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Ostholstein Erster Whisky Schleswig-Holsteins: Der „Glen Utin“ kommt aus Ostholstein
Lokales Ostholstein Erster Whisky Schleswig-Holsteins: Der „Glen Utin“ kommt aus Ostholstein
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22:33 02.11.2013
Zur Abfüllung stehen die Eichenholzfässer schon in der Brennerei auf dem Obsthof Münster bereit. Im Dezember soll die Produktion beginnen, den ersten Schluck des „Glen Utin“ wird man aber erst in etwa drei Jahren genießen können. Quelle: Fotos: Lintschnig
Eutin

Axel Münster wirkt fast ein wenig verträumt, wenn er in seiner Obstbrennerei davon spricht, „Aromen von Früchten einzufangen“, dass er es schmecke, wenn „auch nur eine Hand voll schlechter Äpfel“ in einem Obstschnaps verarbeitet wurde und dass „Obstbrände keinen Fehler verzeihen“. Schon seit seinen Lehrjahren vor mehr als 40 Jahren wollte der Inhaber des Obsthofes Münster zwischen Eutin und Plön eigene Obstschnäpse brennen, vor 15 Jahren hat er auf seinem Hof seinen ersten Obstbrand hergestellt. „Wenn ich abends vor einem Glas meines Apfelbrands oder Himbeergeistes sitze, weiß ich, dass ich nicht nur gearbeitet, sondern etwas gemacht habe“, erzählt Münster stolz.

Bald könnte Axel Münster bei einem Glas Whisky über seine Arbeit philosophieren. Denn der 58-Jährige stellt sich einer neuen Herausforderung: Als Erster in Schleswig-Holstein will Münster einen typisch ostholsteinischen Whisky brennen. Wie er schmecken soll, weiß Münster schon genau: rauchig, mit einer Holznote. Die Produktion auf dem Obsthof Münster beginnt ab Dezember, bis man den „Glen Utin“ probieren kann, wird es allerdings noch etwas dauern.

„Je länger ein Whisky lagert, desto besser wird er. Drei Jahre muss er mindestens in Holzfässern bleiben“, erklärt Münster. Denn das Gemisch aus Malz, Hefe und Wasser von seinem eigenen Brunnen hat einen Alkoholgehalt von 65 Prozent, bevor es in die Fässer kommt, in denen sich nach etwa drei Jahren der Geschmack abrundet und der Alkoholgehalt verringert. Er wird bei der Whiskyproduktion einem ähnlichen Motto folgen wie beim Obstbrand: „Es ist eigentlich ganz einfach: Wo was Gutes reinkommt, kommt auch was Gutes raus.“

Münsters Whisky-Experiment ist auch mit Risiko verbunden, schließlich ist die Produktion von Whisky teuer. „Die Rohware, Steuern, Energiekosten — da kommt einiges zusammen. Aber was die Engländer können, kann ich schon lange“, scherzt Münster. Zur Probe für sein Whisky-Experiment hat Münster jüngst einen Bierbrand hergestellt, der aus den gleichen Grundstoffen wie Whisky gemacht wird. „Der Bierbrand hat einen tollen Geschmack und wird auch von meinen Kunden sehr gut angenommen“, so Münster.

Doch bei der Whiskyproduktion kommt es nicht nur auf die Inhaltsstoffe an, sondern auch auf die Fässer, in denen das Alkoholgemisch gelagert wird. Der „Glen Utin“ wird in vier Eichenholzfässern von der schottischen Whiskybrennerei Bladnoch lagern, die Whiskeybotschafter Volker Mc Rätzke für Axel Münster besorgt hat. „Der Bladnoch-Whisky hat ein sehr weiches Aroma, und die Fässer wurden erst einmal befüllt. Sie werden dem ,Glen Utin‘ ein ganz besonderes Aroma verleihen“, so Mc Rätzke, der die Idee von Axel Münster unterstützt: „Dass Herr Münster hervorragende Obstbrände machen kann, weiß

hier jeder in der Umgebung. Umso spannender finde ich es, was in ein paar Jahren für ein Whisky heraus kommt.“ Mc Rätzke, der selber Whiskys vertreibt, hat auf seiner Facebook-Seite schon erste Kaufanfragen für den ostholsteinischen Whisky. „Es besteht jetzt schon reges Interesse, ganz sicher auch wegen des lokalen Bezugs. Ich kann meinen Kunden nur sagen, dass sie noch rund drei Jahre Geduld haben müssen“, sagt Mc Rätzke.

Münster selbst braucht nicht so lange zu warten. Er wird schon Ende Dezember, kurz bevor die Fässer befüllt werden, erste Vermutungen anstellen können, wie gut der „Glen Utin“ in drei bis vier Jahren schmecken wird: „Laien würden den Geschmack nicht mögen, aber ich kann aus dem Alkoholgemisch schon ablesen, was am Ende herauskommen wird.“ Wenn alles so läuft, wie es sich Münster vorstellt, geht für den Obstbaumeister ein Traum in Erfüllung. „Ich wollte immer zu meinem Renteneintritt meinen eigenen Whisky haben. Es sieht so aus, als würde ich es schaffen“, so Münster.

Whisky oder Whiskey?
„Whisky“ ist die schottische Schreibweise für das Alkoholgemisch aus Malz, Hefe und Wasser. Der Überbegriff für alle schottischen Whiskys lautet „Scotch Whisky“.

„Whiskey“ ist die US-amerikanische und irische Bezeichnung.

„Single Malt Whisk(e)y“ bedeutet, dass es sich um eine Abfüllung aus einem Jahrgang handelt, und nicht verschiedene Jahrgänge vermischt werden.

„Single Cask Whisk(e)ys“ sind hochprozentiger und werden aus nur einem Fass abgefüllt.
Der „Bourbon Whiskey“ ist ein amerikanischer Whisk(e)y, der anstatt mit Malz vorrangig mit Mais gebrannt wird.

Ein „Blended Whisk(e)y“ ist eine Mischung aus Malt Whisk(e)y und Grain Whisk(e)y, der industriell produziert wird.

Bei der Whisk(e)yproduktion verringert sich die Flüssigkeit im Holzfass während der Lagerung um etwa zwei Prozent, weil der Alkohol verdunstet. Whisk(e)y- Fans sprechen vom „Angels‘
Share“ (Anteil der Engel).
„Ich wollte bis zu meiner Rente meinen eigenen Whisky haben. Es sieht so aus, als würde ich es schaffen.“
Axel Münster, Inhaber Obsthof Münster

Hannes Lintschnig

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