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Ostholstein Der Heimatmaler Leonard Boldt kommt zu späten Ehren
Lokales Ostholstein Der Heimatmaler Leonard Boldt kommt zu späten Ehren
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19:00 25.11.2018
Ausstellung im Ostholstein-Museum Eutin: Der Maler Leonhard Boldt ( 1875-1963). Quelle: Wolfgang Maxwitat
Eutin

Vom Blick auf die Landschaft Schleswig-Holsteins konnte er nicht genug bekommen. Immer wieder hat er die sanften Schwünge und Kurven ihrer von Endmoränen geformten Hügel und die in die Täler gestreuten Seen als Motive für seine Landschaftsbilder gewählt.

Leonard Boldt war ein Heimatmaler. Die Region, in der er geboren und aufgewachsen ist, hat ihn nie losgelassen. Heute ist er – seit 1950 Ehrenbürger der Stadt Eutin, eine Straße ist nach ihm benannt – kaum noch bekannt. Jetzt hat das Ostholstein-Museum seinen Arbeiten eine Ausstellung gewidmet.

Boldts Werke befinden sich in Privatbesitz

„In den Museen sind Boldts Werke nicht zu finden“, sagt Julia Hümme. „Sie finden sich in ganz Schleswig-Holstein, in Hamburg und bis nach Berlin in Privatbesitz.“ Die Leiterin des Ostholstein-Museums hatte deshalb über einen öffentlichen Aufruf um Leihgaben gebeten und auch Kontakt zu den Nachfahren aufgenommen, die Briefe, Dokumente und Fotos für die Ausstellung zur Verfügung gestellt haben.

Die Schau gibt Einblick in die große Bandbreite seines Werkes: erste Kohlezeichnungen, Aktstudien aus seiner Zeit an der Académie Julien in Paris, fast fotorealistisch anmutende Porträts, Genre- und Landschaftsbilder, teils spätimpressionistisch beeinflusst, teils naturalistisch ausgeführt.

Klicken Sie hier, um weitere Bilder von der Leonard Boldt-Ausstellung im Ostholstein-Museum in Eutin zu sehen.

Er war seiner Heimat eng verbunden

Der Kellersee ist eines seiner bevorzugten Motive. Immer wieder hat er den Blick auf den See von der Wilhelmshöhe aus ins Bild gesetzt: eine zuerst noch nahezu unberührte Landschaft, später sind erste Häuser zu sehen, ein Weg führt nun am Seeufer entlang. Boldt ist seiner Heimat Zeit seines Lebens eng verbunden gewesen.

„Es macht den Eindruck, als habe er eine größere, auch internationale Bekanntheit nicht angestrebt – obwohl sie ihm sicher möglich gewesen wäre“, sagt Julia Hümme. In detektivischer Kleinarbeit hat sie die wesentlichen biografischen Details seiner Biografie zusammengetragen, um ein schlüssiges Bild von Charakter und Lebens des Malers zu bekommen.

Boldt, Sohn eines Schlachters, machte zunächst eine Friseurlehre

Leonhard Boldt, 1875 als fünftes Kind eines Schlachters in Eutin geboren, ist in kleinen Verhältnissen aufgewachsen. Nach einer Friseurlehre in Dassow arbeitete er für einen Barbier in Altona – und porträtierte nebenher die Kunden.

Ein Freund, der sein Talent erkannte, riet ihm, sich um ein Stipendium für eine Ausbildung zum Zeichenlehrer zu bemühen. Er bekam es mit Unterstützung des Großherzogs Friedrich August von Oldenburg (1852-1931), besuchte dann Kunstakademien in Berlin, München und Paris, war Meisterschüler von Hubert von Herkomer in London.

Nach der reichen Heirat folgte der ökonomische Erfolg

Seine Heirat mit der Schweizer Fabrikantentochter Marie Siegrist machte ihn zu einem vermögenden Mann. Leonard Boldt konnte er sich nun erlauben, Studienreisen zu unternehmen, in die Schweiz, nach Holland, Italien, Bornholm.

Mit seiner Frau Marie lebte er in Hamburg; er dürfte seine Bilder und die Porträts, die er zum Teil nach Fotografien anfertigte, in den großbürgerlichen Kreisen, in denen er nun verkehrte, gut verkauft haben. Nicht nur zum Malen zog es ihn immer wieder zurück ins Holsteinische. Er kaufte die Wilhelmshöhe und 1909 ein sumpfiges Grundstück am Ufer des Kellersees.

Boldt investierte auch in seine Heimat

Leonard Boldt investierte viel Geld und Überzeugungskraft in den Gemeinden, um die Uferzonen durch umfassende Geländeaufschüttungen mit Wanderwegen zu erschließen, einen Bootsanleger und Uferbefestigungen anlegen zu lassen. 1926 ließ er das Fissauer Fährhaus erbauen, das er später an die Stadt Eutin verkaufte.

„Auf Leonhard Boldts Initiative gehen auch die Anlage und Gestaltung von Rosengarten, Stadtbucht und Seepark zurück“, sagt Julia Hümme. „Er hat seine Heimat nicht nur in seinen Landschaftsbildern verewigt, sondern Eutin und Umgebung auch als Landschaftsgestalter ganz stark geprägt – und dafür einen beachtlichen Teil seines Vermögens eingesetzt.“

Regine Ley

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