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Ostholstein Emotionen und Fakten: 18-Jährige kämpft für den Fehmarnbelt
Lokales Ostholstein Emotionen und Fakten: 18-Jährige kämpft für den Fehmarnbelt
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23:33 23.09.2016
Malin Binding posiert mit den blauen Kreuz der Beltquerungsgegner an dem Strandabschnitt, an dem sich nach jetziger Planung die Einfahrt des Tunnels nach Dänemark befinden wird. Quelle: dpa
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Fehmarn

Eine junge Frau, gerade 18 Jahre alt, die für ihre Heimat kämpft, in bewegten Bildern und mit bewegenden Worten – das kommt immer gut. Malin Binding ist zum Gesicht der Tunnelgegner am Fehmarnbelt geworden. Im Internet, bei Facebook, Twitter und Youtube kämpft die Schülerin gegen das Milliardenprojekt.

„Das Thema bewegt mich, seit ich weiß, dass

der Tunnel kommen soll.“Malin Binding (18)

Ihre Heimat sei bedroht, sagt Binding in einem Video der Beltretter. Bedroht durch die „größte Bau- und Umweltsünde Europas“. Aber: „Es ist noch nicht zu spät. Retten Sie die Ostsee“, fordert die 18-Jährige auf. 86000 Menschen aus ganz Deutschland hat die Schülerin aus Marienleuchte auf Fehmarn inzwischen mobilisiert. So viele Bürger haben auf ihr Bitten hin eine Online-Petition der Beltretter unterzeichnet. Die Beltretter sind ein noch junger Zusammenschluss von Tunnelgegnern, über die Insel hinaus bekannt geworden durch das blaue Holzkreuz, das an Straßenrändern und in Vorgärten den Widerstand gegen das Projekt symbolisiert.

„Der Thema bewegt mich, seit ich weiß, dass der Tunnel kommen soll“, sagt Malin Binding. „Ich brenne für unsere Aktionen gegen das Projekt.“ Anstrengend? „Nein, die Arbeit macht Spaß, ist lange nicht so anstrengend wie Matheunterricht“, sagt die junge Frau. Als 16-Jährige hat sie sich bereits bei „Bewahrt Fehmarn“ engagiert. Ihr Vater (Architekt) war Sprecher der Initiative. Mit Einwendungen unter dem Arm hat sie in den vergangenen Wochen Menschen an Stränden und in der Burger Innenstadt angesprochen. Mit Freundinnen hat sie Haustür für Haustür abgeklappert. Auch beim Bürgerentscheid zum geplanten Industrieareal war sie unter den Aktivisten. „Und als wir die ersten Beltretter-Shirts hatten, sah sie einfach gut drin aus“, sagt Karin Neumann, Sprecherin der Initiative. Die Petitions-Plattform change.org machte Malin Binding schließlich bundesweit bekannt.

„Es geht mir bei der Aktion nicht um Selbstdarstellung“, sagt die Schülerin. „Ich will meine Heimatinsel bewahren, wie so viele meiner Nachbarn.“ Im nächsten Jahr macht die 18-Jährige ihr Abitur an der Inselschule. Danach will sie beruflich „irgendetwas mit Schreiben“ machen, „auf jeden Fall etwas Kreatives“. Marienleuchte, wo das Elternhaus von Malin Binding steht, liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum geplanten Tunnelportal von Puttgarden.

Argumentation statt Emotion ist dagegen das Motto der Tunnelbefürworter. „Wir drücken nicht auf die Gefühlsdrüse“, sagt David Depenau, Sprecher der Anfang des Jahres gegründeten Initiative „Beltoffen“. Ihr gehören fünf Firmen und 75 Einzelmitglieder an, die sich für den Tunnelbau starkmachen. „Wir protestieren nicht, wir gestalten“, erklärt Depenau.

Unterdessen sorgt Claus F. Baunkjær, Chef der Planungsgesellschaft Femern A/S, für Irritationen. Der dänischen Tageszeitung Lolland-Falsters Folketidende sagte er, es bestehe „die Möglichkeit, wenigstens mit einem Teil der Bauarbeiten zu beginnen, bevor der ganze Planfeststellungsbeschluss die Gerichtsinstanzen durchlaufen hat“. Femern-Sprecher Felix Irmer versucht, das wieder einzufangen.

„Femern A/S kennt und respektiert das deutsche Genehmigungsverfahren.“ Richtig sei, dass das Unternehmen die Bauphase derzeit vorbereitet. Dazu seien naturgemäß Planungen und Absprachen notwendig.

Der Kieler Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) bleibt gelassen. „Aus all meinen Gesprächen mit den Dänen ist klar hervorgegangen, dass sie keinen Spaten in die Hand nehmen, ehe auf deutscher Seite ein rechtskräftiger Planfeststellungsbeschluss vorliegt.“ Das ist aller Voraussicht nach frühestens Ende 2017 der Fall.

 Curd Tönnemann

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