zum Bürgerbegehren „Sollen die Wilhelm-Wisser-Gemeinschaftsschule (Standort Eutin) und die Grundschule (Standort ,Kleiner See’) einen Neubau am Standort ,Kleiner See’ erhalten und soll an diesem Standort eine Drei-Feld-Sporthalle gebaut werden, die beide Schulen für den Schulsport nutzen können?“ unter anderem mit folgender Begründung verknüpft, der „Aufhebung aller bislang gefassten Beschlüsse“.

Architekt beziffert Kosten auf 33,6 Millionen Euro

Knapp 50 Zuhörer hatten am Dienstag zunächst die Ausführungen der Architekten Jürgen Ruoff und Torsten Ewers verfolgt. Zu 99 Prozent könne das Raumprogramm an der Elisabethstraße umgesetzt werden, sagte Ruoff. Es sei von einer 3,5-Zügigkeit und derzeit rund 500 Schülern ausgegangen worden. Platz sei aber durchaus für mehr: Es passten knapp 700 Schüler in die 24 Klassenräume. Drei Aufzüge würden laut Ruoff die Höhenniveaus ausgleichen. „Die Schule wird behindertengerecht und barrierefrei“, versicherte er. Die Fachräume sollen multifunktional werden, die bisherige Mensa könne auf 240 Quadratmeter erweitert werden. Die neue Sporthalle werde auf der Fläche der jetzigen errichtet.

Das Parkplatzproblem auf dem Gelände will das Architektur-Büro durch eine Tiefgarage lösen: 22 Stellplätze plus vier in Reserve. „Wir haben alle relevanten Dinge abgearbeitet, die für weitere Planungen notwendig sind und noch einiges Zusätzliches ermöglicht“, sagte Jürgen Ruoff und nannte Aula, Foyer und Lernzonen. 63 Prozent der Schule würden neu entstehen. Die Gesamtkosten für Neubau und Sanierung bezifferte der Architekt auf rund 33,6 Millionen Euro. Er veranschlagt für den Neubau von Sporthalle und Gebäuden 18 Monate, für die Bestandssanierung des unter Denkmalschutz stehenden Hauptgebäudes rund zwölf Monate. Neue Perspektiven würden sich eröffnen, wenn die Stadt das sogenannte Ackerbürgerhaus in der Weidestraße 24 abreißen würde: Dann sei der Hauptzugang zur Schule von der Seite aus möglich, sagte Ruoff.

So könnte eine erweiterte und sanierte Wisser-Schule an der Elisabethstraße aussehen. Für einen Zugang von der Weidestraße aus (links) müsste allerdings dort das Haus Nummer 24 weichen. Quelle: HFR/Architektur + Stadtplanung Ewers, Dörnen und Partner

Den Freien Wählern fehlte bei der Vorstellung der Studie „die Wirtschaftlichkeitsberechnung“. Die Demokratischen Freien Wähler sahen noch viele „offene Fragen“, unter anderem zu Kosten, auch sprachen sie mehrfach den Schüler und Lehrer belastenden Baulärm an. „Eine ganze Schülergeneration wird darunter leiden“, pflichtete Hans-Georg-Westphal (SPD) bei. Er verwies darauf, dass Eutin in den vergangenen 40 Jahren keine solch hohe Summe bewegt habe. „Wir sollten die Bürger fragen, was sie wollen“, riet er.

Bürgermeister zur BI: „Ziehen Sie den Antrag zurück“

Das sieht Bürgermeister Carsten Behnk (parteilos) anders. „Zu vieler Leute Überraschung ist die Machbarkeit am Berg gegeben“, sagte er. „Es ist die wirtschaftlichere Lösung, sie bietet städtebaulich und verkehrstechnisch Vorzüge.“ Die Bauabläufe würden beim Grundschulneubau am See und den jetzt vorgestellten Maßnahmen am Berg schneller sein und weniger belastend für den Standort See. „Konträr zum Beschluss der Wisser-Schulkonferenz steht der der Gustav-Peters-Schule: Sie will eine eigenständige kleine Schule am See.“ Behnk appellierte an die BI: „Überdenken Sie Ihren Bürgerentscheid. Ziehen Sie Ihren Antrag zurück.“

BI-Vertreter Torben Junge sagte später: „Ich kann nicht erkennen, warum die Lösung für die Wisser-Schule an der Elisabethstraße besser ist. Die Architekten haben das toll gelöst, aber die Umsetzung am Berg hat mich im Gegensatz zu der am See dennoch nicht überzeugt. Die Grundschule wird ihren Neubau kriegen. Aber die Wisser-Schule muss darum kämpfen.“

Ulrike Benthien

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