Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein „Wir haben lange genug gewartet“
Lokales Ostholstein „Wir haben lange genug gewartet“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:33 26.10.2018
Das Kurparkhaus Haffkrug modert weiter vor sich hin. Heidi Knoop und ihre Mitstreiterinnen vom Kulturellen Freundeskreis, Veronika Heidenreich, Monika Orth und Carmen Rönfeldt (v. l.) sind sauer. Quelle: Luisa Jacobsen
Haffkrug

„Wir sind empört und enttäuscht“, sagt Heidi Knoop, Vorsitzende des Kulturellen Freundeskreises Haffkrug. Am Mittwochabend sollte der Tourismusausschuss der Gemeinde Scharbeutz nach vier Jahren Warterei endlich seine Zustimmung zum Neubau des maroden Kurparkhauses geben. So wollte es Bürgermeister Volker Owerien (parteilos), so wollte es Dorfvorsteher Helmut Kurth, so wollten es der Kulturelle Freundeskreis und viele andere Haffkruger Vereine und Verbände, die das Haus als Versammlungsort benötigen. Doch die Mehrheit des Gremiums entschied anders.

Vorplanung zum Neubau 2014 beschlossen

Bereits 2014 wurde der Neubau des bald sechzig Jahre alten Kurparkhauses beschlossen. Das Gebäude war so marode, dass „wir 2015 alles ausräumen mussten“, sagt Monika Orth vom Kulturellen Freundeskreis. Nur noch der große Versammlungsraum steht dem Fischereiverein, dem Gesangsverein, dem Dorfvorstand und vielen anderen zur Verfügung. Und auch der hat bessere Tage gesehen: Die Türen haben Wasserflecken, es riecht muffig, das Mobiliar ist verschlissen. Einmal pro Woche bietet der Kulturelle Freundeskreis dort noch Qigong an. Viele andere Angebote mussten laut Knoop an schwer erreichbare Orte ausgelagert oder ganz eingestellt werden.

So sieht das marode Gebäude gegenwärtig aus.

Doch immerhin: Nach vier Jahren und einem Architektenwechsel sollte es im September soweit sein. „Der Zeitplan sah den Abriss im September und die Fertigstellung des Neubaus 2019 vor“, berichtet Bürgermeister Owerien am Mittwochabend vor dem Ausschuss. Das Problem: Die Kosten für den Bau haben sich seit der ersten Schätzung Ende 2015 (rund 1,5 Millionen) massiv erhöht. Knapp 3,6 Millionen Euro betrug die Kostenberechnung zuletzt. Einer der Gründe dafür: Das neue Gebäude soll nicht nur Dorfgemeinschaftshaus sein, sondern auch den Touristen zu Gute kommen. Vorgesehen ist ein Haus mit einer Nutzfläche von 1125 Quadratmetern, das eine Gastronomie beherbergt und über 200 Personen fassen kann. Bei dieser Planung fällt der Bau allerdings unter die sogenannte Versammlunsgstättenverordnung. Das bedeutet, dass umfassende bauliche Vorschriften in Sachen Sicherheit eingehalten werden müssen. Aber: Bei diesem Konzept können Land und Bund laut Owerien Fördermittel von bis zu 450 000 Euro zur Verfügung stellen. Bei einem kleineren Gebäude, das keine Arbeitsplätze zur Verfügung stellt, hingegen nicht.

Dazu kommt: "Wenn wir nicht bauen, müssen wir vielleicht sogar Geld zurückzahlen", berichtet der Bürgermeister. Denn: 2013 hat die Gemeinde aus dem "Zukunftsprogramm Wirtschaft" rund 881 000 Euro zur Umgestaltung des Kurparks erhalten – und zwar unter der Voraussetzung, dass dort Arbeitsplätze geschaffen werden.

Gremium vertagt die Entscheidung

Für Heidi Knoop und ihre Mitstreiterinnen ist die Aussicht auf ein solches Gebäude ein guter Kompromiss. „Wir bräuchten für unseren Verein kein so tolles und großes Haus“, sagt Knoop. Aber wenn die Fördergelder es möglich machten, sei das doch schön. „Eine Gastronomie ist für uns alle gut“, sagt sie. Und allemal besser als die gegenwärtige Situation.

Umso größer ist das Entsetzen bei ihr und den Zuhörern am Mittwochabend im Ausschuss. „Wir haben wirklich mit einer Mehrheit für das Haus gerechnet“, sagt Schriftführerin Carmen Rönfeldt. Doch das Gremium wird sich nicht einig. Vertreter der SPD sprechen sich klar für den Bau aus, vor allem CDU und Grüne zeigen aber Bedenken wegen der Kosten und äußern, nicht ausreichend und frühzeitig informiert worden zu sein. Ein Vorwurf in Richtung des Bürgermeisters, der das nicht nachvollziehen kann: „Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus allen Fraktionen war an der Planung beteiligt“, sagt Owerien. „Es war die Aufgabe dieser Vertreter, die Fraktionen zu informieren.“ Das bestätigt Dorfvorsteher Helmut Kurth, der ebenfalls zur Arbeitsgruppe gehört: „Bei den letzten Sitzungen waren alle anwesend. Was dann fehlte, war offenbar der Informationsfluss zwischen Arbeitsgruppe und Fraktionen.“ Das Ergebnis einer gut zweistündigen Diskussion: Das Gremium stimmt mehrheitlich für eine Vertagung der Entscheidung auf den 7. November – zum Missfallen von SPD, CBS und den Bürgern in den voll besetzten Zuhörerreihen.

Deswegen heißt es für Heidi Knoop, Helmuth Kurth und all die anderen Vereine und Verbände jetzt erneut: warten. Und das, obwohl der meist gesprochene Satz unter den Haffkrugern an diesem Abend gewesen sein dürfte: „Wir haben wirklich lange genug gewartet.“

Luisa Jacobsen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Europas größter Krimiautorenverband, die „Mörderischen Schwestern“, mit rund 600 Mitgliedern hält seine Fachtagung in Heiligenhafen ab und verleiht zudem die „Goldene Auguste“ an Zoe Beck.

26.10.2018

Die BGW hat die Stellungnahme gegen die Stimmen von CDU und SPD beschlossen. Der Kreisbauernverband kritisiert den Vorstoß.

26.10.2018

Die politischen Gremien haben noch keine konkrete Entscheidung zur Schule getroffen. Die Stadt hofft auf 2,1 Millionen Euro Fördergelder. Im November wird weiter diskutiert.

26.10.2018