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Ostholstein Die Nöte der Tierheime
Lokales Ostholstein Die Nöte der Tierheime
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16:05 13.02.2019
Die Grünen-Landtagsabgeordneten Marlies Fritzen (links) und Lasse Petersdotter lassen sich von Barbara Mohr und einem weißen, für das Foto aus dem Käfig gezauberten Kaninchen die Aufnahmestation des Tierheims Eutin zeigen. Quelle: Dirk Schneider
Eutin

 Vor einem Jahr beschloss die Landesregierung den Tierschutz stärker zu fördern und zusätzliche Mittel für Tierheime bereitzustellen. Die Grünen-Abgeordneten Lasse Petersdotter und Marlies Fritzen besuchten das Eutiner Tierheim, um sich vor Ort über die Arbeit sowie den Bedarf und die Verwendung dieser und weiterer Zuschüsse zu informieren.

Ein kleiner Teil des Kieler Geldes sei tatsächlich in Eutin angekommen, bestätigten Tierheimleiterin Heike Niemeck und der Vorsitzende des Tierschutzvereins Werner Sach in dem Gespräch. So habe man für die Einrichtung einer zusätzlichen Quarantänestation einen Zuschuss für die Anschaffung von zwölf neuen Edelstahlkäfigen erhalten. Die Erweiterung sei notwendig, um nach der Auflösung des Vereins Tierhilfe Ostholstein zusätzliche Zugänge aus dem Bereich Neustadt und dem Amt Ostholstein-Mitte aufnehmen zu können.

Seit Sommer 2018 habe man aus diesem Bereich 45 Katzen zusätzlich aufgenommen, sodass die Gesamtzahl für 2018 auf 226 „Durchläufer“ gestiegen sei. „2017 hatten wir 181 Katzen, vor zehn Jahren waren es noch 300,“ berichtet Niemeck. Die lang- und mittelfristige Tendenz zeige, dass der Tierschutz mit den Kastrationsprogrammen erfolgreich sei.

Bürokratie nimmt immer mehr zu

Peterdotters Frage, wie kompliziert es sei, an Fördermittel heranzukommen, beantwortete Sach knapp mit „nervtötend, aber machbar“. Die Richtlinien seien typisch bürokratisch, sagt Sach. Letztlich würden sich die Vorstandsmitglieder lieber um Tiere als um Papiere kümmern. „Aber leider nimmt dieser Teil der Arbeit deutlich zu.“ Dazu zähle auch die ständige Suche nach Geldquellen, um die laufenden Kosten der Einrichtung zu finanzieren, stellte Kassenwartin Annegret Lüpkow fest. So stünden 2018 den Ausgaben von 125 200 Euro die Einnahmen von 69 300 Euro gegenüber. Letztere summieren sich aus 36 800 Euro Ausgleichszahlungen von den Kommunen, 22 000 Euro Vermittlungsgebühren sowie 9900 Euro aus Beiträgen der 229 Vereinsmitglieder. Letztlich ergebe sich also ein Minus von rund 55 900 Euro.

Mehr Eindrücke vom Besuch der Landtagsabgeordneten im Eutiner Tierheim

Tierheim ist auf Spenden angewiesen

„Man kann ein Tierheim nicht kostendeckend fahren“, sagt Werner Sach. Dieser alljährliche Fehlbedarf müsse und werde durch Spenden und aus Nachlässen ausgeglichen, die dem Verein für den Tierschutz gestiftet würden „Am Ende des Jahres schreibt das Tierheim stets schwarze Zahlen“, betont Sach. Wie lange diese Praxis noch funktioniere, sei schwer zu sagen. Es wäre schön, wenn man diese große Abhängigkeit von der Spendenbereitschaft etwas reduzieren könne. So denke man darüber nach, die seit zehn Jahren mit der Kommune vereinbarten Pflegesätze für die Betreuung zu erhöhen. Bislang bekomme man maximal 28 Tage lang eine Tagespauschale von zehn Euro pro Hund und sechs Euro pro Katze, rechnete Kassenwartin Annegret Lüpkow vor. Die tatsächlichen Kosten lägen aber bei 14 Euro und sieben Euro. Hinzu kommen durchschnittlich 117 Euro pro Tier, die man bei der Aufnahme für die erste Grundversorgung einschließlich der medizinischen Untersuchungen und Behandlungen investiere.

Zwei frisch operierte Kätzchen kuscheln sich Eutiner Tierheim im Körbchen aneinander. Quelle: Dirk Schneider

Tierwohl wichtiger als Vermittlungserfolg

Prinzipiell kämen alle Neuzugänge erst einmal in Quarantäne auf die Isolierstation, um auf Krankheiten wie Schnupfen und Durchfall und Parasitenbefall geprüft zu werden. Aus finanzieller Sicht seien Hunde in der Regel das kleinere Problem, weil die Besitzer meist gefunden und bei der Abholung mit den Kosten belastet werden könnten, erklärt Sach. Bei Katzen, die oft als Jungtiere aus wilden oder heimlichen Würfen stammten, sei dies anders. Hier sei das Tierheim auf die Vermittlung angewiesen. Man gebe die Tiere aber nicht kurzfristig kostenfrei ab, um langfristig Kosten zu sparen. Denn letztlich bedeute die Zahlung ja auch eine Wertschätzung für die Arbeit des Tierheims, vor allem aber für das Tier selbst, sagt Lüpkow. „Und wenn wir einen Halter nicht für geeignet halten, geht weder Hund noch Katze raus.“

Dirk Schneider

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