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Ostholstein Ein Zimmer für die Gilde-Schätze
Lokales Ostholstein Ein Zimmer für die Gilde-Schätze
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21:21 27.04.2018
Dieter Schönke und Heiko Godow sitzen im Achtmannzimmer, vor sich die hölzerne Ballotage-Wahlurne. Quelle: Fotos: Benthien
Eutin

Mit „historisches Mobiliar“ ist das sogenannte Achtmannzimmer gemeint: ein großer Eichentisch und sieben Stühle mit hoher, reich geschnitzter Rückenlehne und mit Rosshaar gepolsterten Sitzflächen.

Als ob es Vorsehung gewesen wäre: Einige Jahre, ehe das Eutiner Voßhaus abbrannte, haben die Schützenbrüder dort eingelagertes historisches Mobiliar in ihr Schützenhaus gebracht. Von dort zog es auf den Speicher einer Tischlerei, ehe es im Schloss ein dauerhaftes Zuhause fand.

Gefertigt wurde das Ensemble um 1830. Wann der achte Stuhl verschwunden ist, darauf gibt es keinen Hinweis. Der siebte galt auch schon als verschollen, bis Gilde-Major Dieter Schönke das in viele Einzelteile zerbrochene Exemplar auf einem Dachboden aufstöberte und restaurieren ließ.

Rund ein Jahrzehnt stand das Achtmannzimmer zusammen mit anderen kostbaren Besitzstücken der Gilde in einem kleinen Raum im Erdgeschoss des Schlosses. In dieser Woche haben Dieter Schönke und der WortführendeVorsteher, Heiko Godow, im zweiten Obergeschoss neue größere Räumlichkeiten eingerichtet.

Silberne Schätze hinter Panzerglas

Ausgestellt sind in einer Panzervitrine auch der Königsschmuck, der Willkomm-Pokal und der silberne Tafelaufsatz von 1880. Stolz ist der Major auf eine Gilderolle aus dem Jahr 1729 und das Gildebuch der Eutiner Schlossgilde, gegründet am 20. August 1729. „Dass es diese überhaupt gab, hat der Eutiner Ehrenbürger und Heimatforscher Ernst-Günther Prühs bei Recherchen herausgefunden“, erzählt Dieter Schönke. „Nachdem die drei Ehrenschüsse auf dem Vogelberg abgefeuert worden waren, hat der Hochadel nämlich sein eigenes Schützenfest gefeiert. Da haben sie es ordentlich krachen lassen“, ist Heiko Godows Fazit nach Studium der alten Unterlagen.

Zu sehen sind im Schloss ebenfalls viele historische Fotos, natürlich die Porträts der Schützenkönige, aber auch zwei Vorderlader, ein Degen, Zweispitze, von Majestäten gestiftete Leuchter.

Gleichfalls ausgestellt: eine Zinnkanne und ein großer Zinnteller, auf dem stets nach dem Königsschuss unter der Vogelstange Gläser mit Rotwein kredenzt werden. Schießlisten, Protokolle, die alte Gildefahne, Fahnenbänder vom Drei-Länder-Schießen ergänzen die Schau.

Zwar hat der Herzog von Oldenburg, Protektor der Eutiner Schützengilde, in Aussicht gestellt, dass im Achtmannzimmer auch getagt werden werden dürfe. Doch mangels Sitzgelegenheiten angesichts der nur sieben Stühle wird die Achtmannversammlung doch eher im Schützenhaus abgehalten werden. Ihr gehören außer den Achtmännern die Vorsteher, der Major, der vom Offizierskorps gewählte Offizier, Schriftführer, Schatzmeister und der jeweilige Schützenkönig an. Ohne Stimmrecht, dennoch zur Teilnahme verpflichtet sind die anderen aktiven Offiziere.

Die Achtmannversammlung befindet auch darüber, wer als neuer Schützenbruder aufgenommen wird. Die Abstimmung erfolgt durch Ballotage (Kugelung, vom französischen ballotte: kleine Kugel ). „Ein uraltes Abstimmungssystem, das so praktiziert wurde, weil die meisten Menschen in früheren Jahrhunderten nicht lesen konnten“, erklärt Heiko Godow. Bei der Eutiner Schützengilde entscheiden zwölf Personen mit Hilfe von kleinen Holzkugeln über den Bewerber. Jeder bekommt eine weiße und eine schwarze Kugel ausgehändigt. Eine weiße Kugel, die im Holzkästchen versenkt wird, steht für Ja, eine schwarze für Nein. In einem ersten Durchgang geht es um die Aufnahme. Danach wird ausgezählt. Im zweiten Durchgang legt jeder seine übriggebliebene Kugel heimlich zurück, sodass niemand erfährt, wer wie gestimmt hat.

Besichtigung ist möglich

Die Achtmänner der Gilde 2018 sind: Torsten Nagel, Jan Schläfke, Uwe Paap, Thomas Ausborn, Jörg Rogge, Christoph Müller, Wolfgang Nittritz und Jörn Petersen.

Das Achtmannzimmer im zweiten Obergeschoss des Schlosses ist nicht in Führungen eingebunden. Es kann aber auf Anfrage besichtigt werden. Kontakt unter Tel. 04521/ 70 95 0 oder E-Mail:

info@schloss-eutin.de.

Ulrike Benthien

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