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Ostholstein Ernte: Letzte Hoffnung Weizen
Lokales Ostholstein Ernte: Letzte Hoffnung Weizen
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11:54 28.07.2016
Die Rapsernte, wie hier auf Ländereien bei Albersdorf (Gemeinde Schashagen), wird dieser Tage eingeholt. Quelle: Louis Gäbler

Schlechte Ernte, Preise im Keller: Ostholsteins Ackerbau-Landwirte machen dieser Tage lange Gesichter. Zwei von drei Hauptfrüchten haben bereits eine schlechte Ernte eingebracht, nun ruhen alle Hoffnungen auf dem Weizen. Doch auch hier sind die Prognosen äußerst verhalten. Die Woche der Wahrheit steht vor der Tür.

Gerste und Raps: wenig Masse, Preise im Keller – Mais, Gras und Zuckerrüben sind gut – Weizen als Hauptfrucht bleibt das Zünglein an der Waage – Woche der Wahrheit steht bevor.

Holger Schädlich, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Lübeck/Ostholstein, bestätigt die negative Situation, skizziert die Lage wie folgt: „Wir haben bei Gerste und Raps im Vergleich zum guten Vorjahr Einbußen von 20 und 30 Prozent.“ Vor allem die feuchte Witterung im Herbst und Winter wie auch die Trockenheit im Frühling und dann wieder der Regen zur Ernte hätten starken Schaden angerichtet. So fiel die Ernte, was Masse und Qualität angeht, schwach aus. Obendrein seien die Preise auf dem Weltmarkt auch noch im Keller. Das nennt der Landwirt den schlimmsten anzunehmenden Fall. Wohl gemerkt nach sehr guten Vorjahren.

Dennoch richtet sich nun der Blick voller Spannung auf die kommende Woche, wenn der Weizen als Hauptfrucht geerntet wird. Hierbei spielt erneut die Masse eine Rolle, vor allem aber auch die Qualität.

Schädlich erläutert: „Ist die Qualität gut, geht der Weizen ins Brot und erzielt ordentliche Preise. Ist er schlecht, geht er für weit weniger Ertrag ins Futter.“

Einer der betroffenen Landwirte ist Uli Torff aus Albersdorf bei Grömitz. Er beackert 410 Hektar, hat wie viele andere Kollegen auch auf die drei Hauptfrüchte Gerste, Raps und Weizen gesetzt. Die aktuelle Situation schmerze auch ihn doppelt. „Ich habe in den Vorjahren bei der Gerste mehr als 100 Doppelzentner pro Hektar geerntet, dieses Jahr liege ich bei 75.“ Ähnliches Bild beim Raps. 34 Doppelzentner statt 45 bis 50. Ein Problem bei ihm sei eine Wurzelkrankheit beim Raps gewesen, hervorgerufen durch Pilzbefall. „Die Feuchtigkeit hat uns zugesetzt“, sagt Torff. Daher blickt er auch mit großer Skepsis auf die kommende Woche. Er sagt: „Ich habe das schlechte Ergebnis beim Raps nicht erwartet. Nun bin ich natürlich gespannt, was aus dem Weizen wird.“ Er hoffe, dass das Wurzelwerk beim Weizen nicht auch noch geschädigt sei und zumindest ein durchschnittliches Resultat dabei herausspringe.

Einzig positiv ist die Lage bisher bei Mais, Zuckerrüben und Gras. Das falle aber laut Schädlich eher weniger ins Gewicht, könne ein Jahresergebnis kaum in den positiven Bereich lenken. Doch die Landwirte in Schleswig-Holstein stehen nicht allein da mit ihren Problemen. In Frankreich, einem der Hauptkonkurrenten auf dem Weltmarkt, ist die Ernte noch drastischer mit Einbußen von 30 bis 40 Prozent verlaufen. Die Daten aus Frankreich liegen Schädlich vor. Bei den Schwarz-Meer-Staaten wie Russland und Ukraine als weitere bedeutende Konkurrenten bahnt sich eine eher durchschnittliche Ernte an. Daher sagt Schädlich: „Sollten wir mit der Qualität unseres Weizens die Kurve kriegen und die Preise aufgrund der Gesamtsituation ansteigen, könnten wir mit einem blauen Auge davon kommen.“

Andererseits würden viele hiesige Landwirte mit großen Sorgen auf die kommenden Monate blicken. Nächste Woche wisse man mehr. Uli Torff: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

 Peter Mantik

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