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Ostholstein Edeka-Überfall: Das Ende des Prozesses naht
Lokales Ostholstein Edeka-Überfall: Das Ende des Prozesses naht
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11:25 22.06.2017
Der Tatort, der Edeka-Markt in Hutzfeld, rückt im Verfahren vor dem Lübecker Landgericht zunehmend aus dem Blickfeld. Quelle: Foto: Peyronnet

Mittlerweile läuft der Hutzfelder Edeka-Prozess ein halbes Jahr, und es sieht tatsächlich so aus, als ob er bald ein Ende finden könnte. Nachdem die erste Auflage nach sieben Verhandlungstagen wegen Erkrankung eines Richters geplatzt war, läuft seit 24. April die zweite Auflage. Dabei dreht sich wie schon im ersten Anlauf vieles um die Glaubwürdigkeit eines Belastungszeugen, und da wird die Sache zunehmend unübersichtlich.

Zwei jungen Männern, Behar T. (28) und Kastriot K. (27), wird vorgeworfen, im Oktober 2015 in Hutzfeld den Edeka-Markt überfallen zu haben. Laut Anklage sollen sie eine Angestellte mit einem Messer bedroht und Geld gefordert, aber mangels Masse nur 73 Euro Beute gemacht haben. Für die junge Frau macht das keinen Unterschied, und für die rechtliche Bewertung auch nicht, weshalb die Anklage auf besonders schweren Raub lautet. Da die Angeklagten schweigen, ist die Kammer auf Indizien und vor allem auf Zeugen angewiesen. Genau da liegt das Problem. Und das hört auf den Namen Carlo T. (Name geändert). Der sitzt als Strafhäftling in der Lübecker Justizvollzugsanstalt ein und hat die Untersuchungshäftlinge Behar T. und Kastriot K. dort ebenso kennengelernt wie Sven S., der sich wegen Mordes an seiner Lebensgefährtin in einem mittlerweile ebenfalls geplatzten Prozess vor einer anderen Kammer des Lübecker Landgerichts verantworten muss.

Carlo T. hat schon diverse Male in Sachen Hutzfeld vor der III. Großen Strafkammer als Zeuge ausgesagt. Der wegen Betrugs verurteilte Sport- und Gymnastiklehrer will Gespräche gehört haben, nach denen Behar T. (28) und Kastriot K. (27) den Raubüberfall von Hutzfeld begangen haben sollen. Deshalb setzen die Verteidiger Arne Timmermann und Olaf Reinecke alles daran, die Glaubwürdigkeit von Carlo T. zu erschüttern. Der zunehmend ungeduldige Vorsitzende Richter Kai Schröder sieht offenbar ebenfalls, dass dem Zeugen intensiv auf den Zahn gefühlt werden muss. Als Carlo T. gestern erneut aussagte, hakte Schröder zwar hier und da nach, sagte dem Zeugen aber auch: „Das haben wir schon mehrfach besprochen.“

Die weiteren Zeugen am gestrigen Verhandlungstag kennen sich zwar gut aus im Justizbetrieb, sitzen aber eher selten auf dem Zeugenstuhl: Staatsanwälte und Richter. Carlo T. ist nicht nur im Edeka-Prozess Zeuge, sondern sagte auch im Mordprozess gegen Sven S. aus. Über diesen Auftritt sollte Staatsanwalt Niels-Broder Greve Auskunft geben.

Außerdem musste die Anklagevertreterin des Hutzfelder Verfahrens, Sandra Parnitzke, noch einmal aussagen. Sie hatte zusammen mit einem Kollegen mit Carlo T. gesprochen, als der sich wegen Informationen an die Staatsanwaltschaft wandte. Offenbar wollte der Betrüger sich damit die Verlegung in ein anderes Gefängnis verdienen.

Der Prozess wird am 5. Juli fortgesetzt.

 Susanne Peyronnet

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