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Ostholstein Eutin steht vor dem Umbau seiner Schullandschaft
Lokales Ostholstein Eutin steht vor dem Umbau seiner Schullandschaft
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21:18 11.09.2013
Eine Idee der externen Schulplaner: Mittelfristig müssten Voß- (links) und Weber-Gymnasium fusionieren, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Fusion der Gymnasien, Schulstandorte aufgeben und zusammenlegen: Was den Mitgliedern des Schulausschusses am Dienstagabend auf ihrer Sitzung zum Thema Eutiner Schulentwicklung präsentiert wurde, birgt Stoff für vielschichtige und vermutlich auch kontroverse Überlegungen und Diskussionen. Doch bevor die Auseinandersetzung mit einzelnen Fragen beginnen kann, wollen und müssen sich alle Fraktionen im internen Rahmen detailliert mit dem vorliegenden Materials befassen. Angesichts der Masse an Fakten und der Wichtigkeit des Themas sah sich niemand zu einer spontanen Stellungnahme in der Lage.

Aus großen Brocken an Informationen, Zahlen, Diagrammen und Prognosen hatte Wolf Krämer-Mandeau von der „Projektgruppe Bildung und Region“, die im Juli von Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz (CDU) mit der Erarbeitung eines Schulentwicklungsplanes beauftragt worden war, mögliche Konzepte für die Zukunft des Bildungsstandortes Eutin entworfen und Problemfelder klar benannt. Im Verlauf seiner Ausführungen wurde schnell deutlich, dass jede diesbezügliche Planung weit über die ganz aktuelle Frage nach baulichen Veränderungen im Bereich der Wilhelm-Wisser-Gemeinschaftsschule hinausgehen wird.

Hier riet Krämer-Mandeau, der vor der Sitzung eine Ortsbegehung vorgenommen hatte, vom Bau einer Dreifeldhalle dringend ab. Dadurch werde der Schulhof unzumutbar verkleinert. Seine Anregung: Auf dem Gelände des alten Güterbahnhofes, das sich im Besitz der Stadt befindet, könnte eine neue Turnhalle errichtet werden. Nach einem Abriss wäre dann die Fläche der jetzigen Turnhalle frei für eine Bebauung. Dort könnten Mensa, Ganztagesbereich und Fachräume untergebracht werden, die dann im Schulgebäude frei werdenden Räume stünden für die Klassenstufen 5 und 6 zur Verfügung, die zur Zeit noch Am Kleinen See unterrichtet werden.

Hintergrund aller Überlegungen ist die demografische Entwicklung, die nach Ansicht Krämer-Mandeaus weitere Schulbauten überflüssig mache. Die Stadt müsse aufpassen, dass sie nicht mehr Dächer baue, als sie tatsächlich brauche. Es gelte, „eutinisch zu denken und nicht einzelschulisch“. „Sie sind eine Schulstadt und Sie sollen es auch bleiben. Aber Sie müssen aufpassen, dass Sie keine Fehler machen“, wandte sich Krämer-Mandeau an die Politiker. Die Herausforderungen sind zahlreich: Die Geschlechterorientierung — „die Männer werden abgehängt“ — sei problematisch, die Inklusion, die derzeit fast vollständig der Gemeinschaftsschule überlassen werde, müsse auch von den Gymnasien als ihr Thema erkannt werden, und alle, auch die weiterführenden Schulen, seien als Ganztagesschulen zu denken.

Auffällig und nicht typisch für Schleswig-Holstein ist nach den Ausführungen Krämer-Mandeaus in Eutin der hohe Anteil an Gymnasiasten, die nicht bis zur Jahrgangsstufe des Abschlusses an der jeweiligen Schule blieben. Ihr Anteil betrage 40 Prozent — ein Problem, das positiv und gemeinschaftlich diskutiert werden müsse. Mögliche Gründe wurden nicht genannt, aber: „Der Kampf um die Köpfe der weiterführenden Schulen wird deutlich härter werden“, prophezeite Krämer-Mandeau.

Ein Vorschlag, den er als „große Lösung“ bezeichnete, beinhaltet dann auch Punkte, die einigen Zündstoff bergen: ein Standort für die Gemeinschaftsschule, die Sporthalle am alten Güterbahnhof, die Förderschule veräußern, beide Gymnasien fusionieren, die Grundschule in der Voß-Schule unterbringen. Wie weitreichend dies gedacht ist, war Krämer-Mandeau durchaus bewusst, er unterstrich jedoch auch die existenzielle Bedeutung des Themas für die Stadt: „Strukturell werden Sie groß denken müssen, um die pädagogische Kraft, die Eutin heute hat, nicht zu verlieren.“

Astrid Jabs

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