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Ostholstein Eigenbedarf: Museums-Macher entsetzt über „Zwangsräumung“
Lokales Ostholstein Eigenbedarf: Museums-Macher entsetzt über „Zwangsräumung“
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00:55 16.01.2016
Im Dachgeschoss der Pönitzer Schule wurden 1988 die ersten Exponate präsentiert. Zuletzt wurden die etwa 800 Quadratmeter als Werkstatt, aber auch als Ausstellungsfläche genutzt. Fotos (3): Christina Düvell-Veen
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Pönitz

Im Zuge der Umbauarbeiten in und an der Pönitzer Schule hat die Gemeinde Scharbeutz für die etwa 800 Quadratmeter große Fläche auf dem Dachboden Eigenbedarf angemeldet.

Alle Vitrinen sind ausgeleert und Kisten gepackt. Doch wohin damit? Wo gibt es Platz für all‘ die Dinge, die sich in fast 30 Jahren angesammelt haben — auch für etwa 40 alte Miele-Waschmaschinen, 20 gusseiserne Nähmaschinen aus dem 19. Jahrhundert, Textilien, Zinnsoldaten, alte Schränke und anderes Mobiliar? „Wir wussten zwar schon seit längerer Zeit, dass uns der Raum nach der Schulerweiterung nicht mehr zur Verfügung steht, aber das ist jetzt so eine Art Zwangsräumung“, sagt der Vereinsvorsitzende Dr. Kersten Jungk. Am 15. Dezember vergangenen Jahres sei ihm mitgeteilt worden, dass die Fläche bis zum 11. Januar 2016 zu räumen sei. Die Vereinsmitglieder haben die Sachen auf dem Dachboden alle zusammengepackt. „Den Umzug muss die Gemeindeverwaltung bewältigen“, kündigt Jungk an.

Jungk berichtet von intensiven Gesprächen mit Verwaltung und Politik auf der Suche nach einer Lösung für die Museumswerkstatt. „Das Ganze ist eine politische Entscheidung, aber der gute Wille ist auf unserer Seite“, so Jungk. Sowohl Bürgermeister Volker Owerien (parteilos) als auch Vertreter von CDU, SPD und FDP hätten dem Verein Mithilfe bei der Suche nach Lagermöglichkeiten zugesagt. Allen sei schon seit Längerem klar gewesen, dass die Museumswerkstatt so nicht mehr genutzt werden dürfe. Zum einen sei der Brandschutz nicht gewährleistet, zum anderen sei der Boden statisch überfrachtet.

Empfindliche und wertvolle Ausstellungsstücke aus der Schule seien bereits auf dem Dachboden im Museum untergebracht. Jungk nannte Textilien ebenso wie Steine aus der Vor- und Frühgeschichte. Jetzt werde eben noch Raum gesucht für große Exponate wie beispielsweise hölzerne Möbelstücke. „Die kann ich nicht einfach auf der Tenne eines Bauernhofes unterstellen.“ Gesucht werden trockene und beheizbare Räume.

Wolfram und Regina Kummer sind seit zehn Jahren Vereinsmitglieder, und auch sie haben beim Aufräumen und Verpacken tatkräftig mitgewirkt. Da niemand genau wisse, wo die eingelagerten Exponate bleiben werden, werde einiges entsorgt. So berichteten beide davon, dass ein Schrotthändler informiert wurde: „Der soll gucken,was er noch brauchen kann“, so Kummer. Denn nicht alles, was auf dem Schulboden gelagert wurde, sei noch für das Museum geeignet. Der Verein sei rechtzeitig über den geplanten Beginn der Baumaßnahme informiert worden, berichtete Owerien. Platz werde zunächst einmal für ein Lüftungsgerät benötigt, das in einer Ecke des Dachbodens aufgestellt werden soll. Spätestens Ende Juni aber müsste die gesamte Fläche zur Verfügung stehen. Der Bürgermeister bestätigte Verhandlungen mit der Volksbank, die ihre Pönitzer Filiale demnächst aufgibt, so dass nicht nur der Schalterraum, sondern auch zwei Wohnungen leer werden. Zudem werde daran gedacht, das Museums-Depot in dem Schulpavillon, der eigentlich abgerissen werden sollte, einzurichten.

Auf jeden Fall festgehalten werde an den Plänen eines Museums-Anbaus an der Lindenstraße. Dafür wurden im aktuellen Gemeindehaushalt 35000 Euro Planungskosten veranschlagt.

Das Pönitzer Museum mit seinem Vorplatz und den Außenanlagen, so Owerien, bilde nicht nur den Mittelpunkt des Ortes Pönitz, sondern habe eine überregionale Bedeutung. „Es steht außer Frage, dass hier in Eigenleistung etwas ganz Außerordentliches geleistet wurde.“ Schon deshalb müsse „eine vernünftige Lösung“ gefunden werden. Das wäre dann auch ganz im Sinne von Kersten Jungk, sagt er doch: „Ich schlafe schlecht, weil ich mich für die Sache verantwortlich fühle.“

Christina Düvell-Veen

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