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Ostholstein Eine Erfolgsgeschichte aus Eutin
Lokales Ostholstein Eine Erfolgsgeschichte aus Eutin
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02:16 02.09.2016
Polizei-Limbo in der Turnhalle: Fiel der Medizinball, musste dieser Teil der Übung wiederholt werden.

Der Ruf der Polizeischule in Eutin leidet gerade. Erst geriet sie durch sexistische und rassistische Kommentare und die Reaktion darauf in die Schlagzeilen, jetzt sorgt der Übergriff eines Ausbilders für negative Schlagzeilen. Doch die Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung kann auch mit guten Nachrichten glänzen. Eine Erfolgsgeschichte ist das Einsatztraining, deren Trainer in Eutin ausgebildet werden. Sie geben dann ihr Wissen an die Kolleginnen und Kollegen in der gesamten Landespolizei weiter. Ziel ist es, ihnen mehr Sicherheit in den Einsätzen zu geben.

Das Einsatztraining der Polizeischule trägt Früchte – Noch keine Zahlen, aber ein Trend: Übergriffe gegen Beamte nehmen ab.

„Das zahlt sich aus“, sagte gestern Thorsten Ziehm, Leiter des Einsatzmanagements, am Rande des diesjährigen Einsatztrainercups, ein sportlicher Wettkampf der Einsatztrainer, bei dem der Spaß nicht zu kurz kommt. Detaillierte Zahlen lägen zwar noch nicht vor, aber der Trend sei klar: Übergriffe gegen die Beamten und brenzlige Situationen im Einsatz nähmen ab.

Alle Polizisten in Schleswig-Holstein müssen einmal im Jahr ein viertägiges Einsatztraining absolvieren. Dabei geht es um ihr Auftreten, um Kommunikation, Deeskalation, um Zugriffs- und Abwehrtechniken, wenn sich Situationen doch zuspitzen. Auch Szenarien wie häusliche Gewalt, das Anhalten von Fahrzeugen oder verschiedene Bedrohungslagen werden durchgespielt. Der Gebrauch der Schusswaffe gehört ebenso zum Programm.

Die Schulung übernehmen landesweit insgesamt 230 Einsatztrainer, unter ihnen 15 Frauen. Alle erhalten in Eutin ihre zwölfwöchige Ausbildung, dazu kommen jedes Jahr Fortbildungen. In dieser Woche stand auf der Hubertushöhe wieder eine an. Thema war angesichts der jüngsten Ereignisse die Abwehr terroristischer Gefahren.

Die Einsatztrainer machen den Job ehrenamtlich, es gibt weder Zulagen noch andere Vergünstigungen. „Das sind alles Leute, die total motiviert sind und Lust zu dieser Aufgabe haben“, erläuterte Ziehm. Ende der 90er Jahre begann bei der Landespolizei der Aufbau des Einsatztrainings, seit 2004 ist es fest verankert. Die Teilnahmequote liege inzwischen bei 95 Prozent. Am Anfang waren es etwa 60 Prozent, so Ziehm.

Schleswig-Holstein liege beim Einsatztraining inzwischen bundesweit ganz weit vorn. Wenn 2018 die neue Einsatztrainingshalle auf der Hubertushöhe fertiggestellt sei, werde das noch mal „eine ganz neue Qualität“ bringen, ist Ziehm überzeugt. Die Halle für 8,2 Millionen Euro soll es ermöglichen, ganz realistisch polizeiliche Alltagssituationen und Sonderlagen zu üben.

Ziehm berichtete, wie sehr auch das äußere Erscheinungsbild Einfluss auf die Gewaltbereitschaft gegen Polizeibeamte habe. Einheitliche Kleidung, die neue Außentragehülle mit der Ausrüstung, das Tragen der weißen Mütze – all das mache Polizisten nicht nur besser erkennbar, es sorge ebenso für mehr Respekt und wirke deeskalierend. „Für die Ausrüstung wurde wirklich viel Geld in die Hand genommen“, lobte der Beamte.

Zwölfkampf der besonderen Art

Die Polizisten sind ziemlich aus der Puste, trotzdem legen sie noch einen Schlussspurt hin. Die vier Beamten haben gerade einen 75 Kilo schweren Kollegen in einer Rettungstasche über und unter Hürden hindurch gehievt, ihn eine Böschung hochgeschleppt und ihn am Zielpunkt ruckzuck in die stabile Seitenlage gebracht. Gut 400 Meter lang ist der Parcours.

Und weil eine Hürde ins Wackeln kam, bekamen sie noch einen Sandsack zusätzlich aufgelegt. Kurze Pause, dann geht es weiter zur nächsten Übung.

Auf dem Gelände der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und die Bereitschaftspolizei (PD AFB) und am Kellersee wurde gestern zum neunten Mal der Einsatztrainercup ausgetragen. Im Vorjahr war er wegen des Flüchtlingszustroms ausgefallen, aber nun wurde die Tradition wieder aufgenommen. Zwölf Stationen mussten die Einsatztrainer bewältigen, deren Aufgabe es ist, ihre Kollegen in ganz Schleswig-Holstein für Einsätze fit zu machen.

Der Cup soll vor allem Spaß machen, aber auch Teamarbeit und Austausch untereinander fördern. Elf Mannschaften aus allen Polizeidirektionen im Land nahmen am Wettbewerb teil, der sich über den ganzen Tag hinzog. Übungen an zwölf Stationen galt es zu bewältigen. Neben der kräftezehrenden Bergung eines Verletzten gehörte dazu auch ein Hindernisparcours in der Turnhalle, eine Wasserrettung, eine Laufübung verpackt in eine Geiselnahme oder das Schieben und Dirigieren eines Autos mit blindem Fahrer. Dabei zählte immer die Zeit. Und damit die stimmte und Punkte zusammenkamen, mussten Arbeitsteilung und Abstimmung klappen.

Die Siegerehrung nahm am Abend Landespolizeidirektor Ralf Höhs vor. Den ersten Platz und damit den Wanderpokal holten sich die Einsatztrainer der Polizeidirektion Flensburg mit 102 Punkten. Ganz knapp dahinter mit 101 Punkten lag die zweite Mannschaft der PD AFB. Aus Eutin waren zwei Teams am Start. Auf dem dritten Platz landete der Titelverteidiger von 2014, die Polizeidirektion Kiel.

Pet Arnold Petersen

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