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„Ein paar Tage auch mal für mich“

Großenbrode „Ein paar Tage auch mal für mich“

Urlaub mit demenzkrankem Partner in Großenbrode – Erholung von einem für beide Seiten anstrengenden Alltag.

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Tagesbetreuung im Landhaus am Fehmarnsund: Während Helmut Mückley „eben noch seine Akten sortiert“ – was er am Tage eigentlich oft tut – braucht Betreuerin Oda Findorff-Otto bei der Kontaktaufnahme mit einem Patienten schon viel Geduld. Fotos (2): Gemoll

Großenbrode. Wie schwer das tägliche Miteinander zu Hause mit einem demenzkranken Partner ist, das wird von den meisten Betroffenen nicht oder nicht gern in die Öffentlichkeit gebracht. So geht es auch den beiden Ehefrauen, die einen speziell auf diese Krankheit zugeschnittenen Urlaub im „Landhaus am Fehmarnsund“ in Großenbrode machen. Hier und im sauerländischen Winterberg bietet die Arbeiterwohlfahrt Westliches Westfalen (AW) Atempausen vom Alltag an. Tage, an denen die Erkrankten tagsüber betreut werden und die pflegenden Angehörigen Gelegenheit geben, einmal nur an sich selbst zu denken.

LN-Bild

Urlaub mit demenzkrankem Partner in Großenbrode – Erholung von einem für beide Seiten anstrengenden Alltag.

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Entlastung im Urlaub

Weitere Infos über das spezielle Urlaubs-Entlastungs-Angebot für Menschen mit Demenz und ihre pflegenden Angehörigen bekommen Betroffene auch im „Landhaus am Fehmarnsund“ in Großenbrode (vor Ort in der Strandstraße 1 oder telefonisch unter 04367/99 700) oder im Internet unter der Adresse www.aw-kur.de.

Renate und Otto Majer aus Köln und Gisela und Helmut Mückley aus Bremen genießen Großenbrode. Zum sechsten Male machen sie gerade gemeinsam ein paar Tage Urlaub, waren zusammen auch schon in Winterberg. Bei beiden Paaren sind die Ehemänner erkrankt, bei dem ehemaligen Maschinenschlossermeister Otto Majer (75) wurde Demenz nach langen Jahren mit depressiven Phasen vor rund 15 Jahren diagnostiziert. Fast gleich lang schon dauert der Verlauf der Krankheit bei Helmut Mückley (85), der als Gerüstbauer ebenfalls körperlich schwer arbeitete.

„Zwei Jahre brauchte ich, um überhaupt zu realisieren, dass mein Mann dement ist“, schildert die 72-jährige Renate Majer den schleichenden Prozess, der sich bei jedem Patienten anders einstellt. Man vermisste bald den Freundeskreis: „Freunde kamen einfach nicht mehr. Und wenn, drehte sich immer alles nur um Krankheiten. Keiner fragte mich mal: ,Wie geht es d i r eigentlich?’“, beschreibt Gisela Mückley solche Treffen.

Beide nahmen in Selbsthilfegruppen schon bald offensiv Hilfe an. Oft wäre das aber in ähnlichen Fällen ganz anders, sagen sie über das schlechte Gewissen, das man hatte, als man erste abendliche, dreistündige Betreuungen durch Dienste annahm. „Aber“, so empfehlen beide anderen Betroffenen: „Ohne Hilfe von außen wird man es über eine lange Zeitspanne nicht schaffen.“

Schwer traf die Krankheit Demenz die Familie von Gisela Mückley (79). „Ich habe mit meinem Mann nach meinen Eltern und auch Schwiegereltern nun den fünften Demenzfall, den ich häuslich pflege“, beschreibt die agile Bremerin ihr Schicksal. Anders als Renate Majer nimmt sie auch psychologische Hilfe in Anspruch: „Nach nächtelangem Wachen wegen der nicht endenden Ruhelosigkeit des Partners denkt man schon mal an Schlimmes.“ Medikamente lehnen beide für ihre Ehepartner rigoros ab. Lediglich eine Tablette am Abend hilft Otto Majer beim Einschlafen.

Für Gisela Mückley kommt eine Medikamentengabe wegen des großen Bewegungsdranges ihres Mannes nicht in Frage: „Der ist ja immer in Bewegung. Da ist mir das Risiko eines Sturzes unter den Auswirkungen der Arzneien einfach zu groß.“ Beide Familien leben noch in ihren Eigenheimen, nehmen mittlerweile aber an drei bis vier Wochentagen professionelle Tagespflege in Anspruch.

Das Haus der Arbeiterwohlfahrt in Großenbrode bietet ebenfalls diese Tagespflege – aber über den gesamten Urlaubszeitraum: Von 8.30 bis 12 Uhr und von 14.30 Uhr bis 18 Uhr. Nur die Mahlzeiten und den Abend verbringen die Ehepartner gemeinsam. Zeit genug also für die beiden rüstigen Seniorinnen, endlich selber einmal zu entspannen. „Während des letzten Urlaubes hier bin ich fast 300 Kilometer Fahrrad gefahren. Ich hab hier alles erkundet. Schade, dass ich es in diesem Jahr am Knie habe“, bedauert Mückley.

Die beiden Damen wollen aber trotzdem Heiligenhafen und Fehmarn erkunden und Strand, Wind sowie das Eis vom Italiener genießen. Und vor allem: „Gespräche suchen – mein Mann spricht ja nicht mehr“, beklagt Mückley. Umso mehr gelte: Jeder Tag hier zählt.

Karlheinz Gemoll

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