Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Edeka-Prozess: Alles auf Anfang
Lokales Ostholstein Edeka-Prozess: Alles auf Anfang
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:15 27.04.2017
Lübeck/Hutzfeld

Gute Zeugen sind viel wert, wenn es um die Wahrheitsfindung geht. Die Neuauflage des Verfahrens um den Überfall auf den Edeka-Markt in Hutzfeld begann gestern wiederum mit der Aussage zweier sehr guter Zeuginnen: dem Opfer des Überfalls und der Frau, die die Ermittler auf die richtige Spur brachte.

„Die Kammer ist korrekt besetzt.“Kai Schröder, Vorsitzender Richter

Artikel 101

Das Grundgesetz sieht das Recht auf einen gesetzlichen Richter vor. Danach ist im Voraus festzulegen, welcher Richter welche Verfahren bekommt. So soll Manipulationen wie in absolutistischen Zeiten vorgebeugt werden.

Weil ein Berufsrichter der III.Großen Strafkammer des Landgerichts Lübeck wegen Krankheit für länger ausfällt, war das erste Verfahren nach sieben Verhandlungstagen geplatzt. Gestern hat alles wieder von vorne angefangen – mit einem Ersatzrichter und neuen Schöffen. Mit dem Wissen des ersten Verfahrens im Hinterkopf konnten die Prozessbeteiligten etwas gezielter fragen, was manche Zeugenvernehmung deutlich straffte.

Auf Zeugen und Indizien ist die Kammer angewiesen, denn Behar T. (28) und Kastriot K. (27) schweigen weiterhin eisern. Ihnen wird vorgeworfen, am Montag, 19. Oktober 2015, um 6.18 Uhr durch den angelehnten Personaleingang in den Edeka-Markt marschiert zu sein. Dort sollen sie die Einzelhandelskauffrau Cora W. (23, Name geändert) mit einem Fleischmesser bedroht und Bargeld gefordert haben.

Pech für die Räuber: Kaum 24 Stunden zuvor hatten Einbrecher den Supermarkt heimgesucht und fette Beute gemacht. Für die beiden Räuber blieben nur 73 Euro Münzgeld übrig.

Cora W. ist eine der beiden guten Zeuginnen. Detailreich und in klaren Worten schilderte sie die schrecklichen Minuten des Überfalls. Dass die Räuber das bereits von den Einbrechern erbeutete Geld haben wollten, „hat mich in Erklärungsnot gebracht, weil sie das nicht glauben wollten“, berichtete die junge Frau. Während der eine Räuber viel mit ihr geredet und am Ende gar versucht habe, sie zu beruhigen, habe der mit dem Messer an der Tür gestanden und sei sehr nervös gewesen.

Etwa zu der Zeit, in der drinnen Cora W. zitterte, fuhr draußen eine ihrer Kolleginnen vorbei. Dabei fiel ihr ein Auto auf, das langsam vor ihr her fuhr und auf Höhe des Supermarktes am Straßenrand hielt. Weil der Frau das verdächtig vorkam, merkte sie sich das Kennzeichen. Als die Mitarbeiterin wenig später zur Arbeit im Edeka-Markt fuhr, war die Polizei bereits da. Die Frau teilte sogleich das Kennzeichen mit.

Es gehörte zu einem himmelblauen BMW M3, der bei einem vermutlich fingierten Einbruch in Bargteheide verschwand. Der BMW tauchte auch in anderem Zusammenhang auf: Etwa eine Stunde zuvor war er in Bockhorn (Kreis Segeberg) geblitzt worden. Am Steuer saßen zwei Männer. Waren es die Angeklagten?

Diese Frage ist auch im zweiten Verfahren zu klären. Dass da noch einiges kommt, wissen die Prozessbeteiligten und -beobachter. Gestern sagten mehrere Polizeibeamte dazu aus, wie die Ermittler auf Behar T. und Kastriot K. gekommen waren. Das polizeiintern veröffentlichte Blitzerfoto führte zu einigen Rückmeldungen, bei denen die beiden genannt wurden. Sie stehen auch im Verdacht, an weiteren Edeka-Überfällen beteiligt gewesen zu sein. 2015 hatte es eine ganze Reihe solcher Taten gegeben. Ein V-Mann steckte der Polizei, dass die Angeklagten einige dieser Überfälle begangen haben sollen.

Da war Hutzfeld noch ein Nebenschauplatz. Ein Kripo-Beamter berichtete, dass er bei einem Ortstermin mit Kastriot K. gesprochen und ihm dabei das Blitzerfoto gezeigt habe. Auf die Frage, ob er das sei, habe Kastriot K. zugestimmt, aber gesagt, er habe den BMW in Bad Segeberg „den Polen“ gegeben. Auf die Frage, ob Behar T. dabei war, habe Kastriot K. genickt.

Zu Beginn des neuen Verfahrens hatte es noch etwas prozessuales Fingerhakeln zwischen Verteidiger Olaf Reinecke und dem Vorsitzenden Richter Kai Schröder gegeben. Reinecke monierte, der neue Beisitzende Richter sei nicht der laut Geschäftsordnung vorgesehene Vertreter für seinen erkrankten Kollegen und deshalb nicht der „gesetzliche Richter“. Die Besetzungsrüge wiesen die Richter zurück.

Schröder: „Die Kammer ist korrekt besetzt.“

Susanne Peyronnet

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach Hetze gegen Inklusionshotel: Einrichtung kritisiert unsachliche Diskussion über Haus des Gastes – Werkstätten für Behinderte mit Kasernen verglichen.

27.04.2017

Auf der Hubertushöhe bekommen sieben Eutiner Schülerinnen Einblicke in den Berufsalltag.

27.04.2017

Musikalische Lesungen – Wiedersehen mit Mona Harry – Krimis sowie Mundart-Poetry-Slam – Los geht es morgen um 15 Uhr.

27.04.2017