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Ostholstein Ein Fußballteam für alle Menschen
Lokales Ostholstein Ein Fußballteam für alle Menschen
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18:23 20.09.2013
Teamgeist macht stark: Die inklusive Herrenmannschaft der BSG Eutin. Quelle: Hannes Lintschnig
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Eutin

Acht Punkte aus sieben Spielen haben die Kicker der dritten Mannschaft der BSG Eutin bisher auf ihrem Konto. Das bedeutet Platz neun in der Tabelle der Kreisklasse D.

Für das Team, das sich erst vor ein paar Wochen gegründet hat, ein vielversprechender Start in die Saison. Als erster Verein in Schleswig-Holstein hat die BSG Eutin unter Leitung von Frank Lunau und Björn Bünning eine inklusive Fußballmannschaft für den realen Ligabetrieb angemeldet. Unterstützung kam dabei vom Schleswig-Holsteinischen Fußballverband (SHFV), der mit dem Projekt „Dribbeln ohne Limits“ Menschen mit Behinderungen den Weg in Fußballmannschaften erleichtern will.

„Inklusion, das bedeutet Vielfalt in einem selbstverständlichen Bezug“, erklärt der studierte Pädagoge Björn Bünning. Deshalb darf jeder bei der dritten Herrenmannschaft der BSG Eutin mitspielen, Behinderte und Nichtbehinderte, die Lust auf Fußball haben — und mit dem Ball umgehen können. „Wir wollen uns nicht jedes Wochenende vom Gegner abschießen lassen. Das wäre nicht gut für unser Team und auch nicht für den Gegner“, so Bünning. Das große Ziel dieses Projektes sei es, mit Inklusion im Wettkampf zu bestehen, ohne Schonraum und Extrawurst. „Das ist die höchste Anerkennung und die richtige Art, Vorurteile aus der Welt zu schaffen“, so Bünning, der früher bei Holstein Kiel in der Amateurliga spielte. Doch während man bei Punktspielen dem Gegner mit Qualität begegnen will, darf am Training der Mannschaft natürlich jeder teilnehmen, auch ohne besondere Fußballkenntnisse.

Bünning trainiert die Mannschaft zusammen mit Frank Lunau, beide arbeiten bei „Horizonte Ostholstein“ und sind Sozialraumkoordinatoren und Hausleiter der Wohnstätten für Menschen mit Beeinträchtigungen in Eutin und Oldenburg. „Viele der Bewohner haben Lust, Fußball zu spielen. Also habe ich mir überlegt, eine Mannschaft zu gründen, in der sie einen Platz finden“, sagt Frank Lunau. Unterstützung bei seiner Idee bekam Lunau vom Landesfußballverband. „Als Frank mir von der Idee erzählte, war sofort klar, dass wir ihn dabei unterstützen werden. Es ist ein wunderbares Projekt“, sagt Kilian Weber, Koordinator des Behindertenfußballs des SHFV. Der Landesfußballverband und die Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball Bundes engagieren sich seit dem vergangenen Jahr mit dem Projekt „Dribbeln ohne Limits“ für einen erleichterten Zugang für Menschen mit Behinderungen in die „Fußballfamilie“. Für die dritte Herrenmannschaft der BSG Eutin sponserte der SHFV Trainingsmaterialien wie Leibchen, Hütchen und fünf Fußbälle.

Lunaus Ziel ist es, aus der Mannschaft ein richtiges Team zu bilden, was bis zum Ende der Saison durchhält. „An erster Stelle steht die Begegnung, der Sport, die Bewegung und der Gedanke, dass jeder willkommen ist“, sagt der 56-Jährige. Seine Aufgaben bei der dritten Fußballmannschaft sind nicht nur sportlicher Natur, er muss auch seine pädagogischen Kenntnisse einsetzen. Bei der Teambildung gebe es immer mal Reibungen und Hierarchieansprüche, auch eigene Teammitglieder müssen sensibilisiert werden, damit es nicht zu diskriminierenden Aussagen kommt. Lunau geht zudem vor jedem Spiel zur gegnerischen Mannschaft und weist auf den inklusiven Aspekt hin, „aus pädagogischen Gründen“. Doch bedeute es nicht, fußballerischen Schonraum einzufordern. Beleidigungen von gegnerischen Spielern gab es bisher nicht, falls es mal dazu kommen sollte, würde Lunau darauf explizit im Spielbericht hinweisen. „Alle machen Erfahrungen mit Inklusion: Das Team, der Verein, Trainer, Gegner und auch der Landesfußballverband“, so Lunau.

Nächstes Wochenende geht es für die Kicker gegen den SG Gnissau/Böbs 2.

Projekte der BSG Eutin
Der Gedanke, dass jeder willkommen ist, hat bei der BSG eine längere Tradition. Der Verein bietet seit mehr als 25 Jahren Turnen für Menschen mit Handicap an, neuerdings auch Tischtennis. Außerdem findet zweimal in der Woche ein integratives Boxprojekt statt, das besonders für Menschen mit Migrationshintergrund konzipiert wurde.
„Inklusion, das bedeutet Vielfalt in einem selbstverständlichen Bezug.“
Björn Bünning, Trainer der BSG III

Hannes Lintschnig

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