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Erst die Bytes — dann das Gebäck

Grömitz/Neustadt Erst die Bytes — dann das Gebäck

Senioren treffen sich in Internetcafés in Grömitz und Neustadt: Dort schneiden sie Filme, verwalten digitale Bilder, nehmen sich aber auch Zeit zum Klönen.

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Uwe Csiky zeigt Petra Kistner, wie man Bilder einer Digitalkamera übersichtlich auf dem Laptop verwalten kann.

Neustadt:. Als sie geboren wurden, gab es den Begriff des Internets noch lange nicht. Die Senioren der Internetcafés in Grömitz und Neustadt haben mit dem Medium dennoch keine Berührungsängste. Im Gegenteil: Einige von ihnen dürften manch jüngeren Zeitgenossen mit ihrem Wissen noch in die Tasche stecken.

Dichtes Gedränge herrscht im kleinen Raum der Seniorenresidenz „Grömitzer Höhe“. Hier stecken Senioren — der Großteil ist zwischen 65 und 90 Jahre alt — an Laptops ihre Köpfe zusammen, diskutieren „Glaubensfragen“ wie „Apple oder Windows?“, tauschen Informationen über Programme wie Word und Excel oder auch Sicherheitsprobleme aus. Aus rund 25 Personen besteht der Kern der regelmäßigen Nutzer.

Im Sommer kommen immer auch mal wieder ein paar Feriengäste umliegender Campingplätze.

Petra Kistner war schon einige Male beim Internetcafé für Senioren in der Grömitzer Höhe. Heute ist sie mit einem besonderen Anliegen gekommen: Sie will Fotos von ihrer Digitalkamera auf den Rechner ziehen und sie dort in einem Ordner verwalten. Uwe Csiky (81) erläutert ihr die einzelnen Schritte, gibt Tipps für eine übersichtliche Verwaltung der Bilder.

Helmut Blachnik (76) macht sich derweil daran, seinen selbstgedrehten Film zu schneiden und mit Musik und Geräuschen zu unterlegen. Einige Filme hat er bereits fertiggestellt: über seinen Hund, über Findlinge, aktuell arbeitet er an einem Film über Bäume. Beim Aufspielen eines neuen Betriebssystems ist ihm sein Anti-Viren-Programm abhanden gekommen. Eine Lösung hatten selbst die „Technikfreaks“

im Internetcafé nicht parat. „Macht nichts“, sagt Helmut Blachnik. Ein technisch versierter Freund habe das nach zwei Stunden wieder hinbekommen.

Arnold Stendel, der vor 15 Jahren das landesweit erste Internetcafé für Senioren in Neustadt und vor sechs Jahren auch das Pendant in Grömitz gegründet hat, stellt Gisela Boehn mit einem Augenzwinkern als seine „Sicherheitschefin“ vor. Sie warnt vor einem leichtfertigen Umgang mit Daten, empfiehlt Virenprogramme und erläutert, wie man die notwendigen Updates macht. Sie weiß um die vielen Tricks, mit denen Internetbetrüger versuchen, an persönliche Daten ihrer Klientel zu kommen, und schärft Internetneulingen ein, E-Mails von unbekannten Sendern nicht einfach zu öffnen.

„Identitätsklau ist als Gefahr im Internet ständig präsent“, sagt Gisela Boehn.

Der Treff steht zwar auch Internet-Neulingen zur Verfügung, „einen Unterricht geben wir hier aber nicht“, betont Arnold Stendel. Ähnlich ist das auch in Neustadt: „Wir haben hier immer mal wieder ältere Damen und Herren, die von ihren Enkeln einen Laptop oder einen PC geschenkt bekommen haben. Denen erläutern wir dann auch die ersten Schritte ins Internet“, sagt Günter Schulz, Vorsitzender des Neustädter Seniorenbeirates. Unterschiede bei älteren und jüngeren Nutzern von Computer und Internet können weder Stendel noch Schulz ausmachen: „Die Interessen sind bei Senioren genauso breit gefächert wie bei jüngeren Nutzern auch.“

Und doch gibt es da noch einen maßgeblichen Unterschied. Während jüngere Nutzer sich oftmals am PC abgrenzen, geht es im Internetcafé für Senioren deutlich sozialer zu. In Grömitz zum Beispiel tritt nach einer Stunde das „Internet“ in den Hintergrund und der Schwerpunkt wird auf „Treff“ gelegt. Stendel: „Dann verschwinden die Rechner vom Tisch, es gibt Kaffee und Kekse und dann wird über Gott und die Welt geklönt.“

Zeiten der Internetcafés
Kremper Straße 32 (Räume der VHS), mittwochs 15 bis 17 Uhr, sonnabends 10 bis 12 Uhr.

Grömitz: Seniorenresidenz „Grömitzer Höhe“, mittwochs und sonnabends von 10 bis 12 Uhr.

Thomas Klatt

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