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Ein Ort der Ruhe und der Kultur

Malente Ein Ort der Ruhe und der Kultur

Der „Tag des Friedhofes“ war Anlass, auf dem Malenter Friedhof eine Sammlung erhaltenswerter Grabsteine zu eröffnen.

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Direkt am neuen Lapidarium steht die Bank, die der Seniorenbeirat gestiftet hat: Elvira Moltzen, Dieter Claßen und Elke Malchau (vorne v. l.) sowie Arnold Schult, Horst Malchau und Wilfried Lühr (hinten v. l.).

Quelle: Fotos: Jabs

Malente. Zwei Steine bilden den Anfang des Lapidariums — wie der Fachbegriff für eine Sammlung von Steinwerken lautet — auf dem Malenter Friedhof in der Rosenstraße. Weshalb sie nicht nur aufbewahrt, sondern auch gezeigt werden sollen, dafür fand Pastor Torsten Becker in seiner Begrüßung zum „Tag des Friedhofes“ am Sonntag eine Antwort, die dazu auffordert, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen: „Besondere Grabsteine kann man nicht einfach so verschwinden lassen. Was das Besondere ist, werden wir im Laufe der Jahre herausfinden.“

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Mit Fäustel und Beizeisen versuchte sich Besucherin Dr. Jorun Sannemann an der Arbeit eines Steinmetzes.

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Die Geschichten hinter den Namen auf den Steinen dokumentierten auch ein Stück Ortsgeschichte, sagte Bürgermeister Michael Koch in seinem Grußwort. Nicht immer aber sind die Hintergründe klar. So ist der Stein der Familie Köpke wegen seiner eindrucksvollen Gestaltung in das Lapidarium aufgenommen worden. Was es über die Verstorbenen zu sagen gibt, muss den Kirchenbüchern allerdings noch entlockt werden. „Wir stehen ganz am Anfang“, sagte Pastor Becker. Mit Pastor Friedrich Meier ist der Name einer seiner Vorgänger im Amt über den Grabstein weiterhin präsent. Mit dem eher schlichten Stein verbindet sich nämlich die Erinnerung an die „Immenhof“-Kino-Ära: In „Hochzeit auf dem Immenhof“ nahm Pastor Meier die Film-Trauung vor.

Normalerweise werden Grabsteine, wenn die Grabstätte aufgegeben wird, geschreddert und weiter verwertet. Ein Beispiel dafür, dass ein Stein als Zeitdokument und mahnender Denkanstoß erhalten bleiben soll, ist der Grabstein von Julius Dorpmüller. Der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn (1926-1945) und Reichsverkehrsminister (1937-1945) starb 1945 in Malente. Bis 1991 war das Grab von der Bundesbahn gepflegt worden, anschließend hat dies ein Privatmann übernommen. Mit entsprechender Beschilderung zum historischen Hintergrund gehöre auch ein solcher Stein in ein Lapidarium, sagte Pastor Becker.

Ebenso wie ein Stein mit einer Elchschaufel als Erinnerung an die vielen ostpreußischen Flüchtlingsfamilien, die der Krieg nach Malente brachte. Die allgegenwärtige Geschichte auf dem Friedhof war während einer Führung zu erleben. Soldatengräber, nicht weit davon letzte Ruhestätten für Letten, Polen und Sowjetbürger, das Holzkreuz des Bischofs Wilhelm Kiekbusch und rätselhaft schöne Relikte unbekannter Herkunft wie eine Engelsskulptur, um die herum ein Urnenfeld gruppiert ist, zogen die Besucher in ihren Bann. Sich Zeit zu nehmen und länger zu verweilen, zu entdecken, nachzuspüren und die unterschiedlichen Dimensionen der Bedeutung des Friedhofes zu erfassen, „den Ort ganz anders wahrzunehmen“, wie Pastor Becker sagte, auch dazu soll das Lapidarium eine Einladung sein.

Für einen längeren Aufenthalt brauchen viele Menschen allerdings eine Gelegenheit, auszuruhen und sich zu setzen. Bänke gibt es nur wenige auf dem Friedhof. Seit Sonntag ist es eine mehr: Der Seniorenbeirat der Gemeinde Malente, der der Einladung zur Einweihung des Lapidariums vollzählig gefolgt war, übergab eine Holzbank als Spende an den Friedhof.

1872 eröffnet
Der Friedhof in der Rosenstraße im ehemaligen Malenter Ortskern besteht seit 1872. Die Kapelle wurde 1899 errichtet und befindet sich nahezu im Originalzustand. 1951 wurde es notwendig, mit dem Waldfriedhof zusätzlichen Platz für Bestattungen zu schaffen.


2012 wurde der Betrieb dort teilweise eingestellt, weil viele Flächen nicht genutzt werden. Auch auf dem Friedhof in der Rosenstraße gibt es etwa ein Drittel Freiflächen. Das schlägt sich auf die finanzielle Situation des Friedhofes nieder, der sich als selbstständiges wirtschaftliches Unternehmen tragen muss und nicht aus Kirchensteuermitteln bezuschusst werden darf.


Viermal im Jahr finden ehrenamtliche Arbeitseinsätze statt. Ansonsten kümmern sich Friedhofsverwalter Hans-Joachim Storm und zwei Mitarbeiter um die Pflege des Geländes.

Astrid Jabs

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