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Ostholstein Eine Million für Flüchtlingsunterkünfte
Lokales Ostholstein Eine Million für Flüchtlingsunterkünfte
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21:10 16.10.2015
Geht alles nach Plan, werden bald zwischen 55 und 100 Flüchtlinge ins Haus Almandin am Godenbergsredder einziehen. Quelle: Peyronnet
Malente

Die Zeiten, in denen Kommunen ihr Tafelsilber verscherbelten, um ihren Haushalt zu retten, sind offenbar vorbei. Zumindest dann, wenn es sich beim Tafelsilber um Immobilien handelt. Jetzt treten Gemeinden als Käufer auf — so wie Malente. Die Gemeindevertretung behandelte im nichtöffentlichen Teil ihrer Sitzung am Donnerstag den Tagesordnungspunkt „Erwerb einer Immobilie“ und wird in nächster Zeit etwa eine Million Euro in die Flüchtlingsunterbringung investieren müssen.

Nach LN-Informationen beschloss die Gemeindevertretung den Kauf des ehemaligen Kneipp- Sanatoriums „Haus Almandin“ im Godenbergsredder. Die Kommunalpolitiker entschieden unter Ausschluss der Öffentlichkeit, das Anwesen für 500000 Euro zu erwerben. Dort sollen nach unterschiedlichen Angaben zwischen 55 und 100 Flüchtlinge wohnen. Zu Beginn der Sitzung hatte Bürgermeister Michael Koch (CDU) mitgeteilt, dass in Malente derzeit 92 Asylbewerber leben, zum größten Teil alleinstehende Männer. Ursprünglich hätte die Gemeinde 40 Flüchtlinge aufnehmen sollen, so Koch, doch diese Zahl sei inzwischen auf 100 gestiegen und er gehe davon aus, dass sie sich bis zum Jahresende noch einmal verdoppeln werde. Wie die LN erfuhren, wird deshalb bereits über den Kauf einer zweiten Immobilie verhandelt. In dem Betrag von einer Millionen Euro für die Flüchtlingsunterbringung sind aber auch Kosten für Neubauten enthalten.

Noch hätten alle Flüchtlinge dezentral untergebracht werden können, sagte Koch. 80 ehrenamtliche Helfer gäben ihnen Orientierung und auch menschliche Wärme, „bis an die Grenze der eigenen Belastbarkeit“, berichtete der Bürgermeister. Ähnliches gelte für die Mitarbeiter im Rathaus. Der Hauptausschuss habe nun kurzfristig vier weitere Stellen für die Flüchtlingsbetreuung genehmigt.

Wohnraum können aber auch die nicht einfach so heranschaffen, und so hat sich die Gemeinde entschlossen, als Immobilienkäufer aufzutreten. Bei der Vorlage eines zweiten Nachtrags zum Verwaltungshaushalt hatte der Finanzausschussvorsitzende Wilfred Knop (FDP) gesagt: „Wir kommen nicht umhin, Investitionen zur Unterbringung der uns zugewiesenen Flüchtlinge vorzunehmen. Die Gemeinde steht daher in Verhandlungen mit Eigentümern von größeren Wohneinheiten, die diese aus gemeindlicher Sicht günstig an uns verkaufen wollen.“ Die Kreditanstalt für Wiederaufbau biete über ein Kreditprogramm dafür Geld an.

Hatte Malente in der Vergangenheit nur Grundstücke verkauft, so veräußerte die Gemeinde Bosau auch Wohngebäude, um ihren Haushalt auszugleichen. Einige davon hätten sich für die Unterbringung von Flüchtlingen geeignet. „Aber das konnte niemand vorhersagen, dass es so kommen würde“, sagte Bürgermeister Mario Schmidt (parteilos). Außerdem hätten die Häuser dann lange leer gestanden. Das Amt Großer Plöner See, zu dem Bosau gehört, findet noch genug Unterkünfte, aber es wird immer schwieriger. Über 30 Ehrenamtler kümmern sich um die jetzt 70 Flüchtlinge in Bosau. Von ihnen, hofft Schmidt, findet sich vielleicht einer, der eine neue Vollzeitstelle für die Flüchtlingsbetreuung ausfüllen könnte. Deshalb wird er alle Helfer anschreiben, ihnen danken und sie einladen, sich zu bewerben.

„Wir kommen nicht umhin, für die Flüchtlinge zu investieren.“
Wilfred Knop, FDP

Susanne Peyronnet

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