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Ostholstein Eine Lebensaufgabe: Geschichte spielend lehren und lernen
Lokales Ostholstein Eine Lebensaufgabe: Geschichte spielend lehren und lernen
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21:17 31.08.2013
Gekleidet als französischer Offizier, stürmt Helmut Grieser hier den Balkon seines Hauses. Er trägt eine Uniform in den Farben der Trikolore und Kanonierstiefel. Quelle: Foto: Benthien
Eutin

Geschichte ist sein Leben. Sein Haus in Benz — voll mit Büchern, Bildern, Biedermeiermöbeln und in Jahrzehnten zusammengetragenen unzähligen Schätzen mit historischem Bezug. Durch einige Zimmer könne er sich nur seitlich hindurchschlängeln, gibt Professor Helmut Grieser zu, und auch, dass dieser Umstand seiner Frau Eva-Brigitte nicht unbedingt gefalle. Aber sie nimmt seine Geschichts- und Sammelleidenschaft hin „und macht aus Liebe“ sogar bei einem weiteren Hobby Griesers mit: Das Ehepaar besucht landauf, landab Barockfeste und ähnliche Veranstaltungen, dem Anlass angemessen stets in Kostüme der jeweiligen Epoche gekleidet.

Als Zar Peter III. und seine Vertraute Elisaveta Romanova Woronzova haben sie sich schon mehrfach im Eutiner Schloss gezeigt, auf Gut Pronstorf flanierten sie als Johann Joseph Wenzel Anton Franz Karl Graf Radetzky von Radetz und Gemahlin Franziska. Auch Festen in Braunschweig, Bad Pyrmont, Hannover, Burgscheidungen haben beide mit ihren prächtigen Kostümen Glanz verliehen. Auf Schloss Weissenhaus gab Grieser einen Offizier der KuK-Monarchie, gern und häufig ist er als Friedrich der Große unterwegs, auch mal als Lessing.

„Meine Frau besitzt ein großes Abendkleid und ein barockes rotes Reitkostüm, beides haben wir eigens für sie nähen lassen“, erzählt der ehemalige Geschichtsprofessor der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Auch Echthaar-Perücken und Schnurrbärte hat sich das Ehepaar zur Vervollständigung seiner Kostümierung angeschafft. Helmut Grieser hat mehrere Uniformen, Gehröcke, dazu passende Hemden, Hosen, Stiefel im Schrank. Insgesamt verfüge er über einen Fundus von rund 50 Kostümen, schätzt er. Viele davon verleiht er an seine ehemaligen Studenten, die immer noch gemeinsam mit ihm und seiner Frau bei Festen am Hofe auftreten.

Denn 1996/97 hatte Grieser die Idee, die jährlichen Seminarfeste der Uni mal etwas anders zu gestalten, und forderte seine Studenten auf, sich zu verkleiden. Gefeiert wurde damals im Plöner Prinzenhaus. Eine Studentin aus Ludwigslust machte ihren Professor auf das dortige Schloss aufmerksam, rasch wurden Kontakte zum Förderverein Schloss Ludwigslust aufgenommen und die Idee zum „Ludwigsluster Barockfest“ geboren. Als Herzog lebte Helmut Grieser zu diesem jährlichen Anlass mit seinem „Hofstaat“, den Kieler Studentinnen und Studenten, barockes und höfisches Treiben vor. Die Stadtvertretung ehrte ihn dafür 2004.

Grieser hat Freude am Verkleiden und staunt selbst, wie sehr ihn ein angeklebter Schnurrbart oder eine Perücke verändern. Aber in ihm brennt ein anderer Gedanke: „Ich möchte für Geschichte begeistern! Schlüpft man in ein anderes Gewand, versteht man die Welt. Man fühlt sich in den anderen und seine Denkweise hinein. Das schafft Verständigung und baut Vorurteile ab“, ist seine Überzeugung.

„Geschichte spielend lernen“, zitiert er den Buchtitel eines Plöner Lehrers namens Friedrich Jahn. „Das ist der Gedanke. Man muss Quellen suchen und Geschichte anschaulich machen.“ Bei seinen Auftritten ergäben sich immer wieder anregende Gespräche mit Besuchern. So wird es sicher auch bei Vielerley Feierey in Eutin sein. Helmut Grieser wird zu diesem Anlass — eingedenk der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813, als die Truppen Österreichs, Preußens, Russlands und Schwedens denen Napoleons die entscheidende Niederlage zufügten — die Uniform eines französischen Offiziers tragen.

Wilde Männer, edle Damen bei „Vielerley Feierey“
Es soll noch größer, vielfältiger und schöner werden als in den Jahren zuvor: Zum fünften Mal präsentiert „Vielerley Feierey“ am kommenden Wochenende Geschichte und Geschichten rund um das Eutiner Schloss. Die Zeitreise, auf die Per Köster von der Eutin GmbH und Kai Ulrich Kaufmann, verantwortlich für Konzept und Entwicklung, Eutiner und Besucher von auswärts mitnehmen wollen, wird von der frühen slawischen Besiedlung bis in die barocke Neuzeit reichen.

Mit Lederwaren, Tongeschirr, Holzspielzeug, Gewändern und Schmuck werden sich Händler auf dem Mittelalter-Markt ausbreiten, dort werde buntes, manchmal derbes Treiben herrschen, warnen die Veranstalter. Im Schlosspark wollen Slawen ihr Lager aufschlagen, Wikinger werden in der Nähe einen Handelsposten errichten. Ein fast sieben Meter langes Wikingerboot wird auf der Schlosswiese „festmachen“. Wie das Leben vom Hochmittelalter bis in die Renaissance aussah, sollen Ritter und Landsknechte demonstrieren.

Das preußische Regiment „von Hülsen“ erhält in diesem Jahr Unterstützung von Grenadieren der „Royal Écossois“, Soldaten eines schottischen Regiments in französischen Diensten. Feierlich wird es im Hochzeitslager zugehen: Schottische Edelleute geben sich hier das Ja-Wort. Die Trauzeremonie soll am Sonnabend um 12.30 Uhr vor dem Wasserfall beginnen.

Vergnügen können sich die Besucher des zweitägigen Spektakels auch bei 18 übergroßen Holzgartenspielen aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert. Musikalische Akzente werden unter anderem die aus England stammende Band „The Dolmen“ (Sonnabend, etwa 21 Uhr) und die aus Tschechien stammende Formation „Braagas“ (Sonnabend, circa 19 Uhr, Sonntag gegen 12.15 Uhr) setzen. Nähere Informationen und Zeitangaben unter www.vielerley-feierey.de. ben

Das Eutiner Schloss steht im Mittelpunkt von „Vielerley Feierey“. Gefeiert wird am Sonnabend, 7. September, von 11 bis 23 Uhr und Sonntag, 8. September, von 11 bis 18 Uhr.

Bühnen befinden sich zwischen Kreisbibliothek und Ostholstein-Museum, auf dem Schlossparkplatz und den Südterrassen des Schlosses. Der Marktzins beträgt zwei Euro, Kinder unter Schwertmaß haben freien Zugang.

Ulrike Benthien

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