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Ostholstein Ein Kuhstall als Geldanlage
Lokales Ostholstein Ein Kuhstall als Geldanlage
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20:26 02.02.2013
Von Thomas Klatt
Helge Siems (l.), Sophie Kraul und Knut Ellenberg beraten auf Wunsch Anleger, die eine „Kuh-Aktie“ kaufen wollen. Der neue Kuhstall für die 50-köpfige schwarzbunte Herde soll voraussichtlich im Sommer gebaut werden. Quelle: Thomas Klatt

Alles andere als ein „Kuh-Handel“ ist das, was da gerade auf dem Hof Klostersee vor sich geht. Der gemeinnützige Verein Hof Klostersee e.V. hat ein ebenso ambitioniertes wie originelles Vorhaben: Den Neubau eines Kuhstalles will der Verein mit Hilfe sogenannter „Kuh-Aktien“ finanzieren.

„Der Verein Hof Klostersee will sich öffnen und den Menschen in der Region eine nachvollziehbare Geldanlage ermöglichen“, erläutern die Betriebsleiter Gerlinde Ariberti, Knut Ellenberg und Sophie Kraul, sowie Vereinsvorsitzender Helge Siems ihr Vorhaben. 100 000 Euro in Form sogenannter „Kuh-Aktien“ sollen in die Gesamtinvestitionssumme von 750 000 Euro eingebracht werden, um das neue Heim für Kühe und Rinder zu finanzieren. Ein Viertel der Anleihen sei bereits gezeichnet worden, freuen sich die Betriebsleiter über die gute Annahme des Projektes auf dem nach Demeter-Bestimmungen bewirtschafteten Hof.

Und so geht das mit der „Kuh-Aktie“: „Wir geben Anleihen zum Stückpreis von 500 Euro heraus“, erklärt Helge Siems. Zwei Prozent beträgt der Zinssatz für Anleger, die sich den Zins in bar auszahlen lassen. Drei Prozent erhalten dagegen die Anleger, die auf eine Barauszahlung verzichten und sich stattdessen ihren Zins in Form von Warengutscheinen auszahlen lassen. Dazu zählen Erzeugnisse der Hofgemeinschaft wie Fleisch, Wurst, Brot und Milchprodukte, die im Hofladen vertrieben werden.

Auch eine zinslose Variante sei möglich, bei der die ökologische Rendite im Vordergrund stehe. Der Projektidee, so Helge Siems, sei eine umfassende wirtschaftliche Analyse vorausgegangen. Angesichts des 150 Jahre alten und mittlerweile baufälligen Kuhstalles besteht dringender Handlungsbedarf. „Wir wollen Haltungsbedingungen optimieren, aber vor allem auch attraktivere Arbeitsplätze für unsere Mitarbeiter schaffen“, sagt Sophie Kraul. Der neue Stall eröffne die Möglichkeit, die bewährte aber allgemein aussterbende Haltungsform mit Weidegang und großen Laufflächen zu erhalten und besonders das Aufzuchtverfahren zu entwickeln. Eine längere Bindung zwischen Kalb und Kuh solle unter anderem damit ermöglicht werden. Bisher wurden die Kälber mangels eines Jungtierstalls in einen Stall in Bentfeld ausgelagert. Auch dem Platzbedarf der Kühe — denen nicht die Hörner gestutzt werden — werde mit dem Neubau Rechnung getragen. Weitere Merkmale der artgerechten Haltung: Ein Deckbulle läuft im Allgemeinen in der Herde mit und die Kühe kalben im Sommer auf den Weiden.

Die Möglichkeit, in einen geschlossenen Kreislauf zu investieren, erläutert Gerlinde Ariberti: „Wir verwenden als Zusatzfutter ausschließlich Getreide aus eigenem Anbau. Die Milch wird direkt auf dem Hof verkauft oder in der hofeigenen Käserei verarbeitet. Der Mist wiederum ist die Düngegrundlage für die Ackerflächen.“

Realisiert werden soll das Stallbauvorhaben auf der Grundlage des bestehenden Kuhstalls. Vom 1863 erbauten Stall wird ein Rumpfgebäude erhalten, in dem wie bisher die Käserei und der Melkstand untergebracht sind. An den alten Baukörper wird eine Liegehalle angebaut. An dem an die Lauffläche angrenzenden Futtertisch sollen sich künftig Kühe, sowie Jung- und Masttiere gegenüber stehen.

Voraussichtlich im Juni soll mit dem Neubau begonnen werden.

Milch für die eigene Käserei

500 Euro müssen Anleger pro „Kuh-Aktie“ zahlen. Eine Rückzahlung des Anlagebetrages ist frühestens nach sieben Jahren möglich. Weitere Informationen über eine Teilhabe an dem Stallbauvorhaben finden sich auf der Homepage des Hofes Klostersee unter www.klostersee.org.

20 Liter Milch beträgt im Durchschnitt der Ertrag einer Kuh auf Hof Klostersee. Mit dieser Menge sieht sich der Hof im Mittelfeld ökologisch wirtschaftender Betriebe.

Die Milch der schwarzbunten Kuhherde wird zum Teil in der eigenen Käserei verarbeitet und ansonsten an eine ökologische Meierei geliefert. Der Nachwuchs der 50-köpfigen Herde wird überwiegend aufgezogen und zum Teil als Ochsen gemästet.

Thomas Klatt

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