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Einsatz in einer anderen Welt

Eutin Einsatz in einer anderen Welt

Mitte Juni fliegen die letzten Eutiner Soldaten zum UN-Einsatz nach Mali, dann werden es etwa 120 Aufklärer sein. Hauptmann Moritz Unkel ist schon da gewesen – und war beeindruckt.

Moritz Unkel (l.) mit einem Kameraden im Camp Castor in Mali.

Quelle: Bundeswehr

Eutin. Anfang der Woche ging Moritz Unkel in Lübeck am Holstentor vorbei. Es regnete ein wenig, er hatte ein tolles Lied im Ohr, er roch das Grün um ihn herum. Er holte sein Smartphone aus der Tasche und machte ein Foto von sich, von dem Moment. Es ging ihm gut. „Ich war glücklich“, sagt er.

LN-Bild

Mitte Juni fliegen die letzten Eutiner Soldaten zum UN-Einsatz nach Mali, dann werden es etwa 120 Aufklärer sein. Hauptmann Moritz Unkel ist schon da gewesen – und war beeindruckt.

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Moritz Unkel ist eigentlich Hauptmann Moritz Unkel, 31 Jahre alt, Soldat der Eutiner Rettberg-Kaserne, Angehöriger des Aufklärungbataillons 6. Und er war in diesem Frühjahr sehr weit weg.

Er war mit einem Kameraden im Rahmen der UN-Mission „Minusma“ für gut drei Monate in Mali, einem Staat in Westafrika, etwa dreimal so groß wie die Bundesrepublik und mindestens dreimal so anders.

Eigentlich ist in Mali fast alles anders als in Deutschland. Es ist unruhig und arm, es gibt Terror und bewaffnete Kämpfe. Es gibt Krieg. Und Hauptmann Unkel hat in diesen Abgrund hinabgeschaut.

Es sind derzeit ein paar Dutzend Eutiner Aufklärer unten in der fremden Welt. Am 18. Juni reisen die nächsten, dann werden es insgesamt etwa 120 Soldaten sein, darunter zwei Frauen. Unkel und sein Kamerad waren eine Art Vorauskommando. Sie haben sich im Camp Castro in Gao im Südosten des Landes die Lage angesehen und die Ankunft der Eutiner vorbereitet, seit Mitte Mai sind sie zurück. Und wenn er erzählt, sind das Geschichten, die deutsche Selbstverständlichkeiten ins Wanken bringen.

Es ist heiß in Mali, manchmal bis zu 60 Grad. „Wie ein Fön, der einem auf höchster Stufe vors Gesicht gehalten wird“, sagt er. Einmal dachte er, die Hitze würde die Wimpern verbrennen. Und es gibt giftiges Getier dort, Malaria-Mücken (siehe unten), und es ist staubig in dieser Halbwüste, über alles legt sich ein rotbrauner Schleier.

Und es ist natürlich gefährlich. Es gibt Sprengfallen und Attentate, den Terror von El Kaida im Magreb, die Verteilungskämpfe organisierter Banden. Man muss vorsichtig sein, man muss versuchen, den Zufall so klein wie möglich zu halten. Aber es geht nicht immer gut. In Unkels Zeit dort unten fuhr eine französische Einheit in eine Sprengfalle. Sie hatte eigentlich alles richtig gemacht, aber dann erwischte es sie doch. Am Ende waren vier Soldaten tot.

Gao liegt etwa 1200 Kilometer östlich der Hauptstadt Bamako, ein Ort und eine Region im Nirgendwo. Es gibt dort ein französisches Militärcamp, ein UN-Supercamp, eines unter chinesischer Führung und eines, in dem Deutsche und Niederländer arbeiten. Die Eutiner kümmern sich um die Aufklärung. Sie sammeln Informationen über verdächtige Gruppen und verdächtige Bewegungen.

Sie tun das mit Spähtrupps und Feldnachrichtenkräften, mit Spähwagen und „Luna“, einer Drohne, die aus ein paar Kilometern Höhe Videos, Infrarotfilme und Standbilder in Echtzeit liefern kann. Die Daten gehen zur weiteren Auswertung ins Hauptquartier nach Bamako, und dann wird entschieden, ob man reagiert oder nicht.

Nein, sagt Unkel, so schnell ziehe es ihn nicht wieder nach Mali. Die UN-Strukturen seien schon sehr starr. Was nicht in einem Papier stehe, das finde nur schwer in die Wirklichkeit. Die internationale Zusammenarbeit aber, die Kontakte mit den Soldaten aus Estland, Belgien, den Niederlanden, die sei großartig gewesen. „Mit den Kameraden würde ich in jeden Einsatz gehen“, sagt er. Und wichtig sei auch der Kontakt nach Hause. Sie konnten zwar kostenlos telefonieren, aber viel wertvoller seien Briefe. Oder ein Päckchen wie zu seinem Geburtstag, den er in Mali gefeiert hat.

Jan-Dirk Weihmann kann das bestätigen. Er ist Militärpfarrer, seit 2008 für die Eutiner Soldaten zuständig und seit einem Jahr auch hier stationiert. Er war vier Monate in Afghanistan im Einsatz und hat dort erlebt, wie wichtig solche persönlichen Dinge sind. Das, was Unkel „ein bisschen Heimat“ auf Papier oder im Karton nennt.

Weihmann hat die Soldaten auch mit vorbereitet auf den Auslandseinsatz. Insgesamt dauert die Ausbildung mehrere Monate und deckt ein breites Sektrum ab, sein Bereich ist das Psycho-Soziale. Es ist wichtig, dass man mit Situationen dort psychisch und seelisch umgehen kann. Mit der Lage der Kinder zum Beispiel, die die Patronenhülsen der Soldaten aufsammeln, um sie für ein bisschen Geld als Altmetall zu verkaufen. Die neugierig sind und lernen wollen, denen aber oft die Möglichkeit fehlt. Denen einer von Unkels Kameraden das Alphabet aufgeschrieben hat, damit sie es zu Hause üben können. Hat der Einsatz Sinn? Das lasse sich wohl erst hinterher sagen, meint der Hauptmann. „Aber es wird sehr positiv aufgenommen, dass Militär in der Region ist.“

Die Soldaten sind freiwillig in Mali. Wer nicht will, der muss auch nicht runter. Es gibt zwar einen Auslandszuschlag, 94 Euro netto am Tag, was für manche eine Verdoppelung des Solds bedeuten kann.

Aber Geld ist nicht alles, sagt Unkel. „Es ist nie angemessen für das, was man dort unten riskiert.“

Gefährliche Tiere

Drei giftige Arten von Skorpionen gebe es in Afrika, sagt Hauptmann Moritz Unkel. Und alle drei kämen beim Camp Castor in Mali vor. Manchmal passten die Tiere auf ein 20-Cent-Stück, manchmal seien sie um einiges größer. Auch Kamelspinnen kann man dort begegnen. Die sind zwar nicht giftig, ihre Bisse können aber sehr weh tun und zu Infektionen führen. Unter den Schlangen ist die Puffotter die bedrohlichste. Sie misst zwar nur etwa einen Meter, kann aber oberarmdick werden und hat furchtbare Giftzähne. Auch beim Sirren von Mücken ist Vorsicht geboten. Sie können Malaria übertragen, weswegen eine tägliche Malaria-Tablette für die Soldaten dazugehört.

 Peter Intelmann

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