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Ostholstein Eine bezahlte Kraft für die Gedenkstätte
Lokales Ostholstein Eine bezahlte Kraft für die Gedenkstätte
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22:00 15.01.2018
Im Gebäude der Gedenkstätte Ahrensbök befand sich 1933 eines der ersten Konzentrationslager. 1934 wurde es wieder aufgelöst. Quelle: Foto: Düvell-Veen
Ahrensbök

Es diskutierten Fachleute der Erinnerungskultur, Vertreter des Landes, des Kreises und der Gemeinde Ahrensbök, aber auch der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinischer Gedenkstätten (BGSH) und der Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Schleswig-Holstein. Dr. Oliver Grundei, Staatssekretär im Kieler Kulturministerium, sagte, es sei nur folgerichtig, für die Leitung der Gedenkstätte eine halbe Stelle einzurichten. Er machte aber auch deutlich, dass eine Förderung durch die Bürgergemeinschaft Schleswig-Holstein davon abhänge, ob Kreis und Gemeinde sich finanziell engagieren. Das Land könne den Anschub leisten, die BGSH habe lediglich Projektmittel zur Verfügung.

So, wie es ist, kann es nicht weitergehen. Das ist klar nach der Regionalkonferenz zur Gedenkstätte Ahrensbök. Deshalb besteht kein Zweifel daran, dass die Einrichtung eine hauptamtlichen Kraft braucht. Die Chancen dafür stehen gut. Gedacht ist an eine halbe Stelle.

Gert Haack, Referatsleiter Gedenkstätten in der Kulturabteilung des Ministeriums, präzisierte: „Die Bürgerstiftung verteilt das Geld des Landes auf Antrag, der Antrag liegt vor.“ Prof. Gerhard Fouquet, der Vorsitzende der BGSH, kündigte an: „Das Ministerium wird vorangehen, wir werden folgen. Wir brauchen für jede Gedenkstätte eine halbe Stelle – mindestens.“ Die Vorsitzende des Gedenkstättenvereins, Dr. Ingaburgh Klatt, begründete den Wunsch nach hauptamtlicher Unterstützung damit, dass die Gedenkstätte noch besser pädagogisch arbeiten will.

Warum Gedenkstätten hauptamtliche Hilfe brauchen, erläuterten Fouquet und Dr. Thomas Lutz vom Gedenkstättenreferat der Stiftung Topographie des Terrors in Berlin. „Das Ehrenamt in den Gedenkstätten kann die Arbeit aus Altersgründen nicht mehr leisten.“ Deshalb müsse die Förderpolitik umgestellt werden. Es gelte, die Arbeit der Gedenkstätte als außerschulischer Lernort auch in Zukunft zu gewährleisten. Der Trägerverein engagiere sich besonders in der Vermittlungsarbeit. Auf einen anderen Aspekt wies Lutz noch hin. Die Archive der Ehrenamtler, die vor 20 Jahren damit begonnen hätten, sich zu engagieren, müssten gesichert und bewahrt werden. Die Frage lautet: „Wie bekommen wir das, was wir haben, an die immer weiter differenzierten Besuchergruppen?“

Etwa 300 Gedenkstätten und Gedenkstätteninitiativen gibt es laut Lutz in Deutschland. „Der Terror fand nicht fernab statt, sondern hat etwas mit uns zu tun“, sagte Lutz zum Wert dieser Gedenkstätten.

Ähnlich formulierte es die Grünen-Landtagsabgeordnete Marlies Fritzen in der anschließenden Podiumsdiskussion. Geschichte finde nicht nur in den großen Städten statt, sondern auch in der Nachbarschaft. Klatt ergänzte: „Wichtig finde ich, dass wir im regionalen Bereich arbeiten, dass junge Menschen begreifen, dass der Nationalsozialismus bis in den kleinsten Ort hineinreichte.“

Kreistagsmitglied Harald Werner (CDU) will den Wunsch nach finanzieller Unterstützung mitnehmen, zumal der Kreis sich bereits jetzt beteilige. „Wir werden das noch mal ausführlich besprechen, wie wir das machen können.“ Klatt wurde konkret: „Wenn der Kreis 1000 Euro gäbe, würde die Bürgerstiftung 16000 Euro geben.“ Die Landtagsabgeordnete Sandra Redmann (SPD) hat noch eine andere Idee: „Ich wünsche mir ein Freiwilliges Politisches Jahr. Vielleicht können wir so etwas für die Zukunft schaffen, um es in neue Modelle mit einzubauen.“

Die Gedenkstätte Ahrensbök wurde am 8. Mai 2001 in dem einzigen in Schleswig-Holstein erhaltenen Gebäude eröffnet, in dem 1933 ein frühes KZ bestand. In fünf Dauerausstellungen wird die Geschichte des Nationalsozialismus in der Region dargestellt. Die Gedenkstätte Ahrensbök ist eine von 13 NS-Gedenkstätten in Schleswig-Holstein. Sie liegt an der B 432, Höhe Flachsröste.Zu ihnen gehört in Ostholstein auch das Museum Cap Arcona in Neustadt.

Alle Gedenkstätten sind auf der Seite www.gedenkstaetten-sh.de der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten aufgelistet. Weitere Infos und Öffnungszeiten zu

Ahrensbök stehen im Internet unter

www.gedenkstaetteahrensboek.de

 Von Susanne Peyronnet

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