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Engagiert für die Flüchtlingshilfe

Bosau Engagiert für die Flüchtlingshilfe

Zum ersten Treffen des Bosauer Helferkreises kamen über 60 Menschen — Unterstützen, aber nicht überfahren.

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Sie koordinieren und unterstützen die Flüchtlingshilfe: Koordinator Johannes Acker (von links nach rechts), Anne Holtz, Ina Kibbel, Maha Bickel und VHS-Leiterin Annemarie Rohe.

Quelle: Peyronnet

Bosau. Um die in der Gemeinde Bosau untergebrachten Flüchtlinge muss sich niemand Sorgen machen. Viele Helfer kümmern sich bereits seit Monaten um die neu Zugezogenen.

Jetzt hat sich daraus ein Helferkreis gebildet, der seine Arbeit koordiniert und vernetzt, damit nichts doppelt und dreifach gemacht oder besorgt wird. Unterstützung kommt zudem vom neu eingestellten Koordinator für die Flüchtlingsbetreuung im Amt Großer Plöner See, Johannes Acker, und von VHS-Leiterin Annemarie Rohe.

Beim ersten Treffen des Helferkreises kamen etwa 60 Menschen zusammen, die bereits Flüchtlingen helfen oder damit beginnen wollen. Auf den Weg gebracht wurde der organisierte Helferkreis von Anne Holtz, Thomas Zechlin, Ina Kibbel und Maha Bickel, die zunächst von ihren Erfahrungen berichteten. „Man ist in der Aufnahmekommune gestrandet“, berichtete Kibbel, wie der Start für Flüchtlinge in Bosau verläuft. Dann beginnt das Warten. „Die Flüchtlinge müssen damit rechnen, dass sie nach Monaten, manche sogar nach bis zu zwei Jahren noch nicht wissen, ob sie bleiben dürfen, wie es weitergeht.“ In dieser Zeit hätten die Erwachsenen kaum Möglichkeiten, um Deutsch zu lernen, so Kibbel. Aber: „Ohne Sprache kann man hier nicht ankommen.“ Die Kinder lernten im Gegensatz zu ihren Eltern in der Schule schnell die Sprache und seien dann zuständig für die Familie. „Das macht etwas mit den Menschen.“

Bei der Sprache können die Helfer deshalb viel bewirken. Aber auch Fahrdienste, Begleitung bei Behördengängen, zusammen kochen, mit den Müttern und ihren Kindern spielen, singen und basteln oder Fahrradfahren lernen sind wichtige Angebote, die Ehrenamtliche machen können. Manchmal reicht es auch einfach, die Flüchtlinge einzuladen, sie mitzunehmen. „Bei uns in Hassendorf haben sie eine große Scheu, an Veranstaltungen teilzunehmen oder durchs Dorf zu laufen.“

Um den Neuankömmlingen die ersten Wochen zu erleichtern, sollen Paten bei der Orientierung helfen. Kibbel stellt dazu klar, dass ein Pate nicht alles selber machen und sich auch Hilfe holen oder Aufgaben delegieren kann. Aus ihrer Erfahrung berichtete Maha Bickel: „Wir müssen lernen, auch mal ,nein‘ zu sagen. Flüchtlinge müssen wissen, dass sie nicht anrufen können und wir springen. Sonst werden sie nie selbstständig.“ Das habe sie in eineinhalb Jahren Flüchtlingshilfe gelernt. Anne Holtz warnte vor dem Helfer-Burnout, Kibbel sagte, es gehe immer um Hilfe zur Selbsthilfe. Johannes Acker betonte, es sei sehr wichtig, auf Augenhöhe mit den Flüchtlingen zu sprechen. „Miteinander reden, nicht übereinander.“

Acker gab einen Überblick über die Flüchtlingssituation im Amt Großer Plöner See. Dort seien jetzt 96 Flüchtlinge untergebracht. Acker machte klar, dass die Gemeinden mit dem Thema die nächsten zehn Jahre zu tun haben werden. „Wie sollen wir damit umgehen? Am besten ab durch die Mitte: einfach etwas machen und ins Alltagsleben eintauchen.“ Viele der Flüchtlinge würden bleiben, sagte Acker voraus. „Das ist eine große Chance für den ländlichen Raum. Die Integration funktioniert auf dem Land besser.“

Eine kurze Debatte gab es beim Helferkreis-Treffen, ob ein Verein gegründet werden solle. Anlass war eine Spende, die den Helfern für die Flüchtlingsarbeit angeboten worden ist. Vereinsgegner argumentierten, Spenden könnten auch über die Gemeindeverwaltung angenommen und dann nach Maßgabe des Helferkreises weitergegeben werden. Nach etwas Hin und Her wurde die Idee einer Vereinsgründung nicht weiterverfolgt.

Infos zum Helferkreis bei Anne Holtz telefonisch unter 04527/1368 oder per E-Mail an a.holtz@gmx.de.

„Ohne Sprache kann man hier nicht ankommen.“
Ina Kibbel,
Flüchtlingshelferin

Susanne Peyronnet

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