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Ostholstein Ein neuer Anblick, aber das Kopftuch wird akzeptiert
Lokales Ostholstein Ein neuer Anblick, aber das Kopftuch wird akzeptiert
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21:13 24.08.2017
Zurzeit arbeitet Haia Al Salakh in der Abteilung Zentrale Dienste. Personalchefin Karin Leider schaut immer mal vorbei. Quelle: Fotos: Benthien

Seit dem 1. August arbeitet Haia Al Salakh bei der Stadt Eutin. Die junge, in Syrien geborene Frau wird zur Verwaltungsfachangestellten ausgebildet. Ihrem Glauben folgend trägt die 23-Jährige Kopftuch. „Ich werde das beibehalten. Das haben auch alle hier verstanden“, sagt sie.

Haia Al Salakh aus Syrien ist Auszubildende bei der Stadt Eutin.

Im Eutiner Rathaus gibt es auch in den vorhergehenden Jahrgängen junge Frauen mit Migrationshintergrund. „Wir haben Auszubildende mit türkischen und albanischen Wurzeln, die aber in Deutschland geboren sind und kein Kopftuch tragen“, sagt Personal-Fachdienstleiterin Karin Leider. „Beim Einstellungsgespräch haben wir Haia gefragt, ob das Kopftuch bleiben wird, und sie hat ,Ja’ gesagt. Sie ist eine wache, intelligente, sympathische, junge Frau, und das Kopftuch gehört zu ihr“, betont die Vorgesetzte. Auch Stadtsprecherin Kerstin Stein-Schmidt versichert: „Das Kopftuch ist hier kein Thema. Es gibt im Rathaus eine große Akzeptanz.“

Haia Al Salakh stammt aus dem syrischen Dara, rund 100 Kilometer südlich von Damaskus gelegen. Von dort kommt auch ihr Mann Alaa Abooun. Auf unterschiedlichen Wegen verließen sie vor knapp vier Jahren ihre Heimat, trafen sich in Ägypten, wo sie heirateten. Sie flüchteten weiter per Boot und landeten in Europa. Im September 2013 traf das Paar in der Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Neumünster ein, von wo aus es nach Eutin geschickt wurde. Im April 2014 kam Sohn Dani zur Welt.

Seinetwegen ist Haia Al Salakh froh, ihre Ausbildung in Teilzeit absolvieren zu können. Seit 2010 bietet die Stadt Nachwuchskräften diese Alternative, und sie hat damit gute Erfahrungen gemacht.

„Anfangs war es etwas schleppend. Da habe ich in Bewerbungen darauf geachtet, wenn junge Frauen mit Kindern sich bei uns gemeldet haben und sie darauf hingewiesen, dass wir die Teilzeitausbildung ermöglichen. Das hat sich inzwischen herumgesprochen, und wir bekommen mittlerweile auch allein dahingehende Bewerbungen“, sagt Karin Leider.

Statt 39 Wochenstunden (Ausbildung in Vollzeit) haben Haia Al Salakh und ihre Kollegin Julia Helm (42, ebenfalls Mutter und Teilzeitauszubildende) 25 zu leisten. Die zwei Berufsschulblöcke in Eutin im ersten Ausbildungsjahr und die mehrwöchigen Schulungen in der Verwaltungsakademie in Bordesholm durchlaufen sie genauso wie die Vollzeit-Auszubildenden. „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist uns sehr wichtig“, betont Karin Leider. Das wissen offensichtlich viele junge Frauen mit späterem Kinderwunsch zu schätzen, denn von ihnen stammt die Vielzahl der bei der Stadt eingehenden Bewerbungen. „Wir freuen uns, dass wir in diesem Jahr auch drei junge Männer einstellen konnten“, sagt die Personalchefin.

Haia Al Salakh hat sich im Frühjahr 2016 schriftlich bei der Stadt um einen Platz bemüht und wenig später eine Online-Bewerbung mit Test hinterhergeschoben. „Wir haben uns gefragt, ob sie die Ausbildung sprachlich schaffen wird, und wir haben es ihr zugetraut“, schildert Karin Leider ihre Eindrücke von damals. Im Kreis der letzten 16 Bewerber des Auswahlverfahrens überzeugte Haia Al Salakh ebenfalls. Ganz am Ende stand ein Gespräch mit den Bürgermeistern von Eutin und Malente, Carsten Behnk und Tanja Rönck. Da sei sie mächtig nervös gewesen, gesteht die 23-Jährige. „Das hat sie aber charmant gelöst und einfach gesagt: Ich bin jetzt sehr aufgeregt“, so Karin Leider.

In Syrien hätte Haia Al Salakh Wirtschaft studieren wollen. Mit ihrer jetzigen Berufswahl ist sie aber glücklich. „Ich habe jeden Tag mehr das Gefühl, dass es so richtig ist. Ich komme sehr gerne zur Arbeit“, sagt sie. Ihr Mann Alaa sei stolz auf sie, dass sie bei der Stadt lerne. Der 29-Jährige arbeitet derzeit als Unterstützungslehrkraft an der Berufsschule Oldenburg. Bei der Betreuung von Dani hilft er genauso wie ihre Familie, die ebenfalls in Eutin lebt.

Zwei Wochen lang sind „die Neuen“ durch alle Abteilungen im Rathaus geschleust worden. „Das war sehr viel auf einmal“, sagt Haia Al Salakh. „Aber ich liebe diesen Satz der Kollegen: Das kommt alles nach und nach.“

Fünf Neue am Start

Fünf Frauen und Männer haben am 1. August ihre Ausbildung bei der Stadt Eutin, die eine Kooperation mit der Gemeinde Malente pflegt, begonnen. Verwaltungsfachangestellte werden Kevin Lau (16) und Jonas Strunge (16) sowie Julia Helm (42) und Haia Al Salakh (23). Tim Remshardt (18) hat ein duales Studium aufgenommen.

140 Mitarbeiter sind insgesamt bei der Stadt Eutin beschäftigt. Die Gemeinde Malente hat circa 100 Mitarbeiter.

Ulrike Benthien

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