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Ostholstein Ein Ort des Erinnerns: Neue Gedenkstätte für Seebestattungen
Lokales Ostholstein Ein Ort des Erinnerns: Neue Gedenkstätte für Seebestattungen
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20:23 01.07.2017
Die Koordinaten 54° 02, 3’ Nord und 10° 54, 9’ Ost markieren den Platz für die Urnen in der Lübecker Bucht. Sie wurden ebenfalls in den Stein eingraviert.
Niendorf/O

Strandhafer auf dem Friedhof scheint weniger ungewöhnlich, wenn dieser nicht nur zu einem Ostseebad gehört, sondern einen speziellen Platz des Gedenkens bietet. In Niendorf wurde jetzt ein maritim gestaltetes Areal geschaffen, das Trauernden, die ihre Angehörigen auf See bestatteten, eine solche Stätte sein kann. „Menschen brauchen – entgegen ihren Erwartungen – doch einen Ort, zu dem sie gehen können. Etwas, das bleibt“, sagt Niendorfs Pastor Johannes Höpfner. Der Theologe begleitet häufig Trauergemeinden auf See. Ihm war daher bei der Wahl des Psalms, der den rot-schwarzen, mit einer aufgehenden Sonne geschmückten, Granit ziert, der seelsorgerische Aspekt wichtig: „Es ist diese besondere Botschaft, die Geborgenheit gibt. Dass selbst am von dieser Welt denkbar entferntesten Ort Gott seine Hand über mich hält.“ Deshalb, und wegen des Bezugs zum Meer („davon gibt es in der Bibel gar nicht so viele“), sei seine Wahl auf den 139. Psalm aus dem Alten Testament gefallen (siehe Zitat).

Auf dem Niendorfer Friedhof haben Angehörige jetzt einen speziellen Platz.

Kontakt

Der Niendorfer Friedhof liegt an der Hävener Allee in Richtung Warnsdorf. Fragen zur neuen Gedenkstätte oder zum Friedhof selbst beantworten Mitarbeiter des Kirchenbüros unter Telefon 045

03/2675.

Die Friedhofsverwaltung Strand ist montags, mittwochs und donnerstags von 8 bis 12 Uhr unter der Telefonnummer 04503/700613 zu erreichen.

Häufig würden Angehörige oder Freunde an den Todestagen kommen und fragen „wo soll ich hin, wo kann ich eine Blume ablegen?“, sagt Friedhofsmitarbeiter Klaus- Dieter Pfeffer. Anderen sei wichtig, dass „noch irgendwo ein Name steht“. Und so entwickelte sich aus den Nachfragen und der Aufgabe des Kirchengemeinderats, stets über neue Einnahmequellen für den Friedhof nachdenken zu müssen, die Idee der Gedenkstätte für Seebestattungen. „Es gibt keinerlei Unterstützung, der Friedhof muss sich selbst tragen“, sagt Ingo Muuß, Vorsitzender des Kirchengemeinderats. Wie anderswo gebe es auch beim Niendorfer Friedhof immer weniger Erd- und Urnenbestattungen. Manchen seien Grabstätten und Pflege zu teuer; andere wollten ihre Angehörigen nicht damit belasten, sich verpflichtet zu fühlen, sich um die Gräber kümmern zu müssen, sagen Muuß und Pfeffer.

Rund um den Gedenkstein wurden zwei Tonnen Strandkies ausgebracht und mit Strandhafer bepflanzt. Dazu eineinhalb Tonnen Steine, die das Areal einfassen. Die Steine habe Landwirt Carsten Kühl aus Neuhof für den Platz zur Verfügung gestellt. Mit dem zweifarbigen Stein und der Gravur für den polierten Granit wurden insgesamt mehr als 12000 Euro in die Neu-Gestaltung investiert. Dort können nun Steintafeln niedergelegt werden, auf denen die Namen der Verstorbenen eingemeißelt werden. Für den Zeitraum von zehn Jahren werde es pro Namensplatte etwa 400 Euro kosten. Eine Verlängerung sei möglich, sagt Muuß.

In die Europäische Route der Friedhofskultur, bei der man 67 Friedhöfe in 54 Städten und 20 europäischen Ländern besichtigen kann (www.cemeteriesroute.eu), ist der Niendorfer Friedhof zwar (noch) nicht aufgenommen worden, ein berührender Ort des Innehaltens aber ist er allemal.

Martina Janke-Hansen

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