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Ostholstein Energiewende: Millionen fließen ins neue Stromnetz
Lokales Ostholstein Energiewende: Millionen fließen ins neue Stromnetz
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13:37 06.11.2013
Lensahn

Immer mehr Photovoltaik-Anlagen gehen im Kreis ans Netz. Waren es Mitte des vergangenen Jahres gut 2300 Solaranlagen auf Ostholsteins Dächern, speisen inzwischen mehr als 2700 Anlagen bis zu 75 Megawatt in die Stromnetze ein. Die Zahl der Windräder ist im gleichen Zeitraum von 250 auf mehr als 300 gestiegen. Beträgt die angeschlossene Leistung aus regenerativen Energien kreisweit derzeit etwa 390 Megawatt, soll sich dieser Wert in den kommenden sieben Jahren fast vervierfachen.

Das Problem: Der Strom aus Sonnenlicht und Wind wird dort erzeugt, wo die historisch gewachsenen Verteilnetze am schwächsten sind. Um dem Rechnung zu tragen, investiert die Schleswig-Holstein Netz AG als Betreiber des Nieder- und Mittelspannungsnetzes (siehe Infostück) allein in diesem Jahr 4,2 Millionen Euro in Leitungen und Transformatoren in Umspannwerken. Hinzu kommen etwa 3,8 Millionen Euro für die Instandhaltung der vorhandenen Infrastruktur.

Die klassischen Stromnetze seien bislang so aufgebaut, dass von den großen Kraftwerken die leistungsfähigsten Leitungen ausgehen und sich in Richtung der Verbraucher im ländlichen Raum immer weiter verästeln, beschreibt E.on Hanse AG Vorstand Udo Bottländer das bisherige System. Durch die Energiewende würden nun aber genau an den dünnsten Zweigen vielfach leistungsstarke Photovoltaik- oder Windkraftanlagen „hängen“. Und die können die steigende Strommenge oft nicht mehr abtransportieren. Die Folge: Vor allem ein Teil der ostholsteinischen Windräder müsse bei bestem Wind immer wieder abgeschaltet werden.

Neue, moderne Transformatoren in den Umspannwerken Lensahn, Pönitz, Rogerfelde und Testorf sind nicht nur leistungsfähiger, sie können auch Spannungsschwankungen im Netz besser ausgleichen. Außerdem werden in den Bereichen Altgalendorf, Lensahn, Bosau, Dahme und Plügge fast 22 Kilometer Freileitungen durch Erdkabel ersetzt und zwölf neue Ortsnetzstationen zur Verteilung des Stromes an die Haushalte gebaut. Bis 2016 plant die Netz AG landesweit 13 Umspannwerke neu zu bauen und 73 Standorte auszubauen. Ihr Investitionsprogramm stellte die Schleswig-Holstein Netz AG gestern Abend während einer Regionalkonferenz in Lensahn den politischen Entscheidungsträgern vor.

„Schleswig-Holstein wird zukünftig das Land der Erneuerbaren Energien sein. Das ist eine große Herausforderung auch finanzieller Art für uns Netzbetreiber“, sagte E.on-Vorstand Bottländer. Landrat Reinhard Sager (CDU) unterstrich die Bedeutung der Investitionen in die Stromnetz-Infrastruktur. „Die Versorgungssicherheit hat für uns als Flächenkreis eine ganz wichtige Bedeutung“, sagte Sager.

Außerdem würde vor dem Hintergrund der ausgewiesenen Windenergieeignungsflächen später bis zu einem Gigawatt Strom allein aus Windkraft im Kreis erzeugt. Das sei fast die Leistung eines Atomkraftwerkes, so Sager.

Eine gute Nachricht hatte der E.on-Vorstand noch für die Verbraucher. Die Netz AG wird 2014 ihre Netzentgelte senken. Inwieweit diese Einsparungen aber am Ende von dem jeweiligen Stromlieferanten auch an die Verbraucher weitergegeben werden, sei offen.

Das ostholsteinische Stromnetz
Die Stromleitungen der Nieder- und Mittelspannungsebene, also zwischen zehn und 30 Kilovolt (kV) Spannung, gehören der Schleswig-Holstein Netz AG. An der Netz AG sind neben der E.on Hanse knapp 200 schleswig-holsteinische Kommunen beteiligt. In den Umspannwerken wird der transportierte Strom dieser Ebene mittels Transformatoren in die nächsthöhere Ebene eingespeist.
Die Hochspannungsebene (110 kV) gehört der E.on Netz AG. In Ostholstein gibt es davon zwei Leitungen. Die eine führt von Göhl bei Oldenburg Richtung Kiel, die andere von Göhl nach Lübeck-Siems. Letztere ist mehr als 50 Jahre alt und hat daher eine entsprechend geringe Kapazität. Im derzeit vor der Verabschiedung stehenden Netzentwicklungsplan wird eine Erneuerung dieser Leitung gefordert.
Die Höchstspannungsebene mit 220 bis 380 Kilovolt gehört in Schleswig- Holstein der Tennet. Entsprechende Leitungen gibt es in Ostholstein bislang allerdings nicht. Allerdings wird der Bau zwischen Lübeck und Göhl sowie Göhl und Kiel gefordert.
Neben den Leitungen sind in den Umspannwerken auch leistungsfähige Transformatoren erforderlich.

Holger Marohn

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