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Ostholstein Endgültiges Aus für die Fehmarnsundbrücke
Lokales Ostholstein Endgültiges Aus für die Fehmarnsundbrücke
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12:34 26.11.2015
Quelle: dpa
Fehmarn

Über ein halbes Jahrhundert lang schon prägt das mächtige Brückenbauwerk über den Fehmarnsund das Bild von der Hauptverkehrsader Vogelfluglinie. Mit enormer internationaler Ausstrahlung. Doch das ist jetzt vorbei. Ihre Zukunft gehört allenfalls noch den Fußgängern und Radfahrern sowie den Mähdreschern und Traktoren. Und selbst das ist fraglich. Denn die Bahn AG hat die 1963 eröffnete Sundbrücke aufgegeben. Für den künftigen Belttunnel-Verkehr gilt sie bereits seit einem spektakulären Belastungstest im Jahr 2010 als nicht mehr zukunftstauglich. Seit gestern Nachmittag ist klar, dass die Entscheidung endgültig ist.

Auf der von Landesverkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) einberufenen 3. Kommunalkonferenz zur Fehmarnsundquerung erklärten die DB-Konzernbevollmächtigte Manuela Herbort und DB-Projektleiter Bernd Homfeldt in Burgtiefe unmissverständlich: Die alte Sundbrücke ist aus dem Rennen. Ihre Begründung: Eine Ertüchtigung wäre viel zu teuer und und unwirtschaftlich — denn sie könnte die Brücke höchstens noch für 30 Jahre retten.

Die Bahn verfolgt nach einer aufwendigen Nutzwertanalyse — bei der verschiedene Bausteine wie Tourismus, Baulärm oder Umwelt geprüft wurden — daher jetzt nur noch vier Varianten für die künftige Sundquerung zwischen Großenbrode und Fehmarn. Am besten abgeschnitten hat bislang der Neubau eines kombinierten Brückenbauwerkes für Schiene und Straße (mit dem Nutzwert von 100 Prozent), gefolgt vom Neubau zweier getrennter Bauwerke (91 Prozent).

Immerhin: Absenktunnel (74 Prozent) und Bohrtunnel (73 Prozent) werden weiterhin untersucht. Einige Teilnehmer wie Großenbrodes Bürgermeister Jens Reise (CDU) hatten vor Konferenzbeginn schon befürchtet, dass die Tunnelpläne vorzeitig aufgegeben werden.

Doch auch Minister Meyer bekräftigte gestern: Alle vier Lösungsmodelle werden jetzt ergebnisoffen weitergeprüft. Anfang 2016 soll die Ausschreibung erfolgen. Die Bahn selbst rechnet mit einer endgültigen Entscheidung Ende 2018. Baubeginn könnte 2022 sein — klappt das, rechnet sie mit einer Fertigstellung bis 2028. Mit im Boot ist dabei auch der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr für den vierspurigen Ausbau der B 207.

Und was wird aus der alten Sundbrücke? Großenbrodes Bürgermeister Reise brachte die Nöte der Landwirte ins Spiel, die mit ihren schweren Maschinen über den Sund fahren müssen. Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (CDU) forderte: „Der langsame Verkehr muss in jedem Fall gesichert bleiben.“

Auch für die Verkehrsplaner steht dies außer Frage. Nur: Weder Kreis noch Land sind bereit, die Kosten vom Bund zu übernehmen — für den die alte Sundbrücke nach 2028 keine Rolle mehr spielt. Anderseits: Die Brücke steht unter Denkmalschutz, kann daher nicht einfach abgerissen werden. Nur dem Kreistagsabgeordneten Hartmut Specht (FWG) dauert das alles viel zu lange. „Wir dürfen auf den Denkmalschutz nicht zu viel Rücksicht nehmen“, forderte er ein zügiges Brückenvotum: „Wir können einen Architektenwettbewerb für eine Golden Gate Bridge über den Sund ausschreiben.“

Gerd-J. Schwennsen

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