Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Erholung an der Ostsee für gestresste G-20-Polizisten
Lokales Ostholstein Erholung an der Ostsee für gestresste G-20-Polizisten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:05 13.08.2017
Die Polizeibeamten wurden während des G-20-Gipfels an die Grenzen der Belastbarkeit und darüber hinaus beansprucht. Quelle: Foto: Dpa

Die Bilder aus Hamburg sind noch präsent. Brennende Autos, fliegende Pflastersteine, der schwarze Block, die Randale – und mitten drin die vielen G-20-Polizisten, die ihren Kopf hinhalten mussten, um den Aggressoren die Stirn zu bieten. Axel Kramer lassen die Bilder nicht los.

Dahmer Vermieter Axel Kramer initiiert kreisweite Gratis-Aktion.

„Viele hatten Angst, auch Todesangst. Thomas Gründemann

Polizeigewerkschaft

Der Dahmer Urlaubsvermieter möchte mit seiner Frau Sabine etwas an die Beamten zurückgeben. „Ich möchten ihnen helfen, den Stress abzustreifen und zur Ruhe zu kommen“, sagt Kramer. Es sei ein Zeichen der Dankbarkeit aus der Gesellschaft heraus. Kramer lädt zwei betroffene Polizisten mit Partnern oder Familie zu sich ein, inklusive Rundum-Paket wie Massage, Yoga, Radtouren und vieles mehr. Kramer hat zusätzlich den örtlichen Gewerbeverein „Alle für Dahme“ eingeschaltet. Joachim Tappmeyer, der 2. Vorsitzende, war gleich von der Idee begeistert, möchte Sponsoren finden wie Eisdielen, Restaurants und andere Anbieter sowie auch weitere Vermieter im Ort per Mail anschreiben. Kramer: „Wir möchten, dass sich so viele Tourismustreibende wie möglich in ganz Ostholstein beteiligen.“

Thomas Gründemann von der Polizeigewerkschaft begrüßt das ostholsteinische Engagement sehr. Aus Schleswig-Holstein seien 500 Beamte in Hamburg im Einsatz gewesen. 27 davon seien dabei verletzt worden. Gründemann berichtet: „Viele hatten Angst, auch Todesangst.“ Häufige Symptome könnten kurz-, mittel- aber auch langfristig Schlaf- und Konzentrationsprobleme oder auch Appetitlosigkeit sein.

Die Erlebnisse könnten sogar in Angst- oder Panikstörungen münden. Gründemann führt weiter aus: „Es muss alles getan werden, um den betroffenen Polizisten zu ermöglichen, das Geschehene zu verarbeiten.“ Das teilweise höchst traumatische Erlebte müsse in Nachbesprechungen menschlich, ethisch und fachlich intensiv aufgearbeitet werden. Eine Auszeit an der Ostsee könne bei diesem Prozess nur förderlich sein.

Axel Kramer wird die Koordinierung der Aktion gemeinsam mit Gründemann in die Hand nehmen. David Depenau vom Ferienpark Weissenhäuser Strand, Alexandra Rojas vom „Beach Motel“ in Heiligenhafen sowie Karin Gäbler vom Hotel „Zur schönen Aussicht“ in Grömitz haben ihre Teilnahme spontan zugesagt. Auch im Kreissüden ist die Zustimmung groß. Ihre Zusage gegeben hat Sophie Zander vom Grand Hotel Seeschlösschen. „Natürlich sind wir bei dieser guten Sache dabei“, ist auch von Direktor Moritz Schmid-Burgk vom Fünf-Sterne-Hotel „Belveder“ in Scharbeutz zu hören. Er stellt an einem Wochenende ein Zimmer für zwei Personen mit Halbpension zur Verfügung. Zusätzlich bietet er seinen Gästen die kostenfreie Nutzung der Ostsee-Therme an. Mit dabei sind auch die „Ostsee Appartements Heike Wongel“ in Scharbeutz. Geschäftsführerin Gabriela Prehn bietet einen Gutschein für drei Übernachtungen in einer Ferienwohnung mit Handtücher- und Bettwäsche-Nutzung sowie einer Flasche Prosecco zur Begrüßung an.

Axel Kramer ist sicher: „Es werden noch viele weitere bei dieser tollen Aktion mit aufspringen.“ Die Resonanz sei bereits jetzt sehr positiv. Weitere Vermieter aus Dahme würden sich auch beteiligen.

Eine Absage erteilte bisher nur das „Bayside“ in Scharbeutz. Begründung: Man sei immer ausgebucht. . . Bei seinem Aufruf ist Kramer eines aus organisatorischen Gründen wichtig: „Alle, die mitmachen, sollen ein eigenes Komplettpaket benennen.“ Axel Kramer selbst bietet zwei Polizei-Familien eine Woche zum Nulltarif mit einem zusätzlichen Freizeitangebot.

Die Aktion soll in den Monaten Oktober bis Dezember stattfinden, nach individueller Terminabsprache.

Die Kontaktadresse von Axel Kramer für Hoteliers: axel.kramer@web.de

Statistik

Gewalt gegen Polizisten: Im Jahr 2016 wurden 1268 Fälle von Widerstandshandlungen und Gewaltdelikten (betroffen davon 2443 Beamtinnen und Beamte) registriert. Das ist eine Zunahme von 17,7 Prozent. Das entspricht täglich mehr als drei Übergriffen. Dabei wurden 441 Polizistinnen und Polizisten (Steigerung um zehn Prozent zum Vorjahr) verletzt. Hieraus resultieren 2016 insgesamt 517 Fehltage – eine Steigerung um 42,1 Prozent.

 pm/cd

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige