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Ostholstein EU-Mittel für Ausbau des Stromtankstellen-Netzes
Lokales Ostholstein EU-Mittel für Ausbau des Stromtankstellen-Netzes
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12:20 23.04.2016
Dirk Diedrichsen aus Grömitz fährt Renault „Twizy“. Seit drei Jahren besitzt er das Fahrzeug, das er überwiegend auf Kurzstrecken im Raum Grömitz/Grube einsetzt. 23000 Kilometer hat er bisher abgespult und 791 Kilowatt Strom verbraucht. Diedrichsen: „Das bedeutet einen Verbrauch von einem Euro pro 100 Kilometer.“ Text/ Quelle: LG

Jochen Klupp hatte nicht gerade einen Kleinwagen in der Garage. Doch als der Versicherungsvertreter vor vier Jahren seine erste Probefahrt mit einem kleinen Elektro-Flitzer machte, hatte das Oberklassenschiff erstmal Pause. Er sei fortan mit dem „E-Virus“ infiziert gewesen, sagt er. Auf dem Thementag „Megatrend Elektromobilität“ am gestrigen Freitag, zu dem die Aktivregion Wagrien-Fehmarn und das Oldenburger Unternehmen „RedEnergy“ ins Oldenburger Gewerbezentrum eingeladen hatten, war Klupp deshalb auch genau der Richtige für einen Erfahrungsbericht.

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Dirk Diedrichsen aus Grömitz fährt Renault „Twizy“. Seit drei Jahren besitzt er das Fahrzeug, das er überwiegend auf Kurzstrecken im Raum Grömitz/Grube einsetzt. 23000 Kilometer hat er bisher abgespult und 791 Kilowatt Strom verbraucht. Diedrichsen: „Das bedeutet einen Verbrauch von einem Euro pro 100 Kilometer.“ Text/

Klupp nennt den Hauptgrund für seine Begeisterung: „Purer Fahrspaß.“ Dafür war er auch bereit, ein Risiko einzugehen. Denn als er sich den kleinen Renault Zoe damals holte — den Vorführwagen hatte er gleich mitgenommen —, gab es in der Umgebung noch keine Ladestation. Ein Elektriker habe ihm damals eine Hochvolt-Steckdose an die Hauswand gebaut.

Mittlerweile hat Klupp aufgerüstet. Sein aktuelles E-Automobil — ein Tesla — bringt es auf eine Spitzengeschwindigkeit von 250 km/h und hat eine Reichweite von rund 350 Kilometern. Das große Tabletdisplay bietet ihm zwei Einstellungen für die Beschleunigung: „Sport“ und „Wahnsinn“. Auf „Wahnsinn“ beschleunigen die 770 PS das zweieinhalb Tonnen schwere Modell in drei Sekunden von Null auf 100. Wer wissen will, wie stark die Beschleunigungskräfte sind, sollte sich in eine moderne Achterbahn setzen. Klupp schwärmt von steuerlichen Vergünstigungen, extrem niedrigen Unterhaltungskosten, niedrigem Geräuschpegel — und immer wieder vom Fahrspaß. Die Reichweite der Fahrzeuge werde von den Herstellern aber in der Regel deutlich zu hoch angegeben, räumt er ein.

Wer ihm zuhört, muss sich wundern, dass es bis zum „Megatrend Elektromobilität“ doch noch ein gutes Stück hin ist, wie auch die Veranstalter des Thementages schon in ihrer Einladung einräumten. Ein Grund dafür sind fehlende Ladestationen: Der Blick auf die Karte (siehe unten) offenbart das bescheidene Netz an E-Tankstellen in Ostholstein. An gerade einmal zehn Säulen können Elektro-Autos aufgeladen werden.

Von einer „Ladewüste Ostholstein“ spricht demzufolge Thomas Schaefer, Chef der Firma „Global Move“ in Neustadt. Er ist seit vielen Jahren Fan und Vorreiter in Sachen E-Mobilität. Zwei Elektro-Autos hat er in seinem Fuhrpark. Befragt zu den Nachteilen dieser Antriebsart zögert er keinen Moment: „Keine.“

Anders sieht dies bei den Ladestationen aus: „Es gibt noch viel zu wenige, die zudem aufgrund unzureichender Beschilderung auch noch zugeparkt sind.“ Einige öffentliche Ladestationen, wie die in Hasselburg, seien kaum nutzbar, weil die Ladestation telefonisch nicht erreichbar sei oder der Ladebetrieb aus anderen Gründen nicht ermöglicht wird, so Schaefer. Zur Bestätigung ruft er einige Kommentare im Netz auf, die von einem Anfahren dieser E-Tankstelle abraten. Die neue E-Tankstelle am Grömitzer Jachthafen sei dagegen vorbildlich: „Gut beschildert, Schnellladeoption und Strom auch noch kostenlos.“ Jochen Klupps Rat dagegen lautet: „Wer keine Möglichkeit hat, zu Hause zu laden, dem kann ich ein Elektro-Auto nicht empfehlen.“

Um zumindest die Situation im öffentlichen Raum zu verbessern, will die Aktivregion Wagrien-Fehmarn noch in diesem Jahr jeweils zwei Tankstellen in Grömitz und Neustadt sowie eine in Heiligenhafen mit EU-Mitteln aufstellen lassen. 217000 Euro sind für die Ladestationen und die Genehmigungsverfahren veranschlagt. 60 Prozent davon trägt die EU, den Rest müssen die Kommunen aufbringen.

Den gestrigen Thementag bewertet Aktivregion Geschäftsführer Matthias Amelung als vollen Erfolg: „Wir hatten gute Referenten und mit 50 Teilnehmern eine gute Resonanz.“ Man habe für das Thema Elektromobilität sensibilisieren und ein Forum für einen Erfahrungsaustausch schaffen wollen. Amelung: „Ich denke, dass uns das gut gelungen ist.“

Vor Ort konnten die Teilnehmer die Möglichkeiten zu Testfahrten mit Elektro-Autos von Renault, Tesla und BMW machen. Viele zeigten sich von der leisen Antriebsart begeistert. Oder wie Jochen Klupp es nennt: „The Sound of Silence“.

Von Thomas Klatt

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