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Ostholstein Dürre: Ostholsteins Wälder leiden
Lokales Ostholstein Dürre: Ostholsteins Wälder leiden
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22:27 01.08.2018
In Dodau blickt Förster Peter Hundrieser auf eine vertrocknete, drei Jahre alte Buche. 3000 Jungbäume sind eingegangen. Quelle: Foto: Nehlsen
Ostholstein

„Die Buchen reagieren auf die Dürre, indem sie Laub abwerfen oder aus Trockenstress ihre Blätter einrollen. Eichen halten es besser aus“, sagt Peter Hundrieser (53). Auch der stellvertretende Revierleiter Maximilian Scheel (28) macht sich um seinen knapp 1300 Hektar großen Ahrensböker Forst Sorgen. „Der Boden ist staubtrocken“, sagt er. Auch bei ihm im Wald leiden vor allem alleinstehende und bei großer Hitze anfällige Buchen am Waldrand unter Trockenstress und werfen ihre Blätter ab. Auf einer etwa acht Hektar großen Fläche bei Lebatz entdeckt Scheel Buchen, die vertrocknete Blätter tragen. „Sie verfärben sich gelblich“, erklärt Scheel und schaut mit Sorge in die Baumkronen. „Ein paar werden wohl sterben.“ Der Wald sieht aus wie mit einem braunen Blätterteppich ausgelegt. Es ist, als ob schon Herbst ist.

Ende 2017 hat Förster Peter Hundrieser im Dodauer Forst 10000 junge Buchen pflanzen lassen. „30 Prozent davon sind eingegangen.“ Damals haben die kleinen Bäume in der Anwachsphase zwar genug Wasser bekommen, aber die Trockenheit der vergangenen Monate hat ihnen zugesetzt. Auch Altbäume leiden: Sie verlieren Blätter und Rinde.

„Ein Großteil der neuen Kulturen ist vertrocknet.Maximilian Scheel

Stellvertretender

Revierförster

Ahrensbök

Betroffene Bäume sind für Schädlinge anfällig

Die Trockenheit wird Folgen haben. „Die Bäume sind anfälliger für Schadorganismen und Bakterien“, erklärt Scheel. Peter Hundrieser erinnert an den ebenfalls heißen und trockenen Sommer 2003, als er das Revier Dodau übernahm: „Damals haben wir circa 250 Bäume, die im Juli und August ihre Blätter abgeworfen haben, mit roten Kringeln markiert. Ein paar Jahre später war ein Drittel von ihnen eingegangen.“ Maximilian Scheel ist sich sicher, dass auch dieser Sommer an den engen Jahresringen der Stämme zu erkennen sein wird.

Während die Altbestände leiden, geben die Förster vor allem den im Frühjahr angepflanzten Bäumen nur geringe Chancen. „Der Großteil der neuen Kulturen ist vertrocknet“, betont Scheel. Etwa 6000 Euro pro Hektar kostet eine neue Anpflanzung, sagt er. Thomas Tiede, Revierförster in Kellenhusen, berichtet, dass die jungen Bäume Konkurrenz durch die Gras- und Krautschicht hätten, die ihnen das Wasser wegziehe und ihr Wurzelwerk zu kurz sei, um an Grundwasser zu gelangen. „Wir haben große Ausfälle zu verzeichnen“, sagt der Förster. So seien beispielsweise auf 1,2 Hektar von 1700 Spitzahornen fast 1500 im Guttauer Gehege vertrocknet. Förster Tiede hat aber eine Entdeckung gemacht. Jungpflanzen mit Wurzelballen in sogenannten Pflanzcontainern wie Buchen haben sich gehalten, andere mit freien Wurzeln, darunter Bergahorne und Flatterulmen, nicht.

Mittel- und langfristig müsse sich der Wald auf den Klimawandel und die Wetterextreme einstellen. „Baumarten, die mit viel Wasser, aber auch Trockenheit zurechtkommen, werden wichtiger und geraten wieder in den Vordergrund“, sagt Tiede. Die Forsten müssten davon ablassen, immer nur ein paar klassische Baumarten im Frühjahr in die Böden einzusetzen. Noch sei die Buche in Ostholsteins Wäldern dominierend, erklärt Tiede. Er setzt künftig vermehrt auf Eiche, Elsbeere oder Winterlinde: „Es ist eine mögliche Strategie, in 50 Jahren in unseren Wäldern ein Mosaik aus verschiedenen Baumarten zu haben.“

Auch wenn die Försterei Kellenhusen nur knapp zehn Prozent Nadelwald hat, werden auch hier deutliche Veränderungen auftreten. „Die Fichte ist als Flachwurzler der große Verlierer. Die Kiefer und für uns vor allem die Douglasie sind wesentlich besser geeignet.“ Circa 40000 Douglasien hat Tiede in den vergangenen Jahren gepflanzt. Generell wolle er aber den Nadel- durch mehr Laubwald ersetzen.

„Wir sind in Ostholstein mit unseren Laubwäldern besser dran als Regionen mit Nadelbäumen“, sagt Alexander Decius, Revierförster in Wüstenfelde, in Hinblick auf Trockenheit und Waldbrandgefahr.

Sollte es zu einem Feuer kommen, würde nur das Unterholz brennen: Sträucher, kleine Bäume. Die Laubbäume stünden, im Gegensatz zu Nadelbäumen, nicht so schnell in Flammen. Aus Sicherheitsgründen sei derzeit das Mulchen von Waldwiesen (Mähen und Zerkleinern des Grases) ausgesetzt, berichtet Decius. Diese Arbeiten würden normalerweise im Juli und August erledigt. Aber wegen der Gefahr, dass bei den Metallschlegeln und -wellen des Mähers Funken stieben und das Gras entzünden könnten, werde das derzeit nicht gemacht.

Auch im Ahrensböker Forst ist das Mähen untersagt, sagt Scheel. Falls ein Feuer ausbricht, ist der der 28-Jährige vorbereitet: „Ich habe einen Feuerlöscher, einen Wasserkanister und einen Eimer mit Sand im Auto.“

Erhöhte Feuergefahr im Großteil des Landes

Der sogenannte Waldbrandgefahrenindex lag im Großteil von Schleswig-Holstein gestern bei zwei – das bedeutet geringe Waldbrandgefahr. Am heutigen Donnerstag steigt nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes der Index auf drei, das heißt mittlere Gefahr. In Gebieten des Kreises Rendsburg-Eckernförde herrscht heute sogar hohe Waldbrandgefahr mit Index vier, in Teilen Nordfrieslands Stufe zwei.

Bei Stufe drei ist die Waldbrandgefahr erhöht. Die zuständige Behörde darf den Wald sperren. Das Betreten des Waldes ist erlaubt, bei der Nutzung von Waldparkplätzen ist erhöhte Vorsicht geboten.

Gefährdungsträchtige Waldarbeiten wie das Mulchen sind grundsätzlich verboten. Öffentliche Feuerstellen und Grillplätze in und an den Waldrändern dürfen nicht genutzt werden.

Ben, Bz, Mb

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