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Ostholstein Ein Freizeitpark wird eingepackt
Lokales Ostholstein Ein Freizeitpark wird eingepackt
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23:44 26.10.2013
Techniker Ralf Limberg hangelt sich auf den Gleisen der „Crazy Mine“ entlang und entfernt auf den Schienen die Bremsen für das Fahrgeschäft. Alle Einzelteile werden dann später auf Materialschäden oder -ermüdung geprüft und bei Bedarf ersetzt. Quelle: Fotos: Thomas Klatt
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Sierksdorf

Das letzte Jauchzen ist verklungen, Fahrgeschäfte stehen still, schon etwas dezimierte Blumenbeete warten vergeblich auf Betrachter. Und dennoch ist noch eine Menge Betrieb im Sierksdorfer Hansa-Park, der am vergangenen Sonntag zum letzten Mal in diesem Jahr seine Tore geöffnet hatte. Jetzt wird die Freizeiteinrichtung winterfest gemacht. Für die Techniker beginnt nach Aussage von Park-Geschäftsführer Andreas Leicht nun die arbeitsintensivste Zeit des Jahres.

In der „Crazy Mine“ hangelt sich Techniker Ralf Limberg in luftiger Höhe auf den Gleisen entlang und demontiert die Bremsen des Fahrgeschäftes. „Wagen und Bremsen sämtlicher Fahrgeschäfte werden komplett in alle Einzelteile zerlegt. Rollen, Räder, Bremsen, Kugellager, Zug- und Anhängevorrichtungen werden dann mit Ultraschall und anderen Methoden von Fremdfirmen auf Herz und Nieren geprüft“, erläutert Sicherheitschef Henrick Kazanczuk. 35 Techniker sind dafür dieser Tage im Einsatz und montieren die Anlagen auseinander, lagern sie anschließend in der Materialhalle ein.

In schwindelerregender Höhe klettern zwei Mitarbeiter einer Lübecker Firma auf dem „Torre del Mar“ herum. Routinemäßig werden dort jährlich die Halteseile des überdimensionalen Kettenkarussells ausgetauscht. „Die Zusammenarbeit mit den Fremdfirmen klappt reibungslos, man kennt sich seit Jahren, die sind für uns wie unsere eigenen Leute“, sagt Kazanczuk, der seit 35 Jahren im Hansa-Park beschäftigt ist.

Unterhalb des „Rasenden Rolands“ und im Becken des „Super Splash“ wird das Wasser abgelassen und gibt den Blick frei auf den schlammigen Untergrund. Mit Schaufeln wird der grobe Dreck, mit Wasserschläuchen der feine beseitigt. Derweil werden die Polyesterboote auf einen Anhänger verladen. Ebenso wie die Gummiboote werden sie bis zur nächsten Saison von Fremdfirmen gewartet und auf Hochglanz gebracht.

In den Blumenbeeten wird es dagegen nur wenige Überlebende geben. Wiedersehen werden die Besucher im kommenden Frühjahr lediglich die Agaven. Die Knollen der Dahlien werden ausgebuddelt, der Rest kommt auf den Kompost. Hinweisschilder werden mit Plastikfolien vor dem kommenden Winter geschützt, in der Materialhalle liegen die beiden großen Motoren des „Holstein-Turms“ zur Generalüberholung bereit. Die beiden Seelöwen — Dauerattraktion im Hansa-Park — gehen jetzt mit ihrem Trainer auf „Tournee“, kehren zwischendurch aber immer wieder in ihr heimatliches Becken in Sierksdorf zurück.

Alle Einzelteile der Fahrgeschäfte müssen bis Ende März wieder zusammengesetzt sein. „Das hört sich noch lange hin an, ist es aber nicht“, weiß Kazanczuk aus langjähriger Erfahrung. „Viele Arbeiten werden jetzt in Angriff genommen, die vom Gast überhaupt nicht oder nur bei wiederholtem Besuch wahrgenommen werden“, meint Andreas Leicht. Dazu zählt die Vernetzung der Fahrgeschäfte, die künftig über ein elektronisches System nicht nur Zustand und Stillstand der Fahrgeschäfte zentral übermittelt, sondern den Besuchern in der kommenden Saison auch an jedem Fahrgeschäft mitteilt, welche Wartezeiten sie einkalkulieren müssen. Optimiert wird auch die Bügelanpassung im „Rasenden Roland“, die Fahrgästen mit mehr Körperfülle mehr Komfort bieten soll.

Vieles muss in den kommenden Wochen und Monaten erneuert werden. Leicht: „Der Park besteht seit 36 Jahren. Alles was zehn, 20 oder 30 Jahre alt ist, muss ausgetauscht werden.“ In der Verwaltung wird derzeit zielstrebig auf die nächste Saison hingearbeitet, werden neue Kataloge und CDs erstellt, Verkaufszahlen analysiert und Marktforschung betrieben.

Bereits im November sollen die Umbauarbeiten an der „Hall of Stars“ zu einem wetterunabhängigen Spieleparadies für die ganze Familie beginnen. Ebenfalls im November wird der Bau einer neuen Fahrattraktion in Angriff genommen. Bei der Gästebefragung habe es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen einem schwungvollen Fahrgeschäft für die ganze Familie und einem sogenannten „Family-Thrill“

gegeben. Ein „Family-Thrill“ werde auch als „Weiße-Knöchelchen-Fahrgeschäft“ beschrieben. Die träten nämlich an der Hand der Fahrgäste auf, wenn diese sich krampfhaft an den Haltebügeln festhielten, erläutert Leicht mit einem Schmunzeln. Welche der beiden Fahrgeschäfte das Rennen gemacht hat? Das will Leicht noch nicht verraten.

Saison mit Hindernissen
1,2 Millionen Besucher haben in der vergangenen Saison den Hansa-Park besucht. Laut Geschäftsführer Andreas Leicht bewege sich das Ergebnis damit auf dem Vorjahresniveau. Leicht: „Wir schreiben weiterhin schwarze Zahlen.“

Eine Achterbahnsaison hat die Freizeiteinrichtung nach Aussage von Leicht hinter sich. „Zur Eröffnung hatten wir noch eine geschlossene Schneedecke — das hat es vorher noch nie gegeben.“
Der lang anhaltende Winter habe den Park vor einige erhebliche logistische Anforderungen gestellt, „die wir jedoch gemeistert haben“. Es folgte eine verregnete Vorsaison, an der sich dann jedoch ein „Spitzenjuli“ und eine gute Nachsaison anschlossen.

Thomas Klatt

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