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Einsatz gegen die Front der Skeptiker

Eutin/Siblin Einsatz gegen die Front der Skeptiker

40 Jahre „Christoph 12“ – die Flugrettung wurde trotz vielfältiger Bedenken in Ostholstein etabliert. Und heute ist man sehr stolz drauf.

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Anflug auf eine Unfallstelle auf der A 1 kurz vor Ratekau: Im Rückreiseverkehr gab es auch in früheren Jahrzehnten regelmäßig Verkehrsprobleme.

Eutin/Siblin. Anfang der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts: Der VW-Käfer beherrschte das Straßenbild, kaum jemand fuhr angeschnallt, entsprechend schrecklich fielen die jährlichen Unfallstatistiken der Polizei aus. Wenn der Rettungswagen kam, konnte nur allzu häufig von Rettung keine Rede sein. Die heute so wichtigen „präklinischen Gesichtspunkte“ waren kaum ein Thema: Verletzte oder akut Erkrankte wurden ohne größere Vorbehandlung in der Regel sofort eingeladen und so schnell wie möglich ins nächste Krankenhaus gefahren; allzu oft mit fatalen Folgen.

LN-Bild

40 Jahre „Christoph 12“ – Flugrettung wurde trotz vielfältiger Bedenken in Ostholstein etabliert.

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Dann setzte das große Umdenken ein. Die Notrufe wurden verbessert und zentral gesteuert, die Rettungswagen mit Funk ausgestattet, und beim Kreis Ostholstein gab es einen Vorläufer der späteren Rettungsleitstelle. Da passte es den Verantwortlichen sehr gut, dass plötzlich ein geradezu revolutionäres System von sich reden machte – die Luftrettung.

Bernd Regorz hat alles von Anfang an miterlebt. Als Leiter des „Fachdienstes für Sicherheit und Ordnung“ beim Kreis liefen bei ihm bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2008 die Fäden zusammen, nachdem sein früherer Chef Helmut Grünewald in den Ruhestand gegangen war. „Irgendwann teilte der Bund dem Land mit: Ihr kriegt einen Hubschrauber! Der Städtetag und der Landkreistag sollten entscheiden, wohin damit. Es wurde ordentlich gerangelt, und dann hieß es, Ostholstein solle Standort werden.“

Der heute 72-Jährige sagt lächelnd: „Für uns war das damals alles ein bisschen große Welt!“ Regorz lobt die politischen Gremien des Kreises: „Die Verantwortlichen haben das sehr positiv begleitet, und vom damaligen Landrat Dr. Wolfgang Clausen erging die Weisung, das Thema Rettungshubschrauber mit Vorrang zu behandeln. Für das Kreiskrankenhaus in Eutin bedeutete die Zuweisung eine große Steigerung im überregionalen Ansehen.“

Doch es gab diverse Vorbehalte auszuräumen. Regorz erinnert: „Viele Institutionen bis hinauf zur Polizei meldeten Bedenken an. Wer soll das bezahlen? Was passiert bei Fehlalarmierungen? Gibt es dann Regressforderungen oder gar ein Disziplinarverfahren? Und überhaupt: Kaum jemand konnte sich vorstellen, dass ein Hubschrauber einfach so am Einsatzort landen könnte.“

Letzterer Einwand sorgte – Originalton Regorz – für eine „Riesenshow“ auf dem Innenhof der Eutiner Kreisverwaltung. Der Staffelführer der BGS-Piloten aus Bad Bramstedt, die das fliegerische Personal für „Christoph 12“ stellen sollten, hörte von den Bedenken. Hauptkommissar Philipsen war als Macher bekannt, und so landete er am 17. Oktober 1974 einfach mal mit seiner Bo 105 auf dem Parkplatz zwischen Polizeistation und Kreishaus. Danach verstummten die Skeptiker. „Wir sind dann noch wochenlang quer durchs Land gefahren und haben für die Anforderung des Hubschraubers geworben“, so Regorz. „So nach und nach waren dann die Zuständigkeitsrangeleien und andere Animositäten kein Thema mehr.“

Doch intensive Aufklärung über das neue Rettungsmittel war auch noch Jahre später notwendig. So geschah es einmal irgendwo in der Feldmark bei Oldenburg, dass ein offenbar pazifistischer Landwirt den Hubschrauber mitsamt Besatzung per Schrotflinte vom Acker jagen wollte – er dulde keine Manöver auf seinem Besitz. Des Rätsels Lösung: „Christoph 12“ war nicht wie gewohnt in grell-oranger Lackierung unterwegs, sondern im damals für den Bundesgrenzschutz üblichen dunkelgrün: Es handelte sich um eine Ersatzmaschine, während das Original zur Wartung musste. Auch heute kommt es noch vor, dass die Luftretter ausnahmsweise einmal im Bundespolizei-Farbton in tiefblau unterwegs sind.

Zurück zu Bernd Regorz. Er war es, der Anfang der 2000er Jahre für den Verbleib von „Christoph 12“ in Ostholstein kämpfte, als die Krankenkassen nur noch zwei Standorte im Lande zulassen wollten und ein Umzug ins segebergische Weede zur Diskussion stand. Schließlich wurde mit dem Umzug nach Siblin ein Kompromiss gefunden, der die kostenbewussten Krankenkassen zufriedenstellte und gleichzeitig die Probleme mit dem schwer anzufliegenden Heimatlandeplatz an der Eutiner Elisabethstraße beendete. Seit 2007 startet der Hubschrauber nun aus der Gemeinde Ahrensbök.

In Eutin herrscht seitdem Ruhe – zur Freude der Anwohner. Regorz spricht diesen ein großes Lob aus: „Es war bestimmt nicht immer angenehm, direkt neben der knatternden Bell zu wohnen.

Aber es hat in den Jahren 1976 bis 2007 keine nennenswerten Beschwerden gegeben. Wenn es welche gab, dann von Leuten, die viel weiter weg wohnten.“

Der dritte Serien-Teil erscheint am Tag der großen Jubiläums-Aktionen – Freitag, 10. Juni

Eckhard Meier

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