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Ostholstein Eutin: Stadt im Zeichen Europas
Lokales Ostholstein Eutin: Stadt im Zeichen Europas
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21:13 16.06.2017
Der erste Kongress der Europa-Union in Eutin wurde mit einem eigenen Poststempel gewürdigt. Quelle: Fotos: Europa-Union (2), Petersen (1)

Die Stadt Eutin stand vor einer „fast unmöglich erscheinenden Aufgabe“ und wandte sich hilfesuchend an ihre Bürger: „Es gilt, 350 Delegierten aus der britischen, amerikanischen, französischen und russischen Besatzungszone sowie aus dem Ausland Gastfreundschaft in Form von vorübergehenden Notunterkünften zu gewähren“, skizzierte das Amtliche Verkündungsblatt für den Kreis Eutin am 14. Juni 1947 die Herausforderung. Der Zweite Weltkrieg war gut zwei Jahre vorbei, die Stadt platzte wegen der vielen Flüchtlinge aus allen Nähten.

Vor 70 Jahren trafen sich hier Europäer der ersten Stunde – Am Sonntag heißt es: Jetzt erst recht!.

Und nun das: „Ganz überraschend ist Eutin zur Kongress-Stadt für die Tagung des ersten Europa-Kongresses der überparteilichen Europäischen Einigungsbewegung Europa-Union erhoben worden“, schrieb das amtliche Blatt und bat darum, „Notbetten gleich welcher Art in Privathäusern aufzuschlagen“. Lebensmittel waren damals äußerst knapp, deshalb zerstreuten die Honoratioren der Stadt ausdrücklich Sorgen vor Mitessern am Frühstückstisch. „Für Morgenkaffee und Verpflegung wird anderweitig gesorgt“, hieß es in dem Notbetten-Aufruf.

Die Eutiner erwiesen sich als gute Gastgeber, alle Teilnehmer des Pro-Europa-Kongresses vom 21. bis 23. Juni 1947 kamen unter. Das waren immerhin „um die 400 Delegierte und Gäste aus allen Teilen Deutschlands, unter denen sich annähernd 50 Pressevertreter aus allen Zonen befanden“, notierten damals die Lübecker Nachrichten.

„Die Stadt Eutin gab sich rührende Mühe mit Blumen streuenden, weiß gekleideten Mädchen“, hieß es in einem anderen zeitgenössischen Bericht. Das Kriegerdenkmal auf dem Marktplatz wurde extra mit Brettern verkleidet, darauf das Hertensteiner Kreuz gestellt.

Im schweizerischen Hertenstein am Vierwaldstätter See trafen sich im September 1945 Föderalisten aus ganz Europa und formulierten zwölf Thesen für einen vereinten Kontinent, den der von Deutschland angezettelte Krieg in Schutt und Asche gelegt hatte. Die Thesen wurden zum Gründungsdokument der Europa-Union Deutschland, die knapp zwei Jahre später erstmals in Eutin tagte. Heute hat der Verein, der sich als überparteiliche Bürgerinitiative für Europa definiert, 18 000 Mitglieder.

Fast auf den Tag genau 70 Jahre danach, morgen von 12 bis 16 Uhr, soll der Eutiner Marktplatz wieder ganz im Zeichen Europas stehen. Unter dem Motto „Ja sagen zu Europa – jetzt erst recht!“ lädt die Europa-Union Ostholstein mit ihren 66 Mitgliedern zu einer bunten Veranstaltung ein, um ein Bekenntnis zur europäischen Vereinigung abzulegen. „Eutin hat in Europa immer eine große Rolle gespielt“, verweist die Kreisvorsitzende Herlich Marie Todsen-Reese auf die europäischen Verflechtungen des Hauses Oldenburg. Dass die Stadt vor 70 Jahren zur Wiege der Europa-Union wurde, lag wohl an persönlichen Kontakten zwischen Ernst Hessenauer, dem späteren Landesvorsitzenden der Europa-Union, und Claus Peter Boyens, von 1946 bis 1948 Landrat im Kreis Eutin, vermutet sie.

Die Europa-Kampagne am Sonntag fällt zwar nahezu auf den Tag mit dem historischen Datum zusammen, ist aber vor allem eine Reaktion auf die Konjunktur von Fremdenfeindlichkeit, Populismus und Nationalismus in und außerhalb Europas. Groß gefeiert in Eutin wurde 1987 der 40. Jahrestag des ersten Kongresses, unter anderem kam der damalige Bundespräsident Walter Scheel. Todsen-Reese will die Europa-Union ermuntern, zum 75-Jährigen wieder groß nach Eutin einzuladen.

Auch der Europa-Tag am morgigen Sonntag soll keine Eintagsfliege sein. Angedacht sind wiederkehrende Veranstaltungen unter dem Dach der Europa-Union, bei denen Schulen, Vereine oder andere Organisationen individuelle Schwerpunkte setzen. Besonders willkommen sind junge Menschen. Die erste Resonanz sei ermutigend, berichtet Todsen-Reese. Die Einladung auf den Markt sei an den Schulen der Stadt auf großes Interesse gestoßen, sagt die überzeugte Europäerin erfreut.

Viel Programm

Was bedeutet Ihnen Europa? Das will die Europa-Union am Sonntag auf unterhaltsame Weise auf dem Eutiner Marktplatz von 12 bis 16 Uhr ausloten. Nicht nur der Landesvorsitzende Uwe Döring, Landrat Reinhard Sager oder Bürgermeister Carsten Behnk sollen Farbe bekennen, auch die Bürger selbst. Für Musik sorgen „Knuppene“ und „Timmerhorst“ (13 bis 13.30 Uhr). Dazu gibt es vielfältige Informationen zu Europa, auch Schulen erläutern ihre Aktivitäten. Ein Glücksrad und Gastronomie gehören ebenfalls zum Programm.

pet

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