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Ostholstein Ein Fehmaraner Kapitän segelt 1901 ins ewige Eis
Lokales Ostholstein Ein Fehmaraner Kapitän segelt 1901 ins ewige Eis
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18:26 01.07.2017
Wohnung des Schreibmeisters Ludwig August Ruser von 1841 bis 1885 und Geburtshaus des Kommodore Hans Ruser. Quelle: Fotos: Sammlung Klahn

Ein berühmter Fehmaraner begab sich Anfang des vergangenen Jahrhunderts an den Südpol ins ewige Eis. Kapitän Hans Ruser, 1862 in Burg geboren, erhielt 1901 vom deutschen Kaiser das Kommando für das in Kiel zu Wasser gelassene Forschungschiff „Gauß“ (damals waren die Schiffsnamen noch männlich). Nachdem Ruser 1903 von einer Expedition“ aus der Antarktis zurückkam, durfte er weitere große Schiffe über die Meere steuern. Mit ihm fuhren unter anderem viele Auswanderer über den großen Teich nach Amerika.

Am Steuer des legendären Südpolar-Forschungsschiffes „Gauß“ war Hans Ruser aus Burg.

1899 bewilligte der Deutsche Reichstag 1,2 Millionen Reichsmark für den Bau eines robustes Forschungsschiffes auf der Werft der Howaldtswerke. Um das Schiff vor Schäden durch den Eisgang zu schützen, wurde eine dreifach-verstärkte Holzverplankung aus Eiche, amerikanischer Fichte und Greenheart verwendet. Außerdem brachte man Stahlplatten am Bug und Heck an. Der 46 Meter lange Dreimaster mit Dampfmaschine wurde am 2. April 1901 vom Geographen Ferdinand von Richthofen zu Ehren von Carl Friedrich Gauß getauft, der als Erster die Bedeutung des Südpols für die erdmagnetische Forschung erkannt hatte.

Die anschließende große Fahrt startete am 11. August und war die erste deutsche Antarktis-Expedition. Sie wurde angeführt vom Polarforscher und Geologieprofessor Erich von Drygalski. Am Steuer des Schiffes stand der Fehmaraner Kapitän Hans Ruser. Ziel der großen Reise war die Erforschung des unbekannten Gebietes südlich von Kerguelen. Damals saß Ruser samt Forschungsteam mit dem Schiff, das eine elektrische Beleuchtung und eine Dampfheizung besaß, fast 14 Monate im Eis fest.

Hans Ruser war das jüngste von zehn Kindern (sieben Mädchen und drei Knaben) des Schreibmeisters und Organisten Ludwig August Ruser (1819–1898) und seiner Ehefrau Marie, geborene Erichsen, einer Lehrerstochter aus Burg. Zur Welt kam er in der 1655 erbauten Latein- und Parochialschule, dem heutigen Fehmarn-Museum.

Der Großvater des Kapitäns Hans Ruser war Leibkutscher der Herzogin von Schleswig-Holstein- Sonderburg-Augustenburg, deren Tochter Auguste Viktoria 1881 den deutschen König und Kaiser Wilhelm II.

heiratete. Der Sohn des fürstlichen Leibkutschers, der Schreibmeister Ludwig August Ruser, wurde 1841 als Lehrer nach Burg an die Lateinschule versetzt, wo er mit seiner Großfamilie bis zu seinem Ruhestand 1885 wohnte und wirkte.

Die fürstlichen Verbindungen zum Kaiser- sowie zum Schleswig- Holstein-Hause sollten dem hervorragenden Kapitän und Navigator Hans Ruser in höchste Ämter und ans Steuer des „Gauß“ bringen. In dem Buch „Deutsche in der Antarktis“ von Cornelia Lüdecke wird allerdings beschrieben, dass dem Expeditionsleiter Erich von Drygalski das Verhalten von Ruser unangenehm aufgefallen sei und die Offiziere „gegen seine übertriebenen Anordnungen streikten“. Aber Ruser soll auch mit Bordmitteln einen Flutmesser entwickelt haben, der am Klüverbaum des Schiffes befestigt erstmalig Gezeitenbeobachtungen weit von der Küste entfernt auf offenem Meer ermöglichte.

Nach der mehr als zweijährigen Reise, die am 24. November 1903 wieder in Kiel endete, wurde Ruser zum Kommodore befördert und mit höchsten Aufgaben der Schifffahrt betraut.

Während der „Gauß“ an die kanadische Regierung verkauft wurde und noch bis in die Mitte der 20er-Jahre im Einsatz war, übernahm Ruser bei der Hamburg-Amerika-Linie unter anderem die Großdampfer „Prinzessin Victoria Luise“, „Moltke“, „Kaiserin Auguste“ und 1913 den weltgrößten Passagier-Dampfer „Imperator“ mit 50000 Bruttoregistertonnen des reichsten Reeders Deutschlands, Albert Ballin.

Dieser erschoss sich nach der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg am 9. November 1918. Ballin hatte seine gesamte Flotte, die jetzt an England ausgeliefert wurde, dem Kaiser unterstellt,.

Zehntausende von Auswanderern brachte der Burger Kapitän Hans Ruser in die „neue Welt“ und unterhielt sich hierbei mit Vorliebe mit Plattdeutsch sprechenden Fehmaranern, die er durch den Schiffslautsprecher zu sich bat und köstlich zu bewirten pflegte. 1914 wurde Hans Ruser vom Kaiser mit dem Roten Adlerorden dekoriert und zu Kriegsschluss mit Beginn der Besatzung in den USA interniert. Der Kommodore starb am 7. April 1930 in Hamburg.

Verfasst von Karl-Wilhelm Klahn, ehem. Stadtarchivar Burg, und Markus Billhardt

Lateinschule: Geburtshaus und Museum

Das Geburtshaus von Kommodore Hans Ruser, die Latein- und Parochialschule, diente als erste kirchlich-geleitete städtische Bildungsanstalt der Insel, wenngleich im Burger Stadtarchiv bereits im 16. Jahrhundert eine Schreib- wie Kleinschule erwähnt wird. Das Eichen-Fachwerkgebäude hatte aber mit dem Bau der ersten öffentlichen Backstein-Elementarschule 1857 in der Burger Mühlenstraße und der Errichtung einer weiteren Volksschule 1873 in der verlängerten Ohrtstraße seine Pflichten als Lehranstalt erfüllt.

Tatkräftige Heimatfreunde um den Lehrer und Autor Johannes Voß setzten einen bisher lang gehegten Wunsch in die Tat um. Mit Sanitätsrat Dr. Reinicke, Amtsvorsteher Fritz Amsink, Butterhändler Bundies, Kantor Otto und dem Bauern Karl Rickert, deren Stuben, Böden und Scheunen bereits vor historischen Sammelwerken auseinanderplatzten, sowie Bürgermeister Matthias Lafrenz, der als Museums-Befürworter schon zwei untere Räume des Fachwerkhauses kostenlos zur Verfügung gestellt hatte, wurde 1897 dort der „Verein zur Sammlung Fehmarnscher Altertümer“ gegründet. Das Fehmarn-Museum (zuvor Peter-Wiepert-Heimatmuseum) besteht jetzt 120 Jahre.

Karl-Wilhelm Klahn

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