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Ostholstein Eine Weltlage „schlimmer als je zuvor“
Lokales Ostholstein Eine Weltlage „schlimmer als je zuvor“
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20:10 26.03.2016
Etwa 50 Teilnehmer hatte der wiederbelebte Ostermarsch, hier auf dem Weg zur Rettberg-Kaserne.
Eutin

Wolfgang Schiller vom Friedenskreis Eutin war hocherfreut und etwas betrübt zugleich. Die Resonanz auf den ersten Ostermarsch in Eutin seit 33 Jahren sei „viel besser als gedacht und erhofft“ ausgefallen, fasste Schiller seine Eindrücke vom Sonnabendvormittag zusammen. Der Stand am Markt, wo das Gespräch gesucht, gesungen und kurze Vorträge gehalten wurden, habe viel Aufmerksamkeit gefunden. Beim anschließenden Zug zur Rettberg-Kaserne beteiligten sich rund 50 Aktivisten. „Damit habe ich persönlich nicht gerechnet“, bilanzierte Schiller, meinte dann aber auch: „Wir müssen noch viel mehr werden.“

Friedenskreis Eutin belebt den Ostermarsch wieder - Rund 50 Aktivisten zogen zur Rettberg-Kaserne.

„Wir sehen immer die Verbrechen bei Anderen, unsere eigenen nicht.“Wolfgang Schiller zur Moral des Westens

Folgt man Schiller und seinen Mitstreitern — unterstützt wurde die gestrige Aktion von Amnesty International und dem Arbeitskreis 27. Januar — dann haben wir inzwischen eine Weltlage „schlimmer und scheinbar aussichtsloser als je zuvor“. So steht es in dem Brief, den die Ostermarschierer in 120 Exemplaren am Tor der Rettberg-Kaserne für die Soldaten des Aufklärungsbataillons 6 abgaben. Ab April werden verstärkt Soldaten aus Eutin nach Mali verlegt, wo sie als Teil der UN-Mission Minusma den Kampf gegen islamistische Rebellen unterstützen sollen. Insgesamt gehen 120 Soldaten aus Eutin nach Mali.

Für die Brief-Aktion mussten sich die Friedensmarschierer beim Auftritt am Markt auch vereinzelte Kritik anhören, wie Schiller berichtete. Tenor: Die Soldaten täten nur ihre Pflicht, dafür sollte man sie nicht mit Protest überziehen. „Wir wollen ins Gespräch kommen und nachdenklich machen“, halten die Friedensaktivisten dagegen. Tatsächlich werden in ihrem Schreiben nicht die Soldaten attackiert, sondern die Politik. Die stelle „seit langem militärisches Eingreifen als etwas ganz Normales hin, um Konflikte zu lösen.“ Dabei habe die Waffentechnik mit Atomwaffen und ferngesteuerten Drohnen ein Maß erreicht, dass die Welt zerstören könne. „Den vielfältigen Nöten der Menschen abzuhelfen, braucht es andere Instrumente und Wege, viel Geld — und Frieden“, heißt es in dem Brief. Er endet mit dem Wunsch an die Soldaten, „das Sie in Ihrem Einsatz keine Menschen töten und dass Sie gesund wiederkommen.“

Pastor Lutz Tamchina überreichte den Briefpacken am Kasernentor an Hauptmann Sandra Pfetzing-Huber. Die Presseoffizierin war extra aus dem Urlaub gekommen. Die Briefe sollen nun in der Kaserne ausgelegt und auch anderen Dienststellen zur Kenntnis gegeben werden. Ein großflächiges Plakat am Kasernenzaun mit dem Slogan „Wir kämpfen auch dafür, dass Du gegen uns sein kannst“ befinde sich dort im Rahmen der Werbeoffensive der Bundeswehr schon seit Monaten. Es sei nicht extra zum Empfang der Friedensmarschierer aufgehängt worden, erläuterte die Frau Hauptmann. Eingeläutet wurde die Kundgebung auf dem Markt vom Glockenschlag der Michaeliskirche um 11 Uhr. Danach griff Paul Meins auf dem Turm zur Trompete und schickte die Kirchturm-Melodie aus Krakau und Beethovens „Ode an die Freude“ über den Platz. pet

LN

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