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Ostholstein Ein saftarmes Jahr steht bevor
Lokales Ostholstein Ein saftarmes Jahr steht bevor
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09:10 10.11.2017
„In den Vorjahren haben wir bis zu zwölf Stunden, sieben Tage die Woche Saft produziert.“Stefan Domke

„Die Kunden versuchen ihre kleinen Bestände zu uns zu bringen, da sie es sehr schätzen, den Saft aus ihren eigenen Äpfeln zurückzubekommen“, sagt Stefan Domke. Manche kämen aber auch gar nicht, ergänzt der Obstbauer. Hatte er 2016 noch rund 175000 Kilo Lohnmost verarbeitet, seien es bisher nur 40000 Kilo. 60 bis 70 Prozent aus einem Kilo wird zu Saft, so würde nun deutlich weniger in in die Fünf-Liter-Folienbeutel abgefüllt.

Nur etwa 25 Prozent der Menge an Äpfeln im Gegensatz zum Vorjahr verarbeitet die Lohnmosterei auf dem Obsthof Lafrentz in dieser Saison zu Direktsaft. Von den Obstbäumen aus dem Garten oder den Streuobstwiesen der Region kommt wenig in Altgalendorf an.

„Das wird jetzt auch für uns eher ein saftloses Jahr“, bestätigt Jörg Wehrend aus Oldenburg, der sich mit um die Streuobstwiese beim Wallmuseum kümmert. Wehrend: „Wir hatten eine sehr schlechte Apfelernte. Bei Pflaume, Birne und Quitte war die Ernte ganz gut, doch bei den über 60 Apfelsorten hatten wir null Ertrag – das wird ein vitaminarmer Winter.“ Sonst habe man ein paar Kisten voll gehabt und beim Obsthof Lafrentz Saft pressen lassen, der dann auch zum Selbstkostenpreis an die Kitas verteilt wurde. Kleine Bestände habe man noch aus dem recht guten Erträgen des Vorjahres. „Wir sind halt abhängig von der Natur“, betont Jörg Wehrend.

„Manche Apfelbäume haben gar nicht getragen“, erzählt Eckhard Schulte-Kersmecke vom Museumshof Lensahn. Die Ernte sei um 75 Prozent schlechter ausgefallen als im Vorjahr. „Das ist schon extrem“, so der Museumsleiter. Und das, was geerntet worden sei, sei auch kein „schönes Obst“ gewesen. In der Regel habe der Museumshof die Äpfel ein paar Wochen lang auf dem Gelände verkauft. „Diesmal haben wir gar keine angeboten und aus dem, was da war, ein bisschen Saft gemacht.“

Auf dem Apfelfest im Oktober habe man die schönsten Sorten nur gezeigt. Selbst die Mosterei, die sonst mit ihrer teuren Presse zu der Veranstaltung anreiste, sei gar nicht erst gekommen, erzählt Eckhard Schulte-Kersmecke. „Das hat sich wirtschaftlich nicht rentiert. 2018 wird es hoffentlich wieder anders aussehen.“ Die Obstbauern seien dieses Jahr nicht zu beneiden, sagt Jörg Wehrend, und Eckhard Schulte-Kersmecke ergänzt: „Auch für die Lohnmostereien ist es sicher eine Katastrophe, wenn man kein Geld verdienen kann.“

„Für uns ist es nur ein Zweitgeschäft“, erzählt Stefan Domke, der 2006 die Saftpresse angeschafft und langsam mit dem Lohnmosten angefangen hat. Doch es gebe sichtlich weniger zu tun. „In den Vorjahren haben wir bis zu zwölf Stunden, sieben Tage die Woche Saft produziert. Diesmal sammeln wir die Fremdware, um an zwei normalen Arbeitstagen die Aufträge abzuarbeiten.“ Es sei eine entspannte Saison, doch eigentlich wolle man ja den Stress haben, stellt Domke heraus. So bliebe Zeit für andere Aufgaben. „Unsere Mannschaft beschäftigt sich dann halt mit Baumschnitt statt mit Apfelpressen.“

 Von Markus Billhardt

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