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Ostholstein Durchwachsenes LGS-Fazit bei Händlern
Lokales Ostholstein Durchwachsenes LGS-Fazit bei Händlern
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21:23 20.10.2016
Goldschmied Jörg Schlüter hat weniger von der LGS profitiert als erwartet. Quelle: Fotos: Astrid Jabs

Sein süßer Rumlikör „Donna Rosa“ sollte durch die Landesgartenschau zum Erfolg werden, doch nun hinterlässt das Großereignis bei Volker Rätzke einen schalen Nachgeschmack: Der Inhaber des „Whiskey- und Rumparadieses“ in der Eutiner Peterstraße beklagt in einem Brief an Torsten Albig, den Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins, und alle Landtagsfraktionen im Zusammenhang mit der LGS mangelnden Umsatz und ausbleibende Kunden: „Gerade bezüglich der innerstädtischen Wirtschaft sind Aussagen gemacht worden, die uns Einzelhändler hoffnungsvoll Entscheidungen treffen ließen. Und wir sind dem auf den Leim gegangen“, so Rätzke in seinem Schreiben an Albig. Der stellt in seiner Antwort einen Effekt für die Folgejahre in Aussicht. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Daniel Günther regt mit Blick auf Rätzkes Erfahrungen an zu prüfen, wie der Einzelhandel in zukünftigen Konzepten besser berücksichtigt werden kann.

Ministerpräsident Torsten Albig: Viele Besucher werden wiederkehren und dann auch einkaufen.

Auf den von Albig vorausgesagten positiven Impuls für die Stadt hofft auch Lutz Hoffmann, Inhaber der Voss-Apotheke. Sein Haus wäre für vom Bahnhof kommende Besucher die erste Adresse auf ihrem Weg in Richtung Stadt und LGS-Gelände gewesen: „Es kamen auch Gruppen, aber es gab eben auch den Shuttle, der die Leute am Bahnhof direkt aufgenommen hat“, so Hoffmann. So habe sich die LGS auf sein Geschäft nicht förderlich ausgewirkt: „Wir haben wohl auch falsche Erwartungen gehabt“, sagt der Apotheker, der bereits während der Bauarbeiten in der westlichen Peterstraße Beeinträchtigungen hinnehmen musste.

Am anderen Ende der Peterstraße zeigt sich Christian Aldrup zufrieden: „Wir haben durchaus auch LGS-Besucher unter den Kunden gehabt, die hier etwas entdeckt haben“, berichtet der Inhaber eines Schuhfachgeschäftes. Allerdings sieht auch er den Shuttlebus kritisch: „Das hätte man vielleicht besser lösen können.“ Grundsätzlich aber teilt er die Einschätzung, die LGS sei gut für Eutin gewesen.

Das steht für den Goldschmiedemeister Jörg Schlüter außer Frage: „Die LGS hat viel für Eutin gebracht“, meint er. Zur Gartenschau hatte er eine Schmuckkollektion mit dem LGS-Symbol, einer Rose, kreiert: „Das hat nicht die geschäftlichen Erwartungen erfüllt, die ich hatte.“ Den Schmuck wird es aber weiter geben: „Er hat sich zwar nicht zur LGS-Rose, aber zur Eutin-Rose entwickelt.“ Außerdem habe er Resonanz von ortsfremden Kunden, denen im Vorbeigehen sein Schaufenster in der Königstraße aufgefallen sei: „Da werden sicher Leute wiederkommen“, glaubt Schlüter.

Eine Überzeugung, die Eutins Touristiker teilen: „Die LGS hat Eutin in das Zentrum der Wahrnehmung gerückt. Wir hatten wesentlich mehr zu tun als in anderen Jahren“, erzählt Eva Staege. Es habe viele positive Rückmeldung gegeben: „Viele Besucher haben uns gesagt: Wir wussten gar nicht, wie schön es hier ist“, ist in der Tourist-Info am Markt zu hören.

Im Restaurant „Markt 17“ gegenüber fällt die LGS-Bilanz uneingeschränkt gut aus: „Bei uns war viel los, die Gäste kamen aus Rostock, Schwerin, Hannover, Bremen, Hamburg. Wir sind zufrieden“, lautet die Antwort von Inhaber Achim Lembke. Seinen jungen Berufskollegen vom im Frühjahr eröffneten „Tohuus“ hat die LGS eine tolle erste Saison beschert: „Die Gartenschau war ein Motor für uns“, ist sich Felix Schneider, einer der beiden Betreiber, sicher.

Unabhängig davon, wie das individuelle Resümee ausfällt, spricht Apotheker Lutz Hoffmann aber wohl für alle, wenn er sagt: „Was die LGS auf lange Sicht bringt, wird erst die Zukunft weisen.“

Das schrieb Torsten Albig (Auszug)

„ . . . Die hohen Erwartungen, die aufgrund der ursprünglich prognostizierten Besucherzahlen gehegt wurden, konnten allerdings oftmals nicht erfüllt werden . . . Hinsichtlich einer Gesamtbewertung war aus Eutin kürzlich zu vernehmen, dass der Einzelhandel sich insgesamt zufrieden zeigt. Die Landesgartenschau wird durchaus als Erfolg angesehen. Das positive Fazit gründet sich auch darauf, dass mit vielen wiederkehrenden Besucherinnen und Besuchern in den Folgejahren gerechnet wird, die dann mehr Zeit in der Stadt verbringen und auch einkaufen werden.“

 Astrid Jabs

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