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Ostholstein Eine Aufgabe für den „So-da-Turm“
Lokales Ostholstein Eine Aufgabe für den „So-da-Turm“
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21:13 28.06.2017

Manche Dinge dauern in Scharbeutz etwas länger. Genau 15 Jahre nach der Einweihung des Bürgerhauses hat jetzt auch dessen sechsgeschossiger Turm eine Funktion. Er wird Mauerseglern und Fledermäusen ein Zuhause bieten. Bundesweite Berühmtheit erlangte der Turm durch einen Eintrag in das vom Bund der Steuerzahler herausgegebene „Schwarzbuch 2002“. Kritisiert werden sollte damit die Verschwendung von 150000 Euro an Steuergeldern. Schnell machte die wenig schmeichelhafte Bezeichnung „So-da-Turm“ die Runde, stand er doch einfach nur „so da“.

Nistkästen am Bürgerhaus in Scharbeutz bieten Mauerseglern und Fledermäusen eine neue Heimat.

Seit Monaten schon ist das Bürgerhaus eingerüstet, da noch immer Baumängel behoben werden müssen. Angesichts der Leitern und Verstrebungen verstärkte sich bei Bianca Pöhls, im gemeindlichen Bauamt für Umweltfragen zuständig, der Wunsch, Nistkästen anbringen zu lassen. Sie nahm Kontakt zu Ostholsteins Fledermaus-Experten Axel Kramer vom Naturschutzbund (Nabu) Deutschland auf. Über das Ergebnis ihrer Zusammenarbeit berichteten beide während der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses.

Sie präsentierten den Politikern die Ergebnisse, denn beraten oder gar beschlossen hatten sie vorher darüber nicht. „Es ist ja das Schöne, dass alles so läuft – eine ganz tolle Geschichte“, sagte Bianca Pöhls begeistert. Die Vertreter aller Fraktionen begrüßten die umfangreiche Nistkästen-Aktion. Aufgehängt wurden insgesamt sechs Mauersegler- und vier Fledermauskästen, konkret eine Wochenstube sowie zwei Sommerquartiere und eins für den Winter. Kramer selbst hat alle Kästen gebaut.

Er beglückwünschte die Scharbeutzer zu dem Entschluss, die ungenutzten Flächen des Bürgerhauses der Natur zur Verfügung zu stellen. Damit werde aktiver Umweltschutz betrieben. Recht bald, so kündigte Kramer an, werden Vertreter vom Nabu und von der Stiftung Naturschutz gemeinsam eine Urkunde übergeben, die die Kommune als „Fledermausfreundliche Gemeinde“ ausweist. Bei der Gelegenheit werde dann auch eine CD mit Lock-Tönen überreicht, mit denen die Mauersegler angezogen werden sollen. „Das ist dann so, als ob jemand ,Freibier, Freibier‘ ruft“, gab Kramer Einblick in die Vogelwelt.

Da sich Fledermäuse von Insekten ernähren, werde es in Nähe der Nistkästen demnächst „mückenfreie Zonen“ geben. Sehr intensiv sei im Vorfeld darüber beraten worden, ob der Vogelkot das Gelände verschmutzen könnte, berichteten Kramer und Pöhls. Beide Kotarten seien nicht infektiös, erklärt der Nabu-Experte. Der von den Fledermäusen werde gar als hochwertiger Dünger verarbeitet. Der Fledermaus-Nachwuchs sei etwa daumengroß und sechs Gramm schwer. Der Kot der Weibchen, die allein für die Jungaufzucht in der Wochenstube zuständig sind, falle in den darunterliegenden Kies und verschwinde spätestens beim nächsten Regen.

Die Mauersegler, berichtete Nabu-Experte Kramer, nehmen ihren Kot aus der Behausung mit auf den Flug.Vielleicht, so deutete er an, könnten in einigen Kästen kleine Kameras installiert werden.

Wie anderswo auch könnten dann Kindergarten-Kinder, Schulklassen und andere Interessierte die Aufzucht der Jungtieren genau verfolgen.

Ein Kreis, in dem sich Fledermäuse wohlfühlen

Im Februar 2010 wurde Ostholstein als erster Kreis in Deutschland von der Stiftung Naturschutz und dem Naturschutzbund als fledermausfreundlich ausgezeichnet. Gewürdigt wurden damit die mehr als 670 Fledermausquartiere an öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Rathäusern und Feuerwehren sowie an zahlreichen Privathäusern. Deren Zahl ist gewachsen.

Ausgezeichnet sind mittlerweile auch Neustadt als fledermausfreundliche Stadt, Ratekau als fledermausfreundliche Gemeinde und das Ameos-Klinikum in Neustadt als fledermausfreundliche Institution.

Erste fledermausfreundliche Gemeinde Deutschlands überhaupt war Dahme. Kein Wunder: Dort lebt auch der Fledermausexperte Axel Kramer.

cd

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