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Ostholstein Dunkle Jahreszeit — Zeit der Diebe
Lokales Ostholstein Dunkle Jahreszeit — Zeit der Diebe
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23:28 24.10.2013
Marianne Marzowka lässt sich von Kriminaloberkommissar Jürgen Gertz erklären, wie man ein Fenster einbruchhemmend nachrüsten kann. Die 61-jährige Scharbeutzerin wollte sich „einfach mal präventiv“ beraten lassen. Quelle: Fotos: Lintschnig
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Eutin —

„Wie kann ich mein Haus vor einem Einbruch schützen?“ Diese Frage stellten viele besorgte Bürger den Experten der Polizei, die am Mittwoch auf dem Eutiner Wochenmarkt über das Thema Wohnungseinbrüche informierten. Denn in der dunklen Jahreszeit haben Einbrüche in Privatwohnungen wieder Hochkonjunktur. Nicht wenige, die Opfer eines Einbruchs geworden sind, leiden durch den Eingriff in ihre Privatsphäre noch lange an schwerwiegenden psychischen Problemen, wissen die Experten des Weißen Rings, der Opfer von Straftaten betreut. Doch richtiges Verhalten und sicherungstechnische Einrichtungen können Wohnungseigentümer vor ungeliebten Besuchern bewahren — einen kompletten Schutz gebe es allerdings nicht.

613 Mal — rund neun Prozent weniger als im Vorjahr — wurde laut Polizeistatistik im vergangenen Jahr in Ostholstein eingebrochen. Meistens gelangten die Täter durch Fenster, Balkon- oder Terrassentüren in die Gebäude. „Der Schwachpunkt bei Fenstern sind oft die Zuhalterungen im Innenbereich“, erklärt Kriminaloberkommissar Jürgen Gertz, der Experte für Einbruchsdelikte ist. „Die sind bei normalen Fenstern aus Spritzguss — da reicht ein Schraubenzieher und ein bisschen Druck mit der Schulter, um schnell und geräuscharm reinzukommen“, so Gertz. Um ein Fenster zumindest „einbruchhemmend“ nachzurüsten, müsse man mit rund 100 Euro rechnen, so Gertz. Doch die Investition lohne sich, schließlich brechen nach den Erfahrungen der Polizei die meisten Täter ihr Vorhaben ab, wenn sie länger als fünf Minuten für das Aufhebeln der Fenster brauchen.

Die Polizei kümmert sich verstärkt um Einbrüche, schließlich sind die Zahlen landesweit gestiegen (2012: 4,6 Prozent mehr als im Vorjahr). „Beim Landeskriminalamt laufen alle Daten zu Einbrüchen zusammen, und es wird eine tägliche Lagebewertung vorgenommen. Das Konzept ist sehr erfolgreich“, sagt Michael Martins, Dienststellenleiter der Polizeizentralstation Eutin.

Einbrecher schlagen meistens nachts zu? Falsch. Über die Hälfte der Einbrüche erfolgt in der Zeit von 16 bis 22 Uhr, die Tageseinbrüche in Ostholstein sind 2012 um mehr als fünf Prozent angestiegen.

Nach Feierabend noch kurz etwas eingekauft, vielleicht das Fenster oder die Balkontür auf Kippstellung gelassen — schon ist es passiert. Einbrecher nutzen das schummrige Licht der Dämmerung und suchen sich sichtgeschützte Bereiche auf dem Grundstück, um innerhalb kürzester Zeit ins Haus einzudringen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungsgesellschaft beziffert die durchschnittliche Schadenshöhe eines Einbruchs auf rund 3300 Euro.

Neben extra gesicherten Fenstern und Türen empfiehlt die Polizei auch Bewegungsmelder auf dem Grundstück. Und ganz wichtig seien auch aufmerksame Nachbarn, die bei verdächtigen Situationen lieber einmal zu viel die Polizei informieren. „Es ist ein Trauma. Wenn einmal in die Privatsphäre eingedrungen wurde, macht vielen Einbruchsopfern jedes Klappern der Haustür Angst“, weiß Manfred Zettler, stellvertretender Außenstellenleiter des Weißen Rings Ostholstein. Der Weiße Ring leistet Hilfe für Personen, die Opfer einer Straftat geworden sind und bietet Einbruchsopfern Beistand und persönliche Betreuung.

Doch wer vorbeugt, könne das Risiko eines Einbruchs deutlich reduzieren.„Es gibt zwei Einbrecherprofile: Den Gelegenheitstäter, der bei Komplikationen schnell von seinem Vorhaben ablässt. Und der Profi, der genau weiß, was er tut und gegen den man sich nur sehr schwer wehren kann“, erklärt Gertz. Der Anteil der Profi-Einbrecher mache allerdings weniger als 20 Prozent aus.

Kostenlose Beratung zum Einbruchsschutz
Im Auftrag der Polizei bieten verschiedene Firmen eine kostenlose Beratung zu mechanischen Sicherungseinrichtungen und Einbruchsmeldeanlagen an. Die Firmen wurden mit einer Zusatzausbildung durch das Landespolizeiamt für die Beratung in Sachen Einbruchsschutz zertifiziert. Kontakt zu beratenden Firmen vermitteln die örtlichen Polizeidienststellen.

Unter www.polizei-beratung.de können Internetnutzer in einer interaktiven Grafik eines Hauses überprüfen, ob ihr eigenes Haus einbruchsicher ist oder nicht.
Durch Klicken auf Fenster, Türen, Gartenzaun oder Garagentor erscheinen Informationskästen, die über die notwendigen, sicherungstechnischen Voraussetzungen für ein einbruchsicheres Gebäude aufklären.

Hannes Lintschnig

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