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Ostholstein Eine Büste und die Pönitzer Pinkelpause
Lokales Ostholstein Eine Büste und die Pönitzer Pinkelpause
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23:19 26.05.2018
Eine alte Postkarte, die im Heimatmuseum ausgestellt wird, zeigt die Kaiser-Büste in ihren ersten Jahren.
Ahrensbök

Die damalige Verehrung für den Monarchen hat bis heute Auswirkungen. Im Zusammenhang mit der Büste steht Ahrensbök bei Wikipedia ganz oben. In dem Online-Lexikon gibt es eine Liste der Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmäler. Die sind Legion, an die 1000 wurden zwischen 1867 und 1918 errichtet. Wikipedia unterscheidet zwischen Reiterstandbildern, Standbildern, Sitzbildern (davon gibt es nur vier), Büsten, Gedenksteinen und weiteren Kaiser-Erinnerungen wie Türmen oder Bäumen. Bei den Büsten steht Ahrensbök an erster Stelle. Das hat natürlich mit dem Alphabet zu tun. An zweiter und dritter Stelle stehen Baden-Baden und Berlin. Immerhin: Das kleine Ahrensbök hat es so in der großen Wikipedia auf Platz 1 geschafft, wenn auch nur in einer Unterkategorie.

/Pönitz. Der Kaiser bringt Ahrensbök an die Spitze eines Wikipedia-Eintrags. Der Kaiser, das ist Wilhelm I.. Seine Büste steht seit 6. September 1891 in Ahrensbök. Dort war der Kaiser aber nie. Dafür legte er im nahen Pönitz eine Pause ein, angeblich eine Pinkelpause.

„Es war am 3. Juni 1887, als der zahlreich zusammen–

geströmten Bevölkerung die große Freude ward, das Antlitz des geliebten Herrschers, leider zum letzten Mal, zu schauen.“ Pönitzer Gedenktafel

Viel zu erfahren ist in dem Online-Lexikon zum Ahrensböker Wilhelm nicht. Da steht lediglich der Standort vermerkt: „am Ende der Lindenallee in der Ortsmitte“. Mehr über den Ahrensböker Wilhelm ist im Heimatmuseum des Ortes, im Bürgerhaus zu finden. Dort ist auch ein Foto von der Einweihung des Denkmals zu sehen. Es ist eines der ältesten Fotos von Ahrensbök.

Als sich Herren in Frack und Zylinder und junge Frauen in weißen Kleidern samt Fahnen und Weiheredner Pastor E. Wallroth zur feierlichen Einweihung des Denkmals versammelten, weilte der Kaiser schon nicht mehr unter den Lebenden. Nach der deutschen Staatsgründung 1871 und mit einer zunehmenden preußisch-freundlichen Stimmung gründeten Ahrensböker unter Vorsitz des Postmeisters Ott einen „Ausschuss für die Errichtung eines Erinnerungszeichens für unseren großen Kaiser Wilhelm“. Die Kosten, 1300 Mark, wurden durch Spenden aufgebracht. Die Büste fand offenbar großen Anklang. Die „Ahrensböker Nachrichten“ berichteten am 8. September 1891: „Unser Kaiserdenkmal aber steht und wird gern von allen Ahrensbökern bewahrt und behütet werden, den nach hier kommenden Fremden aber ein Zeugnis des vaterländischen Sinnes unserer Bevölkerung geben.“ All das ist im Heimatmuseum auf einer großen Tafel vermerkt.

Gesehen haben die Ahrensböker den so hoch gelobten Kaiser nie. Immerhin ist er einst ganz in der Nähe gewesen. Jan Krause, Vorsitzender des Fördervereins Heimatmuseum der Großgemeinde Ahrensbök, berichtet von einer legendären Pinkelpause. Auf einer Reise mit der Eisenbahn soll, so wird es kolportiert, der Kaiser ausgetreten sein. Dafür verließ er in Pönitz den Zug. Eine Gedenktafel im Bahnhof erinnerte daran. Heute hängt sie im Museum für Regionalgeschichte in Pönitz.

Der Vorsitzende des Pönitzer Museumsvereins, Dr. Kersten Jungk, rückt die Mär von der Pinkelpause etwas zurecht. Der Stopp im Pönitzer Bahnhof, der damals noch unter dem Namen Gleschendorf firmierte, habe vor allem dazu gedient, die Lokomotive mit neuem Wasser zu füllen.

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Ahrensbök gehört längst zum Inventar des Ortes. Kaum jemand nimmt es noch bewusst wahr. Krause hat sich bei ganz alten Ahrensböker umgehört, was die dazu wissen. Ihr Kommentar, von ihm überliefert: „Der stand da schon, als ich hierher kam.“

Die Kaiserbüste ist aus Bronze und steht auf einem Steinsockel. Von dort oben blickt der Kaiser über die Lübecker Straße. Der Künstler ist unbekannt. Auf den Bronzesockel hat er einen Satz eingraviert: „Ich habe keine Zeit müde zu sein.“ Es sollen die letzten Worte gewesen sein, die Wilhelm I. auf dem Totenbett sprach. Ein Satz, der zum geflügelten Wort wurde und für Pflichterfüllung bis zum letzten Atemzug steht.

Die Begeisterung für Wilhelm I. ebbte nach 1918 und in den späteren Jahrzehnten merklich ab. Vielleicht ist damit zu erklären, dass etliche Denkmäler im Laufe der Zeit, viele im Zweiten Weltkrieg, eingeschmolzen oder in den Jahren zuvor verschrottet wurden. Der Ahrensböker Wilhelm aber hat bis heute überlebt.

„Kaiser Wilhelm der Große“

Kaiser Wilhelm I. (22. März 1797, geboren als Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen in Berlin – 9. März 1888; ab 1897 mit Beinamen „der Große“) war ab 1858 Regent und ab 1861 König von Preußen.

1867 wurde er Präsident des Norddeutschen Bundes sowie ab 1871 der erste Deutsche Kaiser – gegen seinen Willen, denn er fürchtete, dadurch ein geringeres Ansehen für die von ihm hoch geschätzte preußische Königskrone.

Der konservative und aufgrund seiner Rolle bei der Niederschlagung der Revolution von 1848/49 vom Volk als „Kartätschenprinz“ betitelte Monarch galt, vor allem in seinen späteren Lebensjahren, als sehr populärer Herrscher, der für die klassischen Tugenden des „alten Preußen“ stand. Er starb nach kurzer Krankheit im hohen Alter – und nach fünf gescheiterten Attentaten – im Dreikaiserjahr 1888.

Susanne Peyronnet

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