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Ostholstein Eine Erfahrung für das ganze Leben
Lokales Ostholstein Eine Erfahrung für das ganze Leben
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20:29 05.08.2016
Der Pilger-Pass ist voll: Die Stempel darin erinnern die 42-Jährige an den schönsten Urlaub ihres Lebens.

Sie ist wieder da. Unversehrt, braungebrannt und glücklich. „Mir geht es blendend“, sagt Andrea Möller-Köpp, „niemals zuvor war ich so tiefenentspannt.“ 600 Kilometer lang war sie als Pilgerin auf dem berühmten Jakobsweg im Norden Spaniens unterwegs – eine Erfahrung für das ganze Leben.

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Andrea Möller-Köpp pilgerte auf dem Jakobsweg – Trotz der Strapazen schwärmt sie von dieser besonderen Reise.

Sechs Wochen konnte sich die 42-jährige Eutinerin dafür Zeit nehmen, dank des Entgegenkommens ihres Chefs Hans-Peter Klausberger, der ihre ungewöhnlichen Urlaubspläne unterstützte. Und weil sie als langjährige Verkäuferin in seinem Bäckereifachgeschäft am Markt bekannt ist wie der sprichwörtliche bunte Hund, hielt eine eigens eingerichtete Informationswand die interessierte Kundschaft stets auf dem Laufenden. Über eine WhatsApp-Gruppe informierte sie die Daheimgebliebenen – und erhielt im Gegenzug viel Zuspruch, wenn das Heimweh einsetzte oder die Stimmung aus anderen Gründen einmal auf dem Tiefpunkt war.

Doch im Vordergrund stehen jetzt die mehr als positiven Erinnerungen. Zu Beginn ihres Berichtes muss Andrea Möller-Köpp etwas beichten: „Ich bin nicht den ganzen Weg zu Fuß gelaufen. Rund 200 Kilometer musste ich leider mit dem Bus fahren, weil ich Probleme mit den Knien hatte. Da stand ich vor der Wahl: Aufgeben und nächstes Jahr wiederkommen oder mich ein Stück weit schonen. Ich bin heute froh, dass ich mich für Letzteres entschieden habe.“ Die körperliche Anstrengung sei besonders in den Pyrenäen manchmal extrem gewesen: „Wenn ich vorher gewusst hätte, auf welche Steigungen ich mich vier Tage lang einlasse – ich glaube, ich hätte noch einen Rückzieher gemacht. Doch in der Rückschau waren es wunderschöne Stunden bei freier Fernsicht und Traumwetter in grandioser Landschaft, die ich niemals vergessen werde.“

Doch die bewegendsten Erinnerungen hat sie an ihre Mitstreiter. „Ich habe Menschen aus aller Herren Länder kennengelernt, und mit vielen werde ich in Kontakt bleiben. Auch nicht einen Moment lang habe ich Angst gehabt oder mich unwohl gefühlt. Auch wenn es absolut außergewöhnlich ist, mit 48 Menschen beiderlei Geschlechts in einem Raum zu übernachten, wie ich es einmal erlebt habe.“

Sechs- bis siebenmal hat sie in einem Hotel geschlafen, um auch einmal wieder ganz für sich zu sein. Ansonsten sind die Orte entlang des Jakobswegs- nach Santiago de Compostela auf die Pilger eingestellt: Dreigängige Pilgermenüs inklusive Wasser und Wein kosten knapp zehn Euro, die Übernachtungspreise in den für Pilger reservierten Unterkünften schwanken zwischen sieben und zehn Euro.

„Nach einer so langen Reise nur mit Rucksack stehe ich jetzt vor meinem Kleiderschrank und wundere mich, wie viel ich anzuziehen habe“, berichtet die 42-Jährige. „Und zum Schminken musste ich mich nach der Rückkehr richtig zwingen. Irgendwelche Modefragen waren auf dem Pilgerpfad überhaupt kein Thema.“

Mit einer Frau aus Bremen und einem Mann aus Berlin hat Andrea Möller-Köpp vereinbart, im nächsten Jahr nach Spanien zurückzukehren und ein kürzeres Teilstück von Porto aus unter die Sohlen zu nehmen: „Das sind rund 200 Kilometer, die schafft man in einem normalen Urlaub. Wir wollen das Schöne noch einmal erleben. Das war das Beste, was ich je getan habe.“

Eckhard Meier

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