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Ostholstein Ein Leben auf dem Pferderücken
Lokales Ostholstein Ein Leben auf dem Pferderücken
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21:45 04.11.2017
Kalle Schultz mit Sohn Jan Philipp beim Parcours-Aufbau in Böbs.
Böbs

Sieben Jahrzehnte im Sattel sitzen – das geht theoretisch einfach: erste Reiterfahrungen mit zehn Jahren sammeln, dabei bleiben, fit bleiben, weiterreiten und dann den 80. Geburtstag feiern.

Ein führender Vertreter der Reiterszene Ostholsteins wird 80 Jahre alt: Karl „Kalle“ Schultz, seit Jahrzehnten mit dem „Stall Madrigal“ in Böbs beheimatet, blickt auf eine lange Sportlerkarriere mit nationalen und internationalen Erfolgen zurück und achtet bis heute auf seine Fitness.

Madrigall

Mehr zum Stall Madrigal auch bei Facebook unter https://www.facebook.com/Stall-Madrigal-Böbs-177989835575327/

Praktisch gehören aber beeindruckende Disziplin und Entschlossenheit zu einem Reiterleben, wie es Karl „Kalle“ Schultz aus Böbs bislang gelebt hat – und vor allem die tiefe Verbundenheit mit Pferden und dem Reitsport.

„Das war meine Welt, es ging gar nicht anders“: So beschreibt einer der erfolgreichsten Reiter Schleswig-Holsteins sein Gefühl, als er als Zehnjähriger zum ersten Mal auf einem Pferd saß, damals beim Schwartauer Reitverein. Zwar verdienten die Eltern von Kalle Schultz ihr Geld mit einer Gastwirtschaft in Rensefeld, doch der Vater hatte einst Rennen auf dem Priwall geritten, wo eine Rennbahn bis 1934 genutzt wurde. „Nach der Volksschule wollte ich gleich weiterreiten“, sagt Kalle Schultz, doch habe er zunächst eine Ausbildung in der Landwirtschaft absolvieren müssen. „Aber ich hatte einen netten Chef, der hat mich nebenbei reiten lassen.“ Nach dem frühen Tod des Vaters führte Kalle Schultz die Gastwirtschaft mit seiner Mutter, „und dann habe ich den großen Tanzsaal nebenan zur Reithalle umgebaut, und die ist von allen guten Reitern aus der Umgebung gern genutzt worden“.

Kalle Schultz selbst wurde ebenfalls ein guter Reiter, ein sehr guter sogar, und galt jahrelang als erfolgreichster Vielseitigkeitsreiter des Landes. Sämtliche Siege und Titel aufzuzählen, würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Kalle Schultz war unter anderem Bundessieger und Europasieger mit der Mannschaft, mehrmals Deutscher Vize-Meister, Vize-Europameister – und hat dreimal an den olympischen Spielen teilgenommen: 1972 holte er in München mit der Mannschaft Bronze, 1976 in Montreal Bronze im Einzel und Silber mit der Mannschaft und 1980 in Fontainebleau Silber mit der Mannschaft. Der Ostholsteiner hat zweimal das Goldene Reitabzeichen und das Deutsche Reiterkreuz in Bronze erhalten und wurde 2015 als neunter Reiter überhaupt in die „Hall of Fame“ des Vielseitigkeitssports im Reiterdorf Luhmühlen (Lüneburger Heide) aufgenommen. Er ist angesehener Reitlehrer, Turnierrichter, Parcourschef und Veranstalter zahlreicher Turniere auf der Anlage „Stall Madrigal“ in Böbs, Ehrenmitglied in den Reitervereinen von Bad Schwartau, Warnsdorf und Luhmühlen und wird bis heute gefragt, wie es denn 1973 im Buckingham Palace war, als ihn die pferdeverrückte Prinzessin Anne zu ihrer Hochzeit eingeladen hatte.

Das ist eine Menge. Doch zu Höhen gehören auch Tiefen, und eine solche Tiefe war für Kalle Schultz ein schwerer Reitunfall mit seinem Erfolgspferd. „Ich lag komplett unter ,Madrigal‘“, berichtet er, „beim Military – es war ein Reiterfehler.“ Schultz zog sich einen schweren Beckenbruch zu, konnte nach einem langen Klinikaufenthalt aber wieder voll durchstarten. Nach „Madrigal“ hat er auch die Anlage in Böbs benannt, die er ab 1976 mit seiner Frau Ursula aufbaute. Sie ist ebenfalls eine erfolgreiche Reiterin und Züchterin, und die Kinder Silke und Jan Philipp setzen die Familientradition fort. Der Sohn leitet den Betrieb seit 14 Jahren, die Schultz’ züchten ausschließlich Holsteiner.

Kalle Schultz reitet noch mehrmals die Woche, sagt er, „die etwas älteren Pferde“, und unterrichtet weiterhin. Auf seine Fitness und seine Figur habe er dem Reitsport zuliebe immer geachtet, „ich wollte nie so groß und stark werden wie mein Vater“. Und wie viel wiegt er bei 1,80 Metern Größe? „71,5 Kilo“, kommt die prompte Antwort.

Seinen 80. Geburtstag feiert Kalle Schultz am morgigen Montag auswärts, „im kleineren Kreis“. Er hat viel erreicht in seinem Leben – fehlt vielleicht noch etwas, hegt er einen unerfüllten Wunsch?

„Nein“, meint er. „Meine Gesundheit würde ich gern noch länger behalten, dann ist alles in Ordnung.“

Sabine Latzel

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