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Ostholstein Ein hammerharter Job: Als die Steine noch aus der See kamen
Lokales Ostholstein Ein hammerharter Job: Als die Steine noch aus der See kamen
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00:00 21.10.2012
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Ostholstein

Heiligenhafen – Wenn dieser Hammer erzählen könnte . . . Einen schwergewichtigen Zeitzeugen hat jetzt Volker Gast aus Kembs dem Heimatmuseum Heiligenhafen vermacht. Der etwa zwölf Kilogramm schwere Vorschlaghammer, für zarte Frauenhände wie die von Museumsleiterin Petra Mischke viel zu grob, stammt noch aus der Blütezeit eines inzwischen ausgestorbenen Gewerbes, das in den Häfen Ostholsteins bis Ende der 1960er-Jahre betrieben wurde – die Steinschlägerei. Hand in Hand damit ging die Steinfischerei: Bevor sich die Hauer an die Arbeit machen konnten – meistens direkt auf der Kaimauer – mussten die Findlinge freilich erst herangeschafft werden. Diese Arbeit verrichteten die Steinfischer. „Ein harter, meist schweigsamer Menschenschlag, der seine Berufsgeheimnisse weitgehend mit ins Grab genommen hat“, wie sich Peter Johannsen (64) aus Heiligenhafen erinnert. Sowohl sein Vater Hans als auch dessen Vater Adolf Johannsen waren Steinfischer. Im Heimatmuseum befindet sich noch heute ein Modell des Steinfischerschiffes „Steinbutt“, das sein Vater Hans Johannsen, verstorben 1993, gebaut hat.Auch Volker Gast (65), der als gelernter Schmied und Bauschlosser den gespendeten Hammer wie seinen Augapfel bei sich zu Hause gehütet hat, erinnert sich: „Als kleiner Junge zog es mich mit meinen Freunden oftmals in den Hafen, wo man schon von fern das typische Klopfen der Steinschläger hören konnte.“ Namen wie Bernhard und Wilhelm Schmidt, Herbert Kock, Karl-Heinz Rath oder Karl Fritzinger sind den älteren Heiligenhafenern heute noch ein Begriff. Sie waren Steinschläger, und manche Mauer aus Natursteinen im Stadtgebiet trägt noch heute ihre Handschrift, unter anderem die des Krankenhauses, wie sich Heimatfreund Ernst-August Rohde erinnert.Die Hämmer der Steinschläger wogen bis zu 18 Kilogramm und waren aus besonders hart geschmiedetem Eisen. Typisch: Der Stiel war mittels eines eingeklemmten Lederstücks im Loch des Hammers befestigt, auf diese Weise sollte sich die Erschütterung nicht so stark auf die Gelenke des Steinhauers übertragen. Betrachtet man alte Fotos, so schienen damals Sicherheitsvorschriften ansonsten noch keine Rolle gespielt zu haben: Ohne Kopfbedeckung oder gar Schutzhelm, ohne Handschuhe, Schutzbrille oder Sicherheitsschuhe übten die Hauer ihren Beruf aus.„Manchmal hatte man den Eindruck, sie könnten einen Stein mit ihren Blicken zerkleinern“, berichtet Volker Gast. Denn bevor sie ein paar gezielte Schläge ansetzten, studierten die Männer zunächst eingehend den „Wuchs“ des Steines mit seinen Adern und Schichtungen. Nachdem ein paar Metallkeile an ausgesuchten Stellen hineingetrieben worden waren, wurde erstmal ein Pfeifchen geraucht. Dann genügte meistens ein einziger wuchtiger Schlag, und der riesige Brocken zerfiel in zahlreiche Einzelteile. Als „Spielkram“ bezeichneten die rauen Gesellen die Wünsche mancher Kunden – in der Regel Baubetriebe – nach rechteckigen Quadern, mit denen etwa Straßen gepflastert oder Häuser gebaut werden sollten, erinnert sich Volker Gast.Das Fischen der Steine aus der Ostsee war ebenfalls harte Arbeit: Ein Taucher wurde vom Schiff aus ins Wasser gelassen und musste auf dem Grund geeignete Steine suchen. Dann legte er die „Zange“ darum und per Seilwinde wurde der Stein nach oben gehievt.

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