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Ostholstein Erkennungszeichen: Weißer Stock
Lokales Ostholstein Erkennungszeichen: Weißer Stock
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00:00 16.10.2012
Anke Dose und Harriet Claßen setzen auf den weißen Stock. Mit ihm fühlen sie, welchen Belag der Untergrund hat, auf dem sie gehen. Zudem ist der Stock ein Symbol für Blindheit.
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Ostholstein

Er ist Schutz und Erkennungsmerkmal. Es gibt ihn mit ergonomischem Griff und unterschiedlich großen Kugeln, die helfen sollen, den Untergrund zu erspüren. Der Blindenstock – vor 43 Jahren wurde ihm zu Ehren der 15. Oktober zum „Tag des weißen Stockes“ erklärt. Die LN trafen aus diesem Anlass gestern drei betroffene Frauen und erfuhren, welche Bedeutung der Stock für sie hat und warum die Situation für sehbehinderte und blinde Menschen – gerade im ländlich geprägten Ostholstein – oftmals schwierig ist.

Geschichte des Stocks

„Im Kreis gibt es zirka 300 registrierte Blinde. In Schleswig-Holstein sind es insgesamt 5000 Menschen“, sagt Anke Dose, Leiterin der Ostholsteiner Bezirksgruppe des Blinden- und Sehbehindertenvereins Schleswig-Holstein. Hinzu kommen noch Hunderte Menschen, die sehbehindert sind, sprich nur noch über maximal 30 Prozent der Sehfähigkeit verfügen. Vereinsmitglied Harriet Claßen betont, dass die Zahlen täuschen. „Die Dunkelziffer ist höher. Es gibt sehr viele Blinde, die nicht in einem Verein organisiert sind oder Blindengeld erhalten. Ich schätze, dass es zirka 2000 weitere Personen in Schleswig-Holstein sind.“ Viele würden sich zudem nur sehr selten aus dem Haus wagen.Besonders problematisch ist die Situation außerhalb der großen Städte wie Lübeck und Kiel. „Im ländlichen Raum gibt es meist keine akustischen Ampeln. Dabei ist es für uns das A und O, dass die Ampeln so funktionieren. Wir wissen ja sonst nicht, ob wir über die Straße gehen können“, sagt Anke Dose, die seit ihrer Geburt so gut wie nichts sehen kann. Um die Situation zu verbessern, engagiert sich die Pönitzerin im Beirat für Menschen mit Behinderung. „Ich möchte den Austausch mit Ämtern und Behörden verbessern. Wir wollen auch mitmischen und unser Ziel ist es, unter anderem bei baulichen Veränderungen das Beste für unsere Leute herauszuholen.“ Schließlich würden entsprechende Ampeln und auch ein geriffelter Bodenbelag vor Straßenüberquerungen und in Bahnhöfen helfen, sich zu orientieren. „Es geht darum, dass Blinde und Sehbehinderte nicht in der Isolation verschwinden“, betont Dose. Die Frauen wissen, dass sich noch viel ändern muss, damit sich Menschen mit großen Sehschwierigkeiten im Kreis Ostholstein sicherer fühlen. Sie räumen aber auch selbstkritisch ein, dass sie lange nicht für ihre Belange eingetreten sind. „Wir haben uns zurückgezogen. Im Moment sind wir aber gut am Ball. Es wäre schön, wenn Behörden bei ihren Planungen auch an uns denken“, betont Dose.Anke Dose, Harriet Claßen und die vielen anderen Betroffenen haben jedoch nicht nur mit fehlenden Akustiksignalen an Kreuzungen zu kämpfen, sondern auch mit Unverständnis und Unwissen einiger Menschen. Sandra Gunia, Bezirksgruppenleiterin Lübeck, hat schon oft Sprüche wie „Gehen Sie mit einer Gardinenstange spazieren?“ oder „Wie geht denn Nordic Walking mit einem Stock?“ anhören müssen. Dennoch betont sie: „Die meisten Menschen sind nett und hilfsbereit.“ Auch hier gebe es Unterschiede zwischen Stadt und Land. „Blinde und Sehbehinderte sind auf dem Land einfach weniger unterwegs, da gibt es mehr Berührungsängste“, sagt Harriet Claßen.Deshalb – da sind sich die drei Frauen einig – sei es wichtig, dass Menschen, die nur eingeschränkt oder gar nicht sehen können, auf sich aufmerksam machen. Neben dem weißen Stock gibt es die gelben Armbinden mit drei schwarzen Punkten und entsprechende Anstecker. Das gefällt allerdings nicht jedem Betroffenen. „Ich finde die Binde peinlich“, sagt Sandra Gunia. Stattdessen setzt sie auf ihren Blindenhund „Lilo“. „Sie stellt sich vor mich, wenn ein Hindernis kommt. Dann muss ich herausfinden, was es ist – ob es am Boden oder in der Luft ist. Zudem weicht sie Hindernissen alleine aus und wählt einen besseren Weg .“ Eines ist den Frauen besonders wichtig: „Blind heißt nicht, dass es immer dunkel ist“, sagt Sandra Gunia. Deshalb solle sich auch niemand wundern, wenn sie einige Dinge teilweise erkennen, aber trotzdem auf Hilfsmittel wie einen weißen Stock angewiesen seien.

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