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Ostholstein Einzelhandel kämpft gegen immer mehr Langfinger
Lokales Ostholstein Einzelhandel kämpft gegen immer mehr Langfinger
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21:45 12.08.2015
Eine Weinflasche verschwindet in Sekundenschnelle unter der Jacke. Quelle: Fotos: Fotolia, Jhw, Ln-Archiv
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Neustadt

Alkohol, Kosmetik, Kleidung oder Lebensmittel — so ziemlich jeder Artikel in Ostholsteins Geschäften ist für Langfinger von Interesse. Wie groß die Gefahr ist bestohlen zu werden, verdeutlicht eine Statistik der Polizei. Demnach stieg die Zahl der Diebstähle in den ersten sechs Monaten sprunghaft an — verglichen mit dem Vorjahr um 9,1 Prozent.

Der Einzelhandel weiß um die Problematik, setzt auf stärkere Überwachung und fürchtet insbesondere kriminelle und hochprofessionelle Banden.

Der wirtschaftliche Verlust, der durch Diebstähle entsteht, ist enorm. Jürgen Mohr, Geschäftsführer des Neustädter Eska-Kaufhauses und Vorsitzender des Gewerbevereins, schätzt den Schaden allein im Textilbereich auf 1,5 bis zwei Prozent des Umsatzes.

Dies hält auch Heinz Meyer, Vorsitzender der Aktiv-Gruppe Handel und Gewerbe (AGHG) in Timmendorfer Strand, für realistisch. Er betont, dass nicht der klassische Ladendieb das Hauptproblem sei, sondern Banden. „Meist sind es ein Mann und zwei Frauen. Sie alle sind vernünftig gekleidet und der Mann trägt eine Jacke oder Weste in Übergröße“, so Meyer. Im Geschäft würden die Frauen vortäuschen, Kleidung anzuprobieren und diese dabei geschickt vor die Kameras halten. Währenddessen schnappe sich der Mann blitzschnell die Ware. „Die Jacke ist mit Alufolie präpariert. Der Alarm am Ausgang reagiert dann nicht“, erläutert Heinz Meyer weiter. Ähnliches sei auch mit speziell umgebauten Kinderwagen machbar.

Laut Polizeisprecher Ulli Fritz Gerlach werde insbesondere in Städten und Orten „mit hohem Besucheraufkommen“ gestohlen. Da verwundert es nicht, dass Heiligenhafen mit 45 Taten an der Spitze liegt.

Dahinter folgen Eutin (41), Neustadt (30), Oldenburg (25), Timmendorfer Strand (23) und Fehmarn (20). Zu beachten sei, dass sich die Zahlen auf den Zuständigkeitsbereich der Reviere und nicht auf den einzelnen Ort beziehen.

Um die Anzahl der Ladendiebstähle zu reduzieren, empfiehlt Gerlach die elektronische Sicherung der ausgelegten Artikel sowie eine Videoüberwachung im Geschäft. Diese sei hilfreich, wenn es um die Beweissicherung und die notwendige Personenbeschreibung gehe. Sollte die Anzahl der Taten plötzlich ansteigen, empfehle sich auch ein zeitweiser Einsatz von Ladendetektiven. Jürgen Mohr setzt zudem auf die abschreckende Wirkung seiner Angestellten. „Das beste Mittel gegen Ladendiebstahl sind aufmerksame Mitarbeiter. Wo Mitarbeiter stehen, da ist das Risiko nicht so hoch“, betont er. Zudem würden Hausverbote ausgesprochen, wenn jemand erwischt werde. „Wir erkennen die Personen wieder. Entscheidend ist aber, wenn wir sie ein zweites Mal schnappen: dann ist es Hausfriedensbruch. Das ist ein ganz anderes Kaliber“, betont er.

Die Strafen, die auf Ladendiebstahl stehen, sind durchaus auch drastisch. Laut Strafgesetzbuch kann Diebstahl mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden. Aber es sind auch Geldstrafen möglich. Die Realität sieht oftmals anders aus.

„Das Strafmaß hängt von der jeweiligen Tat sowie von möglichen Vorstrafen des Beschuldigten ab“, so Dr. Marcel Welzel, Direktor des Oldenburger Amtsgerichtes. Es ist jedoch auch möglich, dass der Diebstahl geringwertiger Sachen eingestellt wird. Häufig würden Geldstrafen; in Wiederholungsfällen auch Freiheitsstrafen (zum Teil zur Bewährung) ausgesprochen.

Registrierte Taten
276 Ladendiebstähle wurden in den ersten sechs Monaten im Kreis Ostholstein registriert.
12 Taten fallen in die Kategorie Ladendiebstahl unter erschwerenden Umständen. Das bedeutet, dass zum Beispiel Banden aktiv waren, eine Waffe eingesetzt, oder aber der geklaute Gegenstand aus einem speziell gesicherten Bereich entwendet wurde — wie Alkoholflaschen aus einem Glasschrank.

Sebastian Rosenkötter

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