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Ostholstein Ekelzustände in Pizzeria: Geldstrafe für Fehmaraner
Lokales Ostholstein Ekelzustände in Pizzeria: Geldstrafe für Fehmaraner
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20:18 28.06.2017

Nur seine späte Einsicht bewahrte ihn gestern vor einer erstmals drohenden Gefängnisstrafe. Denn bereits zum vierten Male binnen weniger Jahre musste sich der 69-jährige Betreiber einer Pizzeria auf Fehmarn vor Gericht verantworten. Vorgeworfen wurde ihm am Amtsgericht Lübeck durch Staatsanwalt Jan Feindt erneut ein vorsätzliches massives Vergehen nach dem Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFBG).

Doch als die langjährige Serie an Verstößen im Juni 2016 eskalierte und seine Existenz auf dem Spiel stand, handelte der Italiener. Er wechselte den Anwalt und sanierte Pizzeria wie Küche für rund 80000 Euro. Deshalb kam er gestern Vormittag mit 90 Tagessätzen zu je 50 Euro, die zuvor die Staatsanwaltschaft gefordert hatte und vom Gastronom in monatlichen Raten von 200 Euro abgestottert werden kann, vergleichsweise glimpflich davon. „Ich gehe davon aus, dass wir uns hier vor Gericht nicht wiedersehen. Das nächste Mal wird es keine Geldstrafe mehr sein“, so Strafrichterin Dr. Sohre Tschakert.

Das sah vor einem Jahr noch ganz anders aus. Wieder einmal tauchten die Lebensmittelkontrolleure des Kreises Ostholstein auf – wegen der Schwere der festgestellten Verstöße zu zweit. „Mehrere Stunden lang dauerte es, bis wir uns drinnen und im Außenbereich durchgearbeitet haben“, erzählte einer als Zeuge vor Gericht.

Es gab massive Verletzungen von Hygienevorschriften. Im Einzelfall bestand laut Staatsanwaltschaft sogar eine Gesundheitsgefährdung. Schimmelbelag, Rattenloch und Schadspuren durch Mäuse, vor allem massiver Befall von Schaben und üble Gerüche im Pizza-Zubereitungsbereich, falsch gelagerte Lebensmittel, häufiges Rauchen im provisorischen Arbeitsbereich – die Mängelliste ist ellenlang.

Mehr noch: Putzmittel standen in unmittelbarer Nähe von aufgetauten Meeresfrüchten, Kühlschränke waren zum Teil verunreinigt oder ihre Dichtungen eingerissen. Die Staatsanwaltschaft sprach von „Ekel“, die Lebensmittelkontrolleure von „Sodom und Gomorrha“ in der Küche.

Im Grundsatz wurden die Vorwürfe vom Angeklagten und seinem Rechtsbeistand gar nicht erst bestritten. Der Gastronom, der nach eigenen Angaben derzeit 13 Angestellte beschäftigt, musste wiederholt vorübergehende Schließungen hinnehmen. Dann wurde „klar Schiff“ gemacht – und die Pizzeria wieder geöffnet. Schließlich zogen die Lebensmittelkontrolleure die Reißleine, schalteten die Polizei und die Stadt Fehmarn ein.

Letztlich ließen sie sich aber von einem neuen Konzept überzeugen, das der Rechtsbeistand des Angeklagten vorlegte. Aufwendig wurde im gemieteten, älteren Gebäude renoviert – erst die Pizzeria, dann die Küche. Herausgerissen wurden vor allem die Holzdielen, die den Schaben und anderem Ungeziefer einen ungestörten Zugang vom Keller in den Gastronomiebereich gestattet hatten.

Die Maßnahmen zeigten – mit Verspätung – doch noch Wirkung. Inzwischen hat der Gastronom einen Stellvertreter eingesetzt, der an einem Nachbarort selbst einen Betrieb leitet, und das Personal geschult. Als die Lebensmittelkontrolleure wenige Tage vor dem Verhandlungstermin unangemeldet auftauchten, gab es zum ersten Mal keine Verstöße – nach insgesamt 60 Kontrollbesuchen. Ihr vorsichtig positiver Eindruck: „Jetzt gibt es hier eine richtig gute Gastronomieküche mit vernünftiger Lagerung der Lebensmittel.“

Das wurde vom Gericht honoriert. „Etwas doppeldeutig formuliert ist dort, wo es über einen langen Zeitraum schwerwiegende Missstände gab, die Karre wieder aus dem Dreck gezogen worden“, so Staatsanwalt Feindt. Dafür habe der Angeklagte erheblich Geld investiert und einen größeren Kredit aufgenommen – und eine Betriebsübergabe in Aussicht gestellt. Das bewog auch die Richterin, ihm eine neue letzte Chance zu geben.

Gerd-J. Schwennsen

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